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Lokales Demonstranten blockieren drei Stunden lang nördlichen Leipziger Ring
Leipzig Lokales Demonstranten blockieren drei Stunden lang nördlichen Leipziger Ring
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21:21 30.06.2019
Autofreier Asphalt: Am Sonntagabend wurde die nördliche Fahrbahn direkt vor dem Bahnhofsgebäude für drei Stunden gesperrt. Quelle: André Kempner
Leipzig

Gemessen an dem, was Bahnreisende beim Verlassen des Leipziger Hauptbahnhofes erwartet, kann selbst die Reise in einem überfüllten Zug mitunter noch als das kleinere Übel gelten: Denn wer in die Innenstadt will, muss sich hier zwangsläufig am West- oder Ost-Tor in einen Strom von Menschen einreihen, durch den sich erst Radfahrer ihren Weg bahnen und der dann von einer vierspurigen Ringstraße und Straßenbahngleisen unterbrochen wird. „Die Situation ist völlig unklar, die Übergänge sind zu eng und unübersichtlich“, beklagt Marianne Ramson. „So etwas wird heute Ankommenden in keiner anderen großen Stadt mehr zugemutet“, so die 66-Jährige, die sich im Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) engagiert.

Genau auf diesen Missstand weist der ADFC mit einer 48-Stunden-Demo vorm Hauptbahnhof hin. Am Freitagabend wurden zwischen der Ost- und Westpassage der Taxi-Stellplatz sowie zwei der vier Fahrspuren für den Kfz-Verkehr gesperrt. Am Sonntag folgte dann die Vollsperrung: Von 18 bis 21 Uhr war die gesamte nördliche Richtungsfahrbahn direkt vor dem Bahnhofsgebäude autofrei.

Aktionsraum statt Parkplatz: Dort, wo sonst Taxis auf Fahrgäste warten, haben die Demonstranten Bänke und Tische aufgestellt. Quelle: André Kempner

„Wir wollen zeigen, wie es sein könnte“

„Wir wollen zeigen, wie es sein könnte“, beschreibt Matthias Koss (35), Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Verkehr im ADFC, das Ziel der Aktion und kritisiert zugleich die Untätigkeit der Stadt. Von Grünen und FDP gibt es seit Langem Vorschläge, wie der Verkehr weiträumig um den Hauptbahnhof geführt werden könnte, von der CDU die Idee, die Fahrbahnen tiefer zu legen, um eine autofreie Verbindung zwischen Bahnhof und Zentralhaltestelle der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) zu schaffen. „Seit 2017 gibt es Prüfaufträge“, sagt Koss. „Aber es passiert einfach nichts.“

Marianne Ramson befürchtet indes, das Thema könnte im Kleinklein eines verwaltungsinternen Prozesses zerredet werden. „Das Beste ist manchmal der Feind des Guten“, sagt sie. „Aber es muss gehandelt werden.“ Und zwar jetzt, darin ist man sich beim ADFC einig. Der Autoverkehr am Hauptbahnhof habe seit dem Jahr 2002 um ein Viertel abgenommen.Täglich würden hier 46.900 Fahrzeuge vorbeifahren. Die Zahl der LVB-Fahrgäste sei auf täglich 57.500 Personen gestiegen, dazu kommen noch Radfahrer und Bahnreisende. Wenn der gesamte Vorplatz nur Fußgängern und Radfahrern vorhalten wäre, würde sich die Situation für alle entspannen, ist Ramson überzeugt. Dann brauche es auch keine festgelegten Spuren mehr für Radfahrer. „Auf dem Richard-Wagner-Platz geht das ja auch.“

Alexander John vom ADFC wirbt mit einem Lastenfahrrad für umweltfreundlichen Verkehr. Quelle: Kempner

Dass da noch viel Überzeugungsarbeit auf sie wartet, macht Samstagmittag auch eine Begegnung der Aktivisten mit einem Lokführer deutlich, der die Aktion im Vorbeigehen heftig kritisiert. „Ihr nehmt eine halbe Stadt in Geiselhaft“, hält er den Demonstranten vor. Er sei auf das Auto zur Arbeit angewiesen, vor allem wenn seine Schicht erst nach Mitternacht endet und der öffentliche Personennahverkehr dann nur noch eingeschränkt verkehrt.

ADFC-Fahrraddemo und -Versammlung am Leipziger Bahnhof am 28. Juni 2019.

Die Stadt könnte schon jetzt einen Kfz-freien Bahnhofsvorplatz testen, ist Alexander John (37) von der AG Verkehr des ADFC überzeugt. „So wie in Frankfurt am Main. Da hat die Stadt eine große Straße am Main für 13 Monate gesperrt. „Das könnte ich mir hier vor dem Hauptbahnhof auch vorstellen. Es müssen ja nicht gleich 13 Monate sein, ein Monat würde als Testlauf auch schon reichen.“

Torpediert die Stadt die Aufhebung des Radfahrverbots auf dem Ring?

Doch der ADFC befürchtet, dass die Stadt auch das durch einen baulichen Schachzug verhindern will. Wie berichtet, planen Stadt und LVB ab August zwischen West- und Osttor einen dritten Fußgängerübergang zwischen Bahnhof und Haltestelle einzurichten. Damit würde zugleich ein neuer Grund geschaffen, so ADFC-Verkehrssprecher Koss, warum das Radfahren auf dem Innenstadt vor dem Hauptbahnhof auch künftig unterbunden werden soll. Dabei hatte das sächsische Oberverwaltungsgericht erst im vergangenen Jahr entschieden, dass die Radfahrverbote auf weiten Teilen des Innenstadtrings rechtswidrig sind.

„Das Fahrrad ist das umweltfreundlichste Verkehrsmittel“, betont Linus Voermanek (15) von der Schüler-Klimabewegung Fridays for Future, die die ADFC-Aktion unterstützt und deutliche Schritt der Kommune hin zu einer fahrradfreundlichen Stadt erwartet. Statistisch ereigneten sich in Leipzig täglich vier Unfälle, an denen Radfahrer beteiligt sind. Die zentrale Forderung des ADFC fasst Clubmitglied John dann auch so zusammen: „Der Radverkehr muss zügig, sicher und bequem geführt werden.“

Resümee am Sonntagabend

„Wir haben eine sehr schöne Demonstration in friedlicher und guter Atmosphäre erlebt“, resümierte Alexander John am Sonntagabend. „Wir haben aber auch erlebt, wie schnell diese Atmosphäre wieder zerstört werden kann: Kurz, nachdem die Sperrung aufgehoben war, wurde es wieder laut vor dem Bahnhof.“ Er hoffe nun, dass die Stadt schnellstmöglich daran arbeite, den Vorplatz autofrei zu machen. Die Stadtratsfraktionen hätten während der Diskussionen vor Ort zumindest Bereitschaft dafür gezeigt.

Von Klaus Staeubert

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