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Lokales Biber leben wieder mitten in Leipzig - und hinterlassen ihre Spuren
Leipzig Lokales Biber leben wieder mitten in Leipzig - und hinterlassen ihre Spuren
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09:56 12.01.2019
Im Elsterbecken legen die Biber nahe dem Stadion auch dicke Bäume um. Das Umweltamt sieht wegen der streng geschützten Tiere noch keinen Grund zum Handeln. Quelle: J. ter Vehn/dpa
Leipzig

Früher galten sie in Leipzig als ausgerottet. Jetzt sind die Biber zurück: Mitten in der Stadt, zwischen Stadion und RB-Trainingsgelände, haben sich die streng geschützten Tiere im Elsterbecken breit gemacht – und legen dort die Bäume flach. Das Umweltamt sieht aktuell noch keinen Anlass zum Eingreifen.

Spaziergänger flachsen schon: Inzwischen hätten die Biber in diesem Winter mehr Bäume umgelegt als die Förster bei ihrer jährlichen Pflege. Tatsächlich dürfte mehr als ein Dutzend der Bäume, die derzeit am Uferrand des Elsterbeckens im Wasser liegen, auf das Konto der Tiere gehen. Gut zu erkennen sind an ihnen die Spuren des zweitgrößten Nagetieres der Erde, der sein Futter per „Sanduhrtechnik“ so lange beknabbert, bis es umfällt. Eine Biberfamilie benötige für einen 30 Zentimeter starken Baum zwei Nächte, weiß Nabu-Biberexperte Ronny Wolf.

Mitten in der Großstadt Leipzig leben bislang weitgehend unbeachtet auch Biber. Vor allem an den Bäumen rund um das Elsterflutbecken haben sie ihre Spuren hinterlassen, etliche sogar zum Umfallen gebracht. Hier eine kleine Auswahl von Biber-Spuren aus Leipzig:

„Das ist für ihn die Winternahrung“, erläutert der Diplom-Biologe. Weichgehölze wie Pappel, Weide, Birke und alle Arten von Obstbäumen zählten dazu. Daher sieht Wolf durch den Biber den Auwald auch eher nicht in Gefahr: „Das ist überwiegend eine Hartholzaue. An Eichen geht ein Biber höchstens, um sich von Zeit zu Zeit die Zähne abzuwetzen.“

Als Fastenspeise verzehrt

In Leipzig galten die Tiere im vorigen Jahrhundert als ausgerottet. Ihr wertvolles Fell und das Drüsensekret namens „Bibergeil“, mit dem sie ihr Revier markieren, dem aber auch Heilkräfte zugeschrieben werden, sorgten wohl für ihr Aussterben. Weil sie wie Fische im Wasser leben, galten sie in früheren Tagen zudem als beliebte Fastenspeise bei frommen Leuten.

Ende der Achtigerjahre sei erstmals wieder ein durchziehendes Tier in Leipzig gesehen worden, nach der Wende dann ein Einzelgänger, der sich in einem Regenrückhaltebecken in Wiederitzsch kurzzeitig niederließ, erzählt Wolf. „So richtig wiedergekehrt sind die Elbebiber über die Saale und die Weiße Elster nach Leipzig aber erst vor fünf bis sechs Jahren“, weiß er. Inzwischen kenne er drei Biberburgen am Elsterbecken, lebten wohl zwei Familien mit ihrem Nachwuchs dort.

Verbreitung bis Knauthain

Von dort aus würden sich die Tiere immer weiter gen Süden ausbreiten, hat Wolf beobachtet. Es gebe Spuren inzwischen bis Knauthain, „und in Zwenkau sind die Naturschützer schon alarmiert, auf die Tiere zu achten“, sagt er.

Umweltamtsleiterin Angelika von Fritsch beobachtet das Wachsen der Population auch mit Stolz: „Die Wasserqualität, das Nahrungsangebot, die Ungestörtheit – alles passt für die Biber. Und soetwas mitten in einer Großstadt!“, freut sie sich. Im Gegensatz zum Eisvogel-Vorkommen, wegen dem ihr Amt große Teile des Bootsverkehr durch die südliche Aue beschränkt hat, gebe es beim Biber aktuell keinen Anlass zu handeln. „Im Elsterbecken gibt es keinen Bootsverkehr und die Biber sind offensichtlich an die Spaziergänger dort gewöhnt“, sagt von Fritsch. Ein Ärgernis könnten Hunde sein, aber die dürften dort ohnehin nur angeleint laufen. Erst wenn ihr Amt mitbekomme, dass den Tieren nachgestellt wird oder die Biberbauten angegriffen werden, werde es aktiv werden.

Fluss muss fließen können

Axel Bobbe von der Talsperrenmeisterei hat es da schwieriger. Per Gesetz ist er verpflichtet, das Elsterbecken von Hindernissen frei zu halten. Gleichwohl verbietet es der Naturschutz, Biberburgen und –dämme zu entfernen. Die Burgen liegen am Ufer, stören nicht. Eher die Bäume im Wasser. Der Kompromiss: „Bei großen Bäumen schneiden wir den Stamm raus und entfernen ihn, lassen aber kleinere und mittlere Äste als Futter für die Tiere zurück“, erklärt Bobbe. Bei kleineren Flüssen wie der Weißen Elster würden auch mittlere Äste mitgenommen, weil sonst der Abfluss behindert sei.

Winternahrung: typische Kegelbissspuren. Quelle: Jörg ter Vehn

Während andernorts in Sachsen die Biber mit ihren Dämmen schon Flüsschen aufstauten, einzelne Grundstücke unter Wasser legten oder gar die Lößnitzgrundbahn nahe Moritzbrug bedrohten, hätten die Leipziger Biber noch nicht versucht, das Elsterbecken aufzustauen, erzählt Bobbe. Das sei auch wohl etwas breit dafür, schmunzelt er. Gleichwohl werde die Talsperrenmeisterei das wegen des nötigen Hochwasserschutzes auch nicht zulassen. Die Baumfällungen durch die Tiere hätten in den letzten Jahren spürbar zugenommen. „Aber im Moment tuen uns die Biber im Elsterbecken noch nicht weh.“

Biberexperte Wolf wünscht sich, dass mit mehr Öffentlichkeitsarbeit mehr Verständnis für die Biber geweckt wird, weiß aber auch um Probleme. Er rät vorsorglich den Besitzern von Wassergrundstücken, ihre Obstbäume mit Zäunen zu schützen.

Von Jörg ter Vehn

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