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Lokales Blutende Maschine an der HTWK
Leipzig Lokales Blutende Maschine an der HTWK
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17:20 16.11.2018
Eine blutige Angelegenheit: HTWK-Professor Werner Korb erklärt Leipziger Schülern, wie man operieren lernt, ohne Schaden anzurichten. Quelle: André Kempner
Leipzig

Die meisten Menschen bringen die vielbeschworene Digitalisierung zuerst mit Bildschirmen in Verbindung, vom Telefondisplay bis zur Kinoleinwand. Steuerbar per Tastatur, Wischbewegung oder einem Spielgerät glotzt in jedem Fall irgendwer weitgehend bewegungslos auf eine Mattscheibe. Denkt man.

Dabei rollen manche digitale Anwendungen längst auf Rädern durch die Gegend. Oder sie projizieren künstliche Wesen in die Realität. Und, ja, in der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) Leipzig hat jetzt eine Maschine während eines Info-Nachmittags über „Erfahrbares Lernen“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) sogar geblutet. Rund 100 Besucher haben sich das angeschaut.

Mehr als eine Million Euro vom Bund

„Theaterblut“, erklärt Werner Korb, Stiftungsprofessor an der HTWK, und zwar „für Simulation und Ergonomie in der operativen Medizin“. Was jedenfalls vorzuziehen ist gegenüber dem Blut eines Menschen oder eines Versuchstiers. Mit einem Budget von 1,41 Millionen Euro entwickelt Korb mit seinen Kollegen am Forschungszentrum „Life Science & Engineering“ und mit Partnern aus der Wirtschaft seit Mai 2016 Trainingsgeräte für angehende Chirurgen. Die Bundesregierung steuert davon etwas mehr als eine Million Euro bei.

Also erhält zum Beispiel der 14-jährige Niklas vom Leipziger Werner-Heisenberg-Gymnasium die Gelegenheit, an einer offenen Wirbelsäule zu operieren. „Das Kunststoffmodell fühlt sich wie ein echter Körper an, auch die OP-Instrumente sind original“, erklärt Kolb. „Ganz schön weich“, findet Niklas. Und doch wieder ein Bildschirm: Er überträgt, was in der Wunde passiert. Sensoren messen, ob der Teilzeit-Chirurg mit dem richtigen Druck hantiert. Und wenn er an der falschen Stelle herumdoktert, tja, dann blutet’s eben aus dem falschen Loch.

„Erfahrbares Lernen“ eben. Insgesamt stellt das BMBF seit 2016 und noch bis 2019 bundesweit 20 Millionen Euro für solche Vorhaben zur Verfügung. Mehrere Apparaturen touren momentan mit dem Ziel durch das Land, die „Technik zum Menschen zu bringen“. Um „Begreifen, Erfassen, Verstehen im wörtlichen Sinn“ geht es Anette Hilberg vom Projektträger VDI/VDE Innovation und Technik. Sie betreut den Förderschwerpunkt im Auftrag des Ministeriums. „Wir wollen die Digitalisierung nutzen, um das Lernen zu verbessern“, sagt sie.

Eine Brille, die ein Verbund unter Leitung des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz entwickelt hat, macht unsichtbare physikalische Phänomene und Prozesse sichtbar: Elektrizität, Magnetismus, Wärme. Die sinnliche Erfahrung soll helfen, trockene Theorie zu begreifen. „Man kann die Brille so einstellen, dass man sieht, ob der Kaffee noch warm ist“, sagt Pascal Kierim von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Und dass man versteht, wie die Hitze entfleucht.

Vom Lernen und Spielen

„Menschen lernen gern, weil sie gern spielen“, glaubt Rainer Malaka, Professor für Digitale Medien an der Universität Bremen. „Oder auch andersherum.“ Das menschliche Gehirn sei kein Computer. „Wir können Wissen nicht downloaden. Unser Gehirn ist riesig, aber der Körper trotzdem dominant.“ Deshalb müsse der Körper einen Zusammenhang eben wortwörtlich begreifen, erfassen, um zu verstehen, was passiert.

Eine digitale Revolution in den Klassenzimmern führt nach Ansicht des Experten also gerade nicht zu weniger Sinneserfahrungen und weniger Bewegung, sondern zu mehr. „Weg vom Bildschirm führt die Digitalisierung ab jetzt zurück ins Leben“, hofft Malaka. An den Schulen ist sie indes bis jetzt noch nicht wirklich angekommen. „Die Anzahl digitaler Lerngeräte bei uns? Nullkommanull“, sagt der 14-jährige Jan vom Heisenberg-Gymnasium. „Dabei soll uns die Schule doch aufs Leben vorbereiten, heißt es immer.“

Von Mathias Wöbking

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