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Lokales Blinde feiern etwas langsamer
Leipzig Lokales Blinde feiern etwas langsamer
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17:47 07.07.2019
Nils Prause und Nuray Gürler sind aus Osnabrück zum Braille-Festival nach Leipzig gekommen. Quelle: Kempner
Leipzig

 Wie feiern eigentlich Blinde? Wer sich traute, konnte am Sonnabend beim Braillefest auf dem Leuschnerplatz danach fragen. Oder einfach nur hinschauen und beobachten.

Oft hat ein Sehender einen Blinden untergehakt

Ein paar Eindrücke: Die Moderatoren auf der Bühne schildern immer erst einmal, wie ihre Gesprächspartner gekleidet sind. Die Leute sind langsamer und behutsamer unterwegs, etliche ertasten mit Langstöcken den Weg. Meist gehen sie zu zweit oder in Gruppe, ein Sehender hat einen Blinden untergehakt und weist ihn auf Besonderheiten hin. Smartphones werden weitaus weniger gezückt, aber mit speziellen Apps sind sie auch für Blinde ein wichtiges Hilfsmittel. Die Imbissstände werden anhand des Essensduftes oder den Empfehlungen eines Sehenden ausgewählt – oder auch mit den Fingern „gelesen“, sofern sie mit Brailleschrift bestückt sind.

Louis-Braille-Festival erstmals in Leipzig – Begegnungen im Zeichen der Inklusion

Alle sind sich gegenseitig behilflich

„Man achtet mehr aufeinander, stellt sich aufeinander ein. Die Atmosphäre ist besonders entspannt und fröhlich“, beantwortete Elisabeth Rabe (73, nicht blind) die Frage. „Man weiß, dass man hier Freunde trifft. Alle wissen Bescheid und sind uns behilflich“, ergänzt ihre Schwester Ingeborg Henninger-von der Ohe (74). Sie hat vor 15 Jahren ihr Augenlicht verloren. Nach Leipzig sind die Frauen aus Schleswig-Holstein mit dem Zug gekommen, Teilstücke an der Elbe entlang auch mit dem Tandem-Fahrrad. „Wenn meine Schwester keine Zeit gehabt hätte, wäre ich mit meinem Hund alleine gekommen. Dann ist nur alles etwas schwieriger“, sagt die blinde Ingeborg.

Blindenhund zeigt Treppen und Türen

Auch die blinden Nils Prause (38) und Nuray Gürler (38) aus Osnabrück lauschen den Interviews und Musikbeiträgen auf der Bühne. Sie finden es nicht besonders schwer, sich in Leipzig zurechtzufinden. „Wir sind da etwas unerschrocken“, sagt Nils. „Sobald man aus dem Bahnhof rauskommt, wird man angesprochen. Wenn man richtig aus der Bahn aussteigt, kann man eigentlich nicht mehr viel falsch machen.“ Am Braillefest nehmen sie teil, weil sie neugierig auf des vielfältige Programm mit Kultur und Sport waren. „Hier ist eigentlich alles optimal organisiert“, lobt Nuray, die bis vor ein paar Monaten in Leipzig gewohnt hat. An ihrer Seite hat sie Blindenhund Joschi: „Er beherrscht 60 bis 70 Hörzeichen. Ich muss wissen, wo ich lang will. Der Hund zeigt mir dann Hindernisse wie Treppen und Türen“, erklärte die junge Frau.

Fest der Begegnung

Am Freitag hatte das deutschlandweite Festival des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes in Leipzig begonnen. Die meisten Veranstaltungen konzentrierten sich auf Kongresshalle und Zoo. Höhepunkt am Sonnabend war das Fest der Begegnung zwischen blinden, sehbehinderten und sehenden Menschen auf dem Leuschnerplatz. Dort konnten Blinde und Sehende unter anderem einen Irrgarten der Künstlerin Anna Schimkat ausprobieren.

Von Kerstin Decker

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