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Lokales Blutiger Streit um Hundehaufen: 83-Jähriger beruft sich auf Notwehr
Leipzig Lokales Blutiger Streit um Hundehaufen: 83-Jähriger beruft sich auf Notwehr
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16:49 29.08.2019
Freigesprochen: Rentner Heinz B. (83) machte nach dem Streit mit einem Hundebesitzer Notwehr geltend. Quelle: Christian Modla
Leipzig

Die Anklageschrift klang erschütternd: Ein 83-jähriger Rentner aus Leipzig-Mockau soll aus Ärger über Hundehaufen vor seinem Grundstück in der Mitschurinstraße mit einer Eisenstange derart zugeschlagen haben, dass sein Widersacher fast erblindete. Doch am Ende des vierstündigen Prozesses am Donnerstagmittag verließ der hochbetagte Angeklagte Heinz B. das Leipziger Amtsgericht als freier Mann.

Es war am 9. November 2018 gegen 15.20 Uhr, als Rainer D. (58) mit seinem Mischlingshund durch die beschauliche Siedlung in Mockau-Nord lief. Es gibt hier keine Fußwege, sondern neben der Straße nur schmale Rasenstreifen direkt vor den Hecken und Zäunen der Eigenheimbesitzer. Diese sind städtisch, die Hausbesitzer sollen jedoch für deren Sauberkeit sorgen. Schon länger ärgerte sich Heinz B. über Hundehaufen auf „seinem“ Rasen. Polizisten berichteten im Prozess, dass der Rentner sogar Kot in einem Plastikbecher gesammelt hatte, um den Missstand beweisen zu können. Als nun Rainer D. mit seinem Hund auftauchte, geriet die Situation außer Kontrolle.

Sehkraft bei zwei Prozent

Mit einer 110 Zentimeter langen und zwei Zentimeter dicken Metallstange soll Heinz B. direkt vor seinem Haus dem Gassigänger auf den Kopf geschlagen haben. Die Staatsanwaltschaft wertete den Angriff als schwere Körperverletzung. Für das Opfer waren die Folgen massiv: Der gelernte Bäcker erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma ersten Grades, eine Nasenbeinfraktur sowie eine Platzwunde. Vor allem aber ist er auf seinem linken Auge seit dem Schlag fast blind. Schon zuvor hatte er da eine Einschränkung des Gesichtsfeldes infolge einer Hirnblutung. Nach drei Operationen liegt die Sehkraft nach Angaben eines Sachverständigen nun bei etwa ein bis zwei Prozent. Bis zu 30 Prozent könnten mit speziellen Kontaktlinsen wieder hergestellt werden.

„Er hat gerufen, ich soll mit meinem Hund verschwinden“, so Rainer D., „dann kam er wutentbrannt heraus und zog mir die Stange ohne Vorwarnung über den Kopf.“ Ohnmächtig sei er zusammengesackt, erst im Rettungswagen wieder aufgewacht.

Widersprüchliche Aussagen

Doch schon hier kamen Gericht und Staatsanwaltschaft einige Zweifel an der Darstellung des Nebenklägers, der in dem Prozess auch 50 000 Euro Schmerzensgeld erstreiten wollte. Immerhin hatte eine zufällig vorbeifahrende Autofahrerin beobachtet, dass das Opfer nach dem Schlag mehrfach aufgestanden sei und sich wieder hingelegt habe. Außerdem muss Rainer D. noch mit seiner Frau telefoniert haben, bevor er in den Krankenwagen kam.

Auch der Angeklagte hatte eine andere Erinnerung an jene Gewalteskalation vor einem Jahr. Demnach habe der Hund von Rainer D. schon am Vortag ein Häufchen auf dem Rasen hinterlassen. Als der Passant seinen Mischling nun aufforderte: „Mach’ Gassi!“, habe er ihn zur Rede gestellt, ließ Heinz B. über seinen Verteidiger Eckehard Müller erklären. Doch Rainer D. habe entgegnet: „Mein Hund kann hinmachen, wo er will. Ich bezahle genug Steuern.“ Dann habe der Hundebesitzer jene Metallstangen herausgezogen, die Heinz B. zum Schutz vor Autos in den Rasen gesteckt hatte. Aggressiv sei Rainer D. auf ihn losgegangen, habe mit einer Stange nach ihm geschlagen, schilderte Heinz B. Er sei ausgewichen, doch der Hundebesitzer habe erneut ausgeholt. Er wisse nur noch, dass er selbst mit einer Stange abwehrend geschlagen habe, so der Senior. „Mein Mandant bedauert den Vorfall und ist davon überzeugt, in Notwehr gehandelt zu haben“, sagte Verteidiger Müller.

Staatsanwalt lässt Anklage fallen

Dieser Auffassung schloss sich auch Staatsanwalt Peter Illes an, der seine ursprüngliche Anklage fallen ließ und auf Freispruch plädierte. „Dem Angeklagten kann eine rechtswidrige Tat nicht mit Sicherheit nachgewiesen werden“, sagte er. „Notwehr ist nicht auszuschließen, Zweifel an den Aussagen des Geschädigten sind angebracht.“ Ganz anders sah das Opferanwalt Michael Krebs. „Es spricht einiges dafür, dass der Angeklagte nicht die Wahrheit sagt“, meinte er. „Mein Mandant sagt, er wurde geschlagen, ohne dass er etwas getan hat.“

Richter Peter Weber machte jedoch grundsätzlich klar: „Wir müssen zweifelsfrei von der Schuld des Angeklagten überzeugt sein“, stellte er fest. „Der Sachverhalt ist unklar, aber es spricht mehr für die Schilderung des Angeklagten.“

Von Frank Döring

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