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Lokales Blau-Licht zum Autismustag in Leipzig
Leipzig Lokales Blau-Licht zum Autismustag in Leipzig
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21:10 02.04.2019
Blaues Licht am Weltautismustag: Die Stadt Leipzig ließ den Mendebrunnen auf dem Augustusplatz (Foto), den Turm des Neuen Rathauses und die Alte Handelsbörse am Naschmarkt beleuchten. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Die Farbe Blau ist zum Symbol für Autismus geworden. Wer an dieser Entwicklungsstörung erkrankt ist, meint beispielsweise blau hören zu können – eine Folge von sensorischen Besonderheiten. So wie an unzähligen anderen Orten zum Weltautismustag wurden deshalb auch in Leipzig Gebäude in ein Blau getaucht: Mendebrunnen, Alte Börse und der Turm des Neuen Rathauses.

Starke emotionale Reaktionen

Mit Unterstützung der Stadt machte am Dienstag die Autismusambulanz, die zur Gruppe des Berufsbildungswerks Leipzig gehört, auf dem Augustusplatz auf Autismus aufmerksam. „Oft haben Menschen aus dem Autismus-Spektrum mit Klischees zu kämpfen“, so die Initiatoren. „Sie müssen sich rechtfertigen und erklären, was bei ihnen ‚anders‘ ist.“ Um nicht aufzufallen, versuchten sie sich so weit wie möglich an gesellschaftliche Erwartungen und Normen anzupassen, was ihnen sehr viel Energie abverlange.

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Die Farbe Blau ist zum Symbol für Autismus geworden. Am 2. April wurden in Leipzig mehrere Gebäude blau angestrahlt.

„Häufig kommt es dadurch zu enormen Erschöpfungszuständen oder starken emotionalen Reaktionen.“ Aus Sicht der Autismusambulanz ist in der Gesellschaft ein besseres Verständnis zum Thema Autismus nötig, um auch eine andere Sicht auf die Betroffenen möglich zu machen. Die Aktion „Wir machen Blau“ war von 18 Uhr bis in den späten Abend präsent.

Autisten wollen kein Mitleid

Im Jahr 2008 beschlossen die Vereinten Nationen einen Welttag der Aufklärung über Autismus; seitdem wird er jährlich in den Mitgliedsstaaten begangen. Autismus hat zahlreiche verschiedene Ausformungen; durch die Störung ist die Informations- und Wahrnehmungsverarbeitung beeinträchtigt; das wirkt sich auf die Entwicklung der sozialen Interaktion, der Kommunikation und das Verhaltensrepertoire aus. „Aktionen wie unsere bescheren natürlich keine Vielzahl neuer Unterstützer“, sagt Autismusambulanz-Leiterin Heidemarie Bach, „aber sie sorgen für Aufmerksamkeit. Autisten wollen kein Mitleid, sondern sie möchten offenes Interesse von außen und mehr Wertschätzung.“

Autismustag am Samstag in Leipzig

Zum vierten Mal veranstaltet der Verein Leipzig und Autismus (LunA) am Sonnabend im Mediencampus einen Leipziger Autismustag; er steht unter dem Motto „Mehr-stimmig“ und richtet den Fokus auf alle Bereiche von Kommunikation als Voraussetzung für ein möglichst barrierefreies Miteinander. Dazu gehören beispielsweise schriftliche Kommunikation, Gebärdensprache und elektronische Sprachausgabegeräte.

Das Symposium unter der Schirmherrschaft von Sozialbürgermeister Thomas Fabian beginnt um 9.30 Uhr und bietet bis zum späten Nachmittag Diskussionsrunden und zahlreiche Vorträge wie „Außerirdische Reportagen aus dem Schulalltag 2.0“ von Nicole Hubert oder „Warum erzählen Sie mir das? Autismus-spezifische Konflikte erkennen und verstehen“ von Susanne Leo und Immo Tzscheetzsch. Autismus-Coach Tina Crimmann spricht über „Unterstützte Kommunikation für Alle“. Das Symposium wird von Viktoria Günther moderiert.

Mehr Infos zum Autismustag am Sonnabend auf www.leipzig-und-autismus.de.

Von Mark Daniel