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Lokales Das Leipziger Reichsgericht im NS-Staat
Leipzig Lokales Das Leipziger Reichsgericht im NS-Staat
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09:03 29.08.2019
Der große Sitzungssaal des Leipziger Reichsgerichts um 1933. Quelle: Sammlung Steffen Held
Leipzig

In der NS-Zeit war das Reichsgericht Teil des Unrechtsstaats. Es wirkt bedrohlich, wie bereitwillig auch die höchsten deutschen Richter, die zuvor in der Weimarer Republik die Unabhängigkeit der Justiz beschworen hatten, die Urteile in Anwendung der nationalsozialistischen Gesetzgebung fällten.

Das Leipziger Reichsgericht um 1933 Quelle: Sammlung Steffen Held

Präsident Bumke ließ Porträts eines jüdischen Vorgängers entfernen

Der 1929 zum Reichsgerichtspräsidenten ernannte Erwin Bumke blieb die zwölf Jahre nationalsozialistischer Diktatur im Amt. Etwa 14 Tage nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler reiste Bumke Mitte Februar 1933 zum Antrittsbesuch nach Berlin und sicherte dem Nationalsozialisten seine Unterstützung zu. Der Verdrängung der Richter jüdischer Herkunft am Reichsgericht aus ihren Ämtern und der Gesellschaft, die bereits Mitte März 1933 einsetzte, setzte der Reichsgerichtspräsident nichts entgegen. Im Gegenteil, er schwenkte schnell auf die antisemitische Staatspolitik ein und ließ zuerst zwei Ölgemälde, Portraits des ersten Reichsgerichtspräsidenten Eduard von Simson, der jüdischer Herkunft war, aus dem Festsaal und einem Verhandlungssaal entfernen.

Reichstagsbrandprozess verlief nicht im Sinne der Nationalsozialisten

Nicht im Sinne der Nationalsozialisten verlief 1933 der am Reichsgericht verhandelte Reichstagsbrandprozess. Vier der fünf Angeklagten wurden aufgrund der Beweislage freigesprochen, darunter der bulgarische Kommunist Georgi Dimitroff. Dagegen verurteilte der IV. Strafsenat den Mitangeklagten Niederländer Marinus van der Lubbe aufgrund eines nach dem Reichstagsbrand erlassenen Gesetzes zum Tode. In einem direkten Zusammenhang mit dem Gesamturteil stand die Bildung des Volksgerichtshofes im Frühjahr 1934, der dann sämtliche Fälle von Hoch- und Landesverrat verhandelte.

Leipzigs Reichsgerichtspräsident von 1929 bis 1945: Erwin Bumke. Quelle: Sammlung Steffen Held

Luftangriffe beschädigen Gebäude

Von den Luftangriffen auf Leipzig war auch das Reichsgerichtsgebäude betroffen. Zu ersten leichten Schäden kam es am 20. Februar 1944. Bis zum April 1945 kamen weitere Bombenschäden hinzu. Am schwersten traf es die Südseite des Gebäudes mit den Wohn- und Arbeitsbereichen des Reichsgerichtspräsidenten und dem Festsaal.

US-Truppen beenden Gerichtsarbeit

Die Tätigkeit des Reichsgerichts endete mit dem Einmarsch von Truppen der US-Armee in Leipzig am 18. April 1945. Zwei Tage später beging Reichsgerichtspräsident Bumke Selbstmord.

Bisher in der Serie erschienen:

Wie das Reichsgericht eröffnet wurde.

Wie sich das Reichsgericht bis zum Ende des deutschen Kaiserreiches entwickelte.

Die Zeit der Weimarer Republik.

Von Steffen Held

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