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Lokales Das Leipziger Neuseenland boomt – jetzt setzen die Planer auf „nachhaltiges Wachstum“
Leipzig Lokales Das Leipziger Neuseenland boomt – jetzt setzen die Planer auf „nachhaltiges Wachstum“
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06:00 22.06.2018
Ein Sonnenuntergang wie im Italien-Urlaub. Besucher können ihn im Leipziger Süden erleben – am Cospudener See  im Hafen vom Pier 1. Jetzt wollen die Planer auch die weiter südlich liegenden Seen auf Wasserwegen mit Leipzig verbinden.
Ein Sonnenuntergang wie im Italien-Urlaub. Besucher können ihn im Leipziger Süden erleben – am Cospudener See im Hafen vom Pier 1. Jetzt wollen die Planer auch die weiter südlich liegenden Seen auf Wasserwegen mit Leipzig verbinden. Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig

Das Neuseenland boomt. Sowohl die Zahl der Touristen, als auch die der Übernachtungen wächst ständig – doch die Kommunen im Neuseenland wollen die Entwicklung in verträgliche und nachhaltige Bahnen lenken. „Deshalb ist es notwendig, einen prüfenden Blick auf die bisherigen Entwicklungen zu werfen und einen Ausblick zu wagen“, sagt auch Angela Zábojník, die im Grünen Ring Leipzig – dem Zusammenschluss der 15 Kommunen und Landkreise – die Interessen der Stadt Leipzig als Auftraggeberin vertritt. Der Grüne Ring und die Stadt erfassen deshalb gegenwärtig alle geplanten neuen Angebote auf den Gewässern und an den Uferbereichen sowie Lücken im Infrastrukturnetz, die geschlossen werden müssen. „Wir setzen dabei auch auf das Wissen der Bürger im Leipziger Neuseenland“, betont die Abteilungsleiterin Wasserwirtschaft/Flächenmanagement des Leipziger Amts für Stadtgrün und Gewässer. Für den Austausch mit den Einwohnern und allen anderen Interessierten bereitet der Grüne Ring ein öffentliches Forum vor, das am Sonnabend in Leipzig stattfindet.

Touristen wollen attraktive Landschaft

Auf diesem Forum wird sich alles um die Fortschreibung des wassertouristischen Nutzungskonzepts für das Neuseenland drehen. Denn das bisherige Konzept ist inzwischen elf Jahre alt und das neue Papier soll mindestens die Entwicklung bis 2030 abstecken. „Wir wollen, dass sich die Leute im Neuseenland aktiv erholen und dabei viele Möglichkeiten nutzen können“, beschreibt Zábojník eine Grundprämisse der Überlegungen. Dass das neue Konzept umweltverträglich sein muss, stehe dabei außer Frage. „Die Touristen kommen nur, wenn die Landschaft attraktiv ist und erhalten wird“, sagt sie.

Wie das Neuseeland bei den Bürgern ankommt, zeigen die drei Schleusen im Gebiet: Alle werden jedes Jahr zunehmend genutzt, weil immer mehr Boote unterwegs sind. Dies gilt nicht nur für die Schleusen Connewitz und Cospuden (siehe Tabelle), sondern auch für die Kanupark-Schleuse am Markkleeberger See, die erst 2014 ins Angebot kam und im vergangenen Jahr 2355 Boote in den und aus dem Störmthaler See hievte.

„Rekordjahr bahnt sich an“

Von diesem zunehmenden Bootstourismus profitieren Anbieter wie Jan Benzien, Geschäftsführer der Stadthafen Leipzig GmbH. „Als wir 2014 an den Start gingen, hatten wir 50 Kanus, heute sind es 80“, erzählt er. Auch die Zahl seiner Motorboote ist inzwischen auf drei angestiegen. „Mittlerweile sind sie am Wochenende alle ausgebucht“, sagt Benzien. Unter der Woche reiche die Nachfrage aber noch nicht durchgehend für eine Auslastung. „In diesem Jahr bahnt sich bei uns ein neues Rekordjahr an“, so der Geschäftsführer.

Aufmerksam beobachtet wird diese Entwicklung auch von der Leipzig Tourismus und Marketing (LTM) GmbH. Dort hat man ermittelt, dass die Verweildauer der Touristen im Neuseenland mittlerweile auf 2,9 Tage angestiegen ist, in Leipzig sind es 1,9 Tage. Wurden 2014 noch 247 978 Ankünfte und 628 510 Übernachtungen gezählt, so waren es im vergangenen 271 220 Ankünfte und 697 882 Übernachtungen. „Das Angebot an Ferienwohnungen und Ferienhäusern im Leipziger Neuseenland wächst stetig“, berichtet dort LTM-Mitarbeiterin Anna-Maria Ebermann. Sowohl Übernachtungsbetriebe als auch Gastronomie-Einrichtungen, die sich unmittelbar an einem See beziehungsweise in der Nähe einer touristischen Attraktion befinden, seien nach eigenen Aussagen mit der Auslastung „sehr zufrieden“. Und dies gelte nicht nur für die Hauptsaison von Mai bis Oktober. „Viele Privatpersonen oder Unternehmen investieren beziehungsweise zeigen Interesse, neue touristische Angebote an den Seen zu entwickeln.“

Neue Biwak- und Rastplätze

Zu den Projekten, die die Kommunen entwickeln, zählen zum Beispiel Biwak- und Rastplätze, die den Wasserwanderern für Paddel-Pausen zur Verfügung stehen werden. Auch der Stadthafen gewinnt an Fahrt. „Wir arbeiten daran, dass dort sehr zeitnah der zweite Bauabschnitt verwirklicht wird“, so Abteilungsleiterin Zábojník. Vorgesehen ist, dort den aktuellen Parkplatz als Hafenbecken auszuschachten und ringsum touristische Angebote zu unterbreiten. Die Ausschreibung für den Betrieb ist in Vorbereitung.

Das fortgeschriebene wassertouristische Nutzungskonzept zielt nicht auf eine isolierte Entwicklung einzelner Seen, sondern auf die Optimierung des touristischen Gewässerverbundes. Vorhandene Lücken sollen mit weiteren Schlüsselprojekten geschlossen werden, Teilstrecken zusammengeführt und Seen mit dem Gesamtnetz verbunden werden. „Unser Ziel ist auch, die weiter südlich liegenden Seen – also Hainer/Haubitzer See und Stausee Rötha – besser mit der Stadt Leipzig auf den Wasserwegen zu verbinden“, skizziert Zábojník.

Runder Tisch im August

Für die Fortschreibung des wassertouristischen Nutzungskonzepts sind auch fünf Runde Tische geplant, an denen Naturschützer, Wassersportler, Tourismusexperten, Vertreter der Wirtschaft, der Stadtverwaltung und der Bürgerschaft teilnehmen sollen. Der nächste Runde Tisch soll im August stattfinden. Das nächste öffentliche Forum ist für September 2019 geplant.

Wenn das wassertouristische Konzept fertig ist, soll es 2020 in den Kommunen behandelt und beschlossen werden. „Die aufgelisteten Projekte sind dann zwar noch keine genehmigten Projekte, aber die Zusammenschau ermöglicht uns, die Auswirkungen der vielen Einzel-Projekte in Summe besser zu beurteilen“, meint Zábojník.

Das erste öffentliche Forum findet am morgigen Sonnabend von 9.30 Uhr bis 14 Uhr im Finanzamt Leipzig II am Nordplatz 11 statt. Dort ist dafür der Festsaal in der vierten Etage reserviert.

Von Andreas Tappert

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