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Lokales CDU-Spitzenpolitiker besuchen Leipzigs Biomasse-Forscher
Leipzig Lokales CDU-Spitzenpolitiker besuchen Leipzigs Biomasse-Forscher
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16:15 31.07.2019
Die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner besuchte zusammen mit dem sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer das Biomasseforschungszentrum in Leipzig. Hier sprach sie unter anderem mit Volker Lenz (links), einem Fachmann für digital gesteuerte Kaminöfen, die auch zur privaten Stromerzeugung dienen könnten. Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (beide CDU) hatten am Dienstag einen gemeinsamen Termin in Leipzig. Sie besuchten das Deutsche Biomasseforschungszentrum (DBFZ) im Stadtteil Sellerhausen-Stünz. Sicher kein zufälliger Termin – denn er lag nur einen Monat vor der Landtagswahl in Sachsen. Doch es gab dabei auch einige Neuigkeiten zu erfahren, die dem recht jungen Wissenschaftszentrum eine sehr gute Perspektive versprechen.

350 Arbeitsplätze an der Torgauer Straße

Bei dem einstündigen Rundgang und Gesprächen mit vielen Forschern betonte Klöckner immer wieder, welch’ hohe Bedeutung sie dieser Einrichtung ihres Ministeriums mit derzeit 240 Beschäftigten und weiteren 110 Arbeitsplätzen für Studenten und Doktoranden beimesse. Ob bei den aktuellen Runden des Berliner Klimakabinetts, bei der strengeren Neufassung einer Gülleverordnung für die Landwirtschaft oder im Zuge der Energiewende – der Biomasse stehe „eine große Karriere“ bevor, sagte die 46-Jährige.

Acht Prozent Anteil bei Energieerzeugung

„Anders als Wind- oder Sonnenenergie steht Biomasse immer zur Verfügung. Wir wollen das DBFZ daher zur führenden Einrichtung in Europa, vielleicht sogar weltweit ausbauen“, kündigte Klöckner an. Der Anteil von etwa acht Prozent an der Energieerzeugung in Deutschland solle weiter steigen – insbesondere durch die Nutzung von Reststoffen aus der Lebensmittelindustrie, aus dem Hausmüll oder Forst- und Landwirtschaft – wie etwa der Gülle.

Neuer Institutsbau und Technikumshalle

Kretschmer verwies auf den finanziellen Beitrag des Freistaats zu einem fünfstöckigen Bürohaus und zu einer riesigen Technikums- und Laborhalle, die jüngst an der Torgauer Straße 116 empor gewachsen sind. Diese beiden wichtigen Bauwerke für das DBFZ kosten samt Ausstattung 61 Millionen Euro. Sie werden (mit etwas Verspätung wegen fehlender Baufirmen) in den nächsten Monaten schrittweise fertiggestellt. Ab dem Frühjahr 2020 soll damit die Biomasseforschung in Leipzig „in ganz neuem Maßstab“ möglich sein, so der administrative Geschäftsführer Daniel Mayer. Schon heute seien dort auch viele Spitzenforscher aus dem In- und Ausland tätig.

Kaminbesitzer könnten auch Strom liefern

Klöckner und Kretschmer stellten bei dem Parforceritt durch die einzelnen Forschungsgebiete oft Nachfragen, die auf eine konkrete Anwendung der wissenschaftlichen Erkenntnisse zielten. Zum Beispiel ließen sie sich von Fachmann Volker Lenz erklären, wie die zehn Millionen Kamine und Kleinfeuerungsanlagen in Deutschland genutzt werden könnten, um die lokalen Stromnetze im Winter zu unterstützen. Es sei längst technisch machbar, einen Teil der Wärme in elektrische Energie umzuwandeln und in die Netze einzuspeisen, erläuterte Lenz. „Entscheidend ist, dass das für die Kaminbesitzer ganz einfach ist und Spaß macht. So könnte ihnen eine App anzeigen, wann es sich für sie finanziell lohnt, auch Strom zu erzeugen.“

Atlas zur Biogas-Gewinnung erstellt

Für Bauern und andere Interessenten betreibe das DBFZ unter anderem bereits einen digitalen Atlas, der aufzeigt, wo sie welche Reststoffe in ihrer Region zur Biogas-Gewinnung abgeben können. „Regionalität gehört für uns zum Klimaschutz dazu“, sagte Daniela Thrän, die schon die Gründung des DBFZ vor elf Jahren miterlebt hatte. Die 55 Beschäftigten vom Leipziger Institut für Energetik und Umwelt bildeten seinerzeit die Keimzelle für die neue Forschungseinrichtung des Bundes. Thrän war eine von ihnen. „Das Biomasseforschungszentrum ist genauso alt wie mein jüngster Sohn. Beide kommen gerade in die Pubertät“, sagte die Wissenschaftlerin, die Mutter von fünf Kindern ist – und erntete viele Lacher.

Kombination von Anlagen im Fokus

Von Anfang an habe sich der Freistaat für den Standort in Leipzig stark gemacht, sagte Kretschmer. „Für uns war klar, es wird Veränderungen geben in der Energiewirtschaft, aber die müssen wissenschaftlich vorbereitet werden.“ Mittlerweile seien die Fragen von vor zehn Jahren beantwortet, so Kretschmer. Aber es stellten sich neue. Tatsächlich richte sich der Fokus der Forscher nicht mehr nur auf die Entwicklung oder Effizienzsteigerung einzelner Anlagen, bestätigte Jürgen Pröter vom Bereich Biochemische Konversion. Vielmehr rücke die Kombination verschiedener Anlagen stärker in den Mittelpunkt, um möglichst viele biologische Reststoffe verwerten zu können.

Leipziger Resultate als Exportschlager

Ministerin Klöckner regte dazu an, auch Kommunen könnten technische Anlagen zur Biomassenutzung anschaffen und betreiben. Für einzelne Bauern sei eine solche Investition meist zu aufwendig. „Geben Sie Gas! Am Ende geht es uns darum, dass wir Kohlendioxid senken. Und am besten wäre es, wenn da unsere Technik auch noch Exportschlager wird“, meinte sie.

Von Jens Rometsch

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