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Lokales Chordephone „zittern“ wie von Geisterhand
Leipzig Lokales Chordephone „zittern“ wie von Geisterhand
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21:50 27.04.2018
Das Chordephon Nr. 16, ein Tischgerät mit Geldeinwurf aus der Zeit um 1900, ist eines der erhalten gebliebenen Erzeugnisse aus den Chordephon Musikwerken Leipzig. Ein Video mit Klangbeispiel finden Sie unter www.lvz.de. Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

 In den Jahren zwischen 1876 und 1930 existierten in Leipzig mehr als 100 Fabriken und Werkstätten für den Bau selbstspielender Musikinstrumente. Den Schwerpunkt bildeten Lochplatten-Musikwerke und Notenrollen gesteuerte Klaviere und Klavier-Orchestrions. Mit einer kleinen Beitragsfolge erinnern wir dank freundlicher Unterstützung von Birgit Heise und Jost W. Mucheyer an fünf prominente Vertreter der einst so namhaften Zunft. Heute: die Chordephon Musikwerke.

Chordephone sind mechanische Lochplatten-Zithern mit Kurbel- und Federwerkantrieb. Die Funktionsweise ähnelt jener der Stimmenkamm-Musikwerke, jedoch mit Saiten statt Kammzungen als Klangquelle. Unterhalb der Metallplatte finden sich Sternenrädchen, die bei Umdrehung der gelochten und genoppten Platte die Saiten in Spannung und dann in plötzliche Entspannung versetzen.

Mechanische Lochplatten-Zither

1892 wird die Firma Chordephon Musikwerke erstmals im Leipziger Adressbuch erwähnt; ein Indiz für den Beginn der Produktion in jenem Jahr. Allerdings wurden erst drei Jahre später an Claus, Püttmann und Püttner Patente zu mechanischen Zupfinstrumenten sowie Gebrauchsmustern erteilt. Der Beginn der Produktion lässt sich somit nur ungefähr auf 1892/95 datieren. Die mechanische Lochplatten-Zither Chordephon in vielen Varianten, auf einem Tischchen montiert oder im Wandschrank eingebaut, blieb das einzige Produkt der Firma und erfreute sich großer Beliebtheit.

Export in jedes Klima

Zur Ostermesse 1896 wurde vermeldet: Das Chordephon hätte die Versuchsperiode überstanden und es bestünde gute Nachfrage. Ein halbes Jahr später wurden mehrere Verbesserungen des Instrumentes besonders gewürdigt: die wirksamere Dämpfervorrichtung, das „sensitive Windfang- und Bremssystem“ und besonders die Vorrichtung zum Halten der Stimmung (indem die „gut ausgezogenen 44 Saiten, die zusammen einen Druck von ungefähr 25 Centnern ausüben, auf einen widerstandsfähigen Bronze-Rahmen gespannt sind, so dass gleichzeitig der Holzkasten allen Druckes enthoben wird“). Dadurch sei der Export in jedes Klima möglich, es gäbe Abnehmer auf dem ganzen Weltmarkt.

Täuschend echtes Zitherspiel

Zur Ostermesse 1897 wurde dem Instrument dann täuschend echtes Zitherspiel bescheinigt, allerdings bei etwas zu hohem Preis. 1913 wechselte die Firma den Besitzer. Noch 1926 konnte man bei Kurt Weißbach solche Zithern und Platten erwerben.

Quelle: Katalog zur Ausstellung „Leipzigs klingende Möbel – Selbstspielende Musikinstrumente 1880–1930“; https://mfm.uni-leipzig.de; Eine Führung durch Mucheyers Sammlung selbstspielender Musikinstrumente im Kulturdenkmal Eisenmühle in Elstertrebnitz beginnt sonntags um 15.30 Uhr. Das Museums-Café Reiberei öffnet sonntags von 14 bis 18 Uhr; www.eisenmuehle.de

Von Cornelia Lachmann

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