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Lokales Wie Leipziger Bürgerrechtler den großen SED-Wahlbetrug aufdeckten
Leipzig Lokales Wie Leipziger Bürgerrechtler den großen SED-Wahlbetrug aufdeckten
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07:24 07.05.2019
Attestierte den SED-Mächtigen „jegliche Ausblendung der Wirklichkeit“: Rolf-Michael Turek, Pfarrer i.R. Quelle: André Kempner
Leipzig

7. Mai 1989. In der Spätausgabe der „Aktuellen Kamera“ verkündete Egon Krenz, Mitglied des Politbüros und Sekretär des Zentralkomitees der SED und Leiter der Zentralen Wahlkommission: „Liebe Freunde und Genossen! Die Kommunalwahlen im 40. Jahr der Deutschen Demokratischen Republik wurden zu einem eindrucksvollen Votum für die Kandidaten der Nationalen Front. Für den Wahlvorschlag stimmten 98,85 Prozent, dagegen 1,15 Prozent …“

„Entgegen jeder Vernunft und Logik“

In Bürgerrechtlerkreisen wusste man, dass das nicht stimmen konnte„Sargnagel für die Diktatur“

Blick in ein Leipziger Wahllokal am 7. Mai 1989. Quelle: Armin Kühne

Kai Kuhlmann und Jens-Uwe Drescher kommen in Haft

Tatort Leipzig. Hier waren am 2. Mai 1989 Kai Kuhlmann und Jens-Uwe Drescher verhaftet worden, weil sie einen Aufruf zum Wahlboykott etwa 50-fach verteilt hatten. Sie gehörten nicht den oppositionellen Basisgruppen an, agierten also nicht unter dem Schutz der Kirche, wurden zu 18 beziehungsweise zehn Monaten Freiheitsentzug verurteilt und saßen noch Wochen nach dem 9. Oktober in Haft. Bei der Montagsdemonstration am 23. Oktober wurde auf Plakaten ihre Freilassung gefordert.

Treffpunkt für die Opposition in Reudnitz

Stimmabgabe in einem Leipziger Wahllokal am 7. Mai 1989. Von Wahlfälschung war da noch keine Rede. Quelle: Armin Kühne

„Erhebliche Differenzen festgestellt“

Tureks Pfarramt war bei der Wahl am 7. Mai ein Zentrum der Wahlkontrolle, hier wurden Fakten zusammen getragen und Ergebnisse gesammelt. Allein im ehemaligen Stadtbezirk Mitte hatten Bürgerrechtler in 83 von 84 Wahllokalen an der Auszählung teilgenommen. Anfang Juni hatte sich in Leipzig auf Grundlage der von der SED angeordneten Ergebnisses die Stadtverordneten- und die Stadtbezirksversammlungen konstituiert. Die Vertreter der oppositionellen Basisgruppen formulierten ihre Erkenntnisse in einer gemeinsamen Erklärung. Diese wurde über das Info-Netzwerk der Opposition verbreitet: „BürgerInnen und Bürgerinitiativen in Leipzig haben von ihrem Recht Gebrauch gemacht, an den öffentlichen Auszählungen der Wahlergebnisse teilzunehmen. Bei der Addierung der von den einzelnen Wahlvorständen bekanntgegebenen Ergebnissen haben sie erhebliche Differenzen zum endgültigen Gesamtergebnis festgestellt ...“

„Gezielter Wahlbetrug

Für den Leipziger Stadtbezirk Mitte ergab sich nach den Ergebnissen der „Wahlbeobachter“ eine Wahlbeteiligung von 91,65 statt der offiziell verkündeten 98,54 Prozent. Für den Vorschlag der Nationalen Front stimmten 90,93 und gegen ihn 9,07 Prozent statt 96,06 dafür und 3,94 Prozent dagegen. „Wir müssen annehmen, dass es sich um einen gezielten Wahlbetrug handelt, um die Bevölkerung über die wirkliche Zustimmung zum Regierungskurs und die Größe des Protestpotenzials im Unklaren zu lassen“, hieß es in der Stellungnahme des Arbeitskreises Gerechtigkeit, der Arbeitsgruppe Menschenrechte, des Jugendkonvents und der Initiativgruppe Leben. Auch forderte man, „dass die an der Manipulation Schuldigen zur Verantwortung gezogen werden“. Was im Ergebnis der Friedlichen Revolution zum Teil geschah.

„Den Blick für die Realitäten verloren“

Der Wahlbetrug und die damit herausgeforderte Opposition war der „Anfang vom Ende der SED-Diktatur“, sagt Turek. Wer so den Blick für die Realität verloren habe, erledige sich doch selbst. Der Pfarrer i.R., mittlerweile bald 70, will mit Blick auf das wahre Wahlergebnis aber auch nicht seine Enttäuschung verhehlen, „dass im Mai 1989 noch immer 90 Prozent der DDR-Bürger dem SED-Regime ihre Gefolgschaft bestätigt hatten“. Schon wenige Monate später war das ganz anders.

Von Thomas Mayer

Der Verein „Herzenssache“ stellt Kleidung für verstorbene Babys und Frühchen her. Regelmäßig treffen sich die Ehrenamtlichen in einem Leipziger Atelier und nähen, stricken, häkeln und basteln für den guten Zweck.

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