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Lokales Billigzähler: Leipzigs Wasserwerken droht Millionenschaden
Leipzig Lokales Billigzähler: Leipzigs Wasserwerken droht Millionenschaden
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00:21 30.11.2017
Wasserzähler sind technisch anspruchsvoll. Alle Teile müssen korrekt sein – wenn nicht, dürfen die Geräte nicht eingesetzt werden.   Quelle: dpa
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Leipzig

Den Wasserwerken steht neuer Ärger mit ihren ungeeichten Wasserzählern ins Haus. Denn dem Hersteller aus Nordrhein-Westfalen (NRW), der die Geräte ohne Zulassung bundesweit vertrieben hat, droht die Insolvenz. Ursprünglich wollten die Wasserwerke von ihm die Kosten für den Austausch von über 14.000 Zählern ersetzt haben. Dafür wird auch ein Rechtsstreit geführt. „Die Kosten werden wir nicht auf den Wasserpreis umlegen, sondern uns von dieser Firma ersetzen lassen“, hatte Michael Theis, kaufmännischer Geschäftsführer der Leipziger Wasserwerke, erst im September öffentlich angekündigt.

Theis hatte damals auch dem Vorwurf widersprochen, vorsätzlich Billigzähler eingekauft zu haben, um die Gewinnmarge der Wasserwerke zu erhöhen. „Wir haben nicht billig eingekauft“, betonte er. „Als öffentliches Unternehmen sind wir gehalten, Ausschreibungen unter strengen Auflagen durchzuführen. Daran haben sich in diesem Fall sechs Unternehmen beteiligt und der Sieger hat uns betrogen.“ Bundesweit seien sogar 40.000 Zähler betroffen und müssten ausgetauscht werden.

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Der Betrug war aufgeflogen, weil das Eichamt Düsseldorf feststellte, dass die Zulassungsnummern auf den Geräten fehlten. Diese Nummern werden von einer physikalisch-technischen Überwachungsanstalt erteilt und sollen sicherstellen, dass bei der Produktion vorgeschriebene Qualitätsparameter eingehalten werden. Um diese Zulassung zu erhalten, müssen Hersteller zum Beispiel sicherstellen, dass sie bei ihren eingesetzten Werkzeugen vorgeschriebene Standzeiten einhalten – damit die gefertigten Teile die vorgeschriebene Genauigkeit besitzen. Auch das verwendete Material und die Abmessungen einzelner Teile werden bei dieser Zulassung genau kontrolliert – damit Vorgaben wie zum Beispiel die Biegesteifigkeit eingehalten werden. Außerdem müssen bei den produzierten Teilen Stichprobenkontrollen in genau festgelegten Abständen erfolgen – und umfangreich dokumentiert werden. Erfolgt dies nicht, gibt es keine Zulassung – und ohne Zulassung dürfen solche Messeinrichtungen nicht im geschäftlichen Verkehr eingesetzt werden. Denn dann besteht die Gefahr, dass die Geräte nicht korrekt messen.

Der Austausch der unzulässigen Zähler ist bei den Wasserwerken bereits in vollem Gange. „Wir haben schon mehr als 13.000 Zähler gewechselt“, erklärte Sprecher Marc Backhaus auf LVZ-Anfrage. „Durch sehr große Anstrengungen wird es uns gelingen, der Forderung der Eichbehörde Nordrhein-Westfalen nachzukommen und alle betroffenen Zähler bis Ende 2017 auszuwechseln.“

Die Gesamtkosten der Umstellung werden von den Wasserwerken mit rund einer Millionen Euro beziffert. Das Unternehmen will jetzt versuchen, so viel Geld wie möglich aus der Konkursmasse des Herstellers zu erhalten. Ob dies gelingt ist offen, denn dort werden sich auch die anderen deutschen Wasserversorger bedienen wollen, die dem Betrug ebenfalls aufgesessen sind.

„Zu den tatsächlichen Gesamtkosten können wir derzeitig noch nichts sagen, da der Vorgang ja noch läuft“, so Backhaus. Gegen den Hersteller laufe in der Tat ein vorläufiges Insolvenzverfahren. „Schätzungen zufolge wird die im Jahr 2016 zurückgestellte Summe – rund eine Million Euro – auskömmlich sein. Sollten wir tatsächlich die Gesamtkosten tragen müssen, werden diese aus den Rückstellungen bedient und gehen nicht in die Kalkulation der Wasserpreise ein.“

In der Branche heißt es, dass Leipzigs Rückstellung von einer Million Euro „knapp werden könnte“. Denn der Aufwand für den Austausch der zahlreichen Zähler sei nicht gering: Jeder neue Zähler schlage vermutlich mit Kosten von rund 20 Euro zu Buche – deutlich mehr als die 1,85 Euro, die für einen Billigzähler gezahlt wurden, heißt es. Außerdem müsse jeder Kunde angeschrieben und ein Termin vereinbart werden; auch ein Monteur müsse vor Ort fahren, den Zählerstand ablesen und ins System einpflegen sowie das neue Gerät montieren. Hinzu kämen die Gerichts- und Anwaltskosten. Dieses Geld hätte im Versorgungsgebiet auch sinnvoller verwendet werden können, heißt es.

Von Andreas Tappert