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Lokales Berühmt und bedroht: Das Clownmuseum Leipzig
Leipzig Lokales Berühmt und bedroht: Das Clownmuseum Leipzig
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11:57 02.11.2019
Hans-Dieter Hormann im Clownmuseum Leipzig – ein in der Szene weithin berkannter Ort. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Ehrenamtler bilden das Rückgrat der Gesellschaft. In ihrer Freizeit arbeiten sie als Jugendtrainer, lesen Kindern Geschichten vor, unterstützen Senioren oder engagieren sich in Flüchtlings-Unterkünften. Die LVZ-Serie porträtiert diejenigen, die das Leben anderer besser machen. Heute: Hans-Dieter Hormann, dessen Clownmuseum Leipzig die Historie dieser Kunstform dokumentiert – doch die Existenz des Museums ist bedroht.

Es passierte vor drei Jahren, beim Begräbnis des legendären Oleg Popov. Hans Dieter Hormann, der den russischen Clown und Pantomimen persönlich kannte, verlor kurz die Zurückhaltung, als er eine weitere Berühmtheit der Bespaßungskunst auf dem Friedhof erblickte: „David Larible!“, entfuhr es ihm. Der Italiener reagierte mit einem Lächeln: „Leipziger Clownmuseum“, entgegnete er anerkennend, „ich war schon sehr oft auf Ihrer Internetseite, sie ist großartig!“ Und so traurig der Anlass der Begegnung war, so sehr beglückte Hormann die Bemerkung.

Schon der Legende Popov die Hand geschüttelt

In der Tat: Der 71-Jährige, der in Mönchengladbach geboren wurde und den es zu Beginn der 1990er-Jahre als Bauingenieur nach Leipzig verschlug, ist in der internationalen Clown-Szene bekannt. In seinem Museum an der Breiten Straße hat Hormann schon die Hände von Popov, Housch-ma-Housch, Jeff Hess, Tony Alexis und anderen Größen geschüttelt.

Über rote Nasen hinaus

Was der Enthusiast hier aufgebaut hat, ist für Kenner eine unermesslich wertvolle Schatzkiste und für Unvorbelastete die Entdeckung einer Welt, die über das Klischee von roten Nasen und billigen Gags hinausgeht. Hier wird der Geschichte einer Kunst gehuldigt, die Menschen zum Weglachen des Alltags bringt; der Wandel der Spaßmacher von der Antike bis zur heutigen Zeit wird ebenso dokumentiert wie die Besonderheiten von Clowns in bestimmten Epochen.

Die Miete für das Clownmuseum soll erhöht werden. Für Betreiber Hormann finanziell nicht machbar. Quelle: Kempner

Ur-Erlebnis als Neunjähriger

Seine Mission des Bewahrens entspringt einem eigenen Ur-Erlebnis, das für den Auftakt eines Roman taugt: Als Neunjähriger entdeckte er in einem Schaufenster einen Clown, dessen Anblick ihn so gefangen nahm, dass er immer wieder zur Auslage des Spielzeugladens zurückkehrte. Ein stummer, bunter Rebell inmitten einer Umgebung, die im Ausleben erzkatholischer Überzeugungen ziemlich humorlos war. Geld für den Kauf des Clowns hatte der in bescheidenen Verhältnissen aufwachsende Junge nicht; auch nicht für eine Karte für den Zirkus, der ab und zu in der Stadt gastierte. Und nicht für das Buch über Charles Adrien Wettach, den Schweizer Clown Grock (1880–1959). „Das habe ich damals in der Stadtbücherei ausgeliehen und nie wieder zurückgebracht“, gesteht er lächelnd.

Kompletter Nachlass von Grock

Seine erste Devotionalie, der im Laufe einer Lebensleidenschaft für die Clownerie noch viele folgen sollten. Zu den kostbarsten Ausstellungsobjekten im Museum gehören der komplette Nachlass von Grock – Auftrittsverträge, Plakate, Briefwechsel mit Franz Josef Strauß und Helmut Kohl –, außerdem der Schminkkasten und die rote Nase des großen Charlie Rivel (1896–1983), das Kostüm von Rolf Knie aus der weltberühmten Zirkus-Knie-Dynastie und vieles mehr.

Auch Erwachsene verlassen das Museum mit einem Lächeln

Dem Museum ging 2007 die Gründung des Vereins „Dipetos Welt der Clowns“ voran, 2010 eröffnete Hormann das Museum in der Reiskestraße. Weil das Ausstellungsmaterial schnell wuchs, wurde nach ein paar Jahren die Fläche zu klein. Seit 2016 ist die Breite Straße 22 die neue Adresse. Hier versetzt der Gastgeber Kinder in pures Staunen, lässt sie mit uraltem Spielzeug hantieren, erzählt Geschichten oder zeigt Filme. „Man kann förmlich zusehen, wie sie sich verändern und vor Neugier sprühen“, sagt der fünffache Vater. Auch Erwachsene verlassen das Museum mit einem Lächeln. Aus allen Ecken Deutschlands und weit darüber hinaus reisen Gäste an, erst vor wenigen Tagen kam Besuch aus Wladiwostok.

Mieterhöhung droht

Seit einigen Wochen allerdings hängt ein Damoklesschwert über dem Reich clownesker Magie – der Eigentümer will die Miete erhöhen, „und das ist für mich nicht zu stemmen“, so Hormann. Mit Projektförderung der Stadt sowie den Eintrittseinnahmen (eine Karte kostet zwischen 2,50 und 5,50 Euro) hält der ehrenamtlich Arbeitende sein Domizil über Wasser. Unterstützung bekommt er von vielen Fans des Museums, auch Kabarettist Thorsten Wolf hat sich eingeschaltet, um den Besitzer und Hormann zu einer Einigung zu bewegen.

„Es muss und wird einen Weg geben“, sagt der Betreiber zuversichtlich. „Das Clownmuseum aufgeben zu müssen ist für mich unvorstellbar.“

www.clown-museum.de

Von Mark Daniel

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