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Lokales Bewegender Abschied von Crister Garrett
Leipzig Lokales Bewegender Abschied von Crister Garrett
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12:15 27.04.2019
Claudia Garrett spricht auf der akademischen Gedenkfeier für ihren Mann, den verstorbenen Amerikanistikprofessor Crister Garrett (56), im Paulinum der Leipziger Universität. Quelle: Leipzigreport
Leipzig

Mit einer bewegenden Trauerfeier unter dem Motto „Celebration of Life“ im Paulinum nahmen am Freitagnachmittag die Leipziger Universität, Angehörige, Kollegen, Freunde und Weggefährten aus aller Welt Abschied von Crister Garrett. Der weit über Leipzig hinaus bekannte und geachtete Professor für Amerikanistik verstarb am 6. März im Alter von 56 Jahren. In der ersten Reihe saßen seine Frau Claudia Garrett sowie die gemeinsamen Töchter Kajsa (17) und Sanna (12) neben Uni-Rektorin Beate Schücking.

Rektorin Beate Schücking zeigt Hochachtung vor Crister Garrett

Ganz in Schwarz und sichtlich bewegt trat die Rektorin als Erste ans Mikrofon. „Welche besondere Hochachtung wir vor Crister Garrett haben, zeigt, dass wir erstmals hier im Paulinum, unserem bedeutendsten universitären Raum eine Trauerfeier veranstalten. Für ihn“, sagte sie mit einer Stimme, die von Trauer erfüllt war. Sie verwies darauf, dass Garrett, der seit 2003 in Leipzig lehrte und von 2008 bis 2012 auch Direktor des Instituts für Amerikanistik war, viele Projekte wie den American Space auf den Weg brachte und unermüdlich für Verständigung warb.

„Leipziger Uni hat Garrett viel zu verdanken“

Die Uni Leipzig habe ihm viel zu verdanken. „Einen authentischeren Botschafter für die Welt hätte sich unsere Uni kaum denken können“, würdigte Schücking den Verstorbenen, der ein wirklicher Kosmopolit gewesen sei. Sie verwies darauf, dass Garretts Mutter Schwedin ist und sein Vater aus Colorado (USA) stammt. Beide seien viel mit ihm durch die Welt gereist. Als Heimat habe Garrett ihr gegenüber immer Kalifornien und Leipzig genannt. Sie freue sich, dass diese Weltläufigkeit auch seine beiden Töchter präge, die die deutsche und die amerikanische Staatsbürgerschaft haben und auf ein deutsch-französisches Gymnasium gehen. „Ich bin unendlich traurig, dass wir ihn so früh verlieren mussten. Und ich sehe hier viele, die ihn auch sehr vermissen“, endete die Professorin.

Garrett lächelte von der Leinwand

Auf einer bewegenden Trauerfeier nahmen am Freitag Kollegen, Familie und Freunde Abschied von Professor Crister Garrett.

Professor Beat Siebenhaar, Dekan der Philologischen Fakultät, würdige Garrett als einen Kollegen, der „mit Augenzwinkern auch konflikthaltige Situationen auf einen guten Weg brachte“. Auch Professor Gabriele Pisarz-Ramirez, die Direktorin des Instituts für Amerikanistik, lobte Garretts verbindende Art. Er sei ein glücklicher entspannter Kalifornier gewesen. Wie zum Beweis lächelte Garrett von einem großen Leinwandfoto ins volle Auditorium, als wollte er allen freundlich „Hallo!“ sagen. Seine Seminare seien immer voll gewesen, so die Direktorin. „Er war die Stimme des Instituts nach außen, konnte komplexe Sachverhalte verständlich erklären und hat bis zum letzten Tag des Wintersemesters gearbeitet.“ Bis zuletzt sei er ein unerschütterlicher Optimist gewesen.

Professor aus Ohio lobt Garretts gewinnende Art

Die Zuversicht und die gewinnende Art seines Freundes und Kollegen hob auch Professor Chester Pach von der Partneruniversität in Ohio hervor. Er habe sich in der Biker-Kneipe genauso wohl gefühlt wie beim universitären Disput.

US-Generalkonsul Eydelnant hofft auf Verwirklichung von „Cristers Vision“

Leipzigs US-Generalkonsul Timothy Eydelnant würdigte Garrett als brillanten Kopf, dessen scharfsinnige Analysen gefragt waren. Er erinnerte sich an viele Treffen mit Crister Garrett, der sächsischen Staatsregierung und Vertretern der Stadt Leipzig, wo es darum ging, den American Space zu erweitern und als deutsch-amerikanisches Institut zu etablieren. „Wir werden mit allen Partnern weiter daran arbeiten, damit Cristers Vision wahr werden kann“, versprach er.

Studentinnen würdigen Lehrer, Mentor und Freund

Die Studentinnen Miriam Wilke und Nadine Wollmann berichteten in bewegenden Worten, wie beliebt Garrett als Lehrkraft war, weil er eben mehr gewesen sei als nur Lehrer, auch Mentor und Freund. „Er hörte zu, motivierte uns, bestärkte uns und feierte mit uns.“

Tochter Kajsa: Stipendium im Sinne des Vaters

Kajsa Garrett, die älteste Tochter, sprach – wie die Studentinnen zuvor – im perfekten Englisch zu den Trauergästen über das Crister Stephen Garrett Stipendium, das die Familie gegründet hat, um junge Studierende in ihrer wissenschaftlichen Laufbahn zu fördern – ganz im Sinne ihres verstorbenen Vaters. Für das Stipendienprogramm sammelt die Familie mit einer Online-Fundraisingkampagne auf GoFundMe Spenden. Es seien schon über 21 000 Euro zusammen gekommen, sagte Kajsa. Sie vermisse ihren Dad. Manchmal habe sie den Traum, er müsse doch jetzt durch die Tür kommen. „Das sind ganz schwere Momente“, schluckte sie.

Tochter Sanna: Er war immer für uns da

Sanna, die zwölfjährige Tochter, erzählte (ebenfalls in Englisch), wie sehr ihr der Papa fehlt. „Ich bin so stolz auf meinen Vater, der uns viele Türen zur Welt öffnete und immer für seine Girls da war – und auf meine Mutter, die die Familie zusammenhält“, sagte Sanna. „Dad, danke für alles. Wir lieben dich.“ Bei diesen Worten griffen viele Gäste erneut zu ihren Taschentüchern.

Claudia Garrett: Er hatte einen unbändigen Lebenswillen

Claudia Garrett, die ihren Mann als Studentin an der Leipziger Uni kennen lernte, dankte zum Schluss Beate Schücking, den Ärzten und Schwestern vom UKL, die ihren krebskranken Mann behandelten, der Familie, Nachbarn und Freunden für die Unterstützung. Die vielen Hunderte an Messages und E-Mails, die sie bekam, zeigten ihr, dass der Tod Crister Garretts nicht nur für sie ein großer Verlust ist. „Er hat mit einem unbändigen Lebenswillen bis zum Schluss gearbeitet.“ Sein Motto sei gewesen: „ Gib 100 Prozent und gib nie auf. Versuche es noch einmal.“

Zahlreiche Gäste

Unter den zahlreichen Gästen war auch Scott Riedmann, der frühere Leipziger US-Generalkonsul, der extra aus London anreiste, um von seinem „lieben, verehrten Freund Abschied zu nehmen“. Auch Michael Heinz, der Geschäftsführer von Bell Flavors und Fragrances in Miltitz kam, um seinem langjährigen Freund die Ehre erweisen. Viele Studenten, auch ehemalige, saßen in den Reihen, darunter auch Diana Labisch aus Altenburg. Die 30-Jährige lobte „den kalifornischen Esprit“ und die Offenheit Garretts, der individuell auf seine Studenten einging. Sie habe er unterstützt auf dem Weg zur Promotion. Die hat sie letzte Woche fertig geschrieben.

Zum Schluss spielten Nick Deutsch und Graham Welsh von der Leipziger Musikhochschule „My Way“. Und Crister Garrett lächelte von oben dazu.

gofundme.com/crister-stephen-garrett-scholarship

Von Anita Kecke

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