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Lokales „Der 17. Juni 1953 war ein Aufstand der kleinen Leute“
Leipzig Lokales „Der 17. Juni 1953 war ein Aufstand der kleinen Leute“
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18:48 17.06.2018
Rainer Eppelmann rekonstruierte im Salzgäßchen die Vorgänge von 1953 – auch mit Berichten von Zeitzeugen. Passanten blieben spontan stehen, um ihm zuzuhören. Im Salzgäßchen waren am 17. Juni 1953 sowjetische Panzer aufgefahren. Quelle: André Kempner
Leipzig

„Am 17. Juni 1953 misslang das, was am 9. Oktober 1989 vollendet werden konnte“, hieß es heute Vormittag in Leipzigs Straße des 17. Juni, wo sich einst ein Untersuchungsgefängnis der DDR befand. Bis auf die Linkspartei waren dort Vertreter aller Ratsfraktionen erschienen, um den Opfern des Volksaufstandes zu gedenken. Auch Mitglieder des diplomatischen Corps und mehrere hunderte Bürger nutzten den Tag zum stillen Gedenken an die Ereignisse vor 65 Jahren.

Der Volksaufstand stehe in einer Linie mit den Volksaufständen in Ungarn 1956 und der CSSR 1969 sowie der polnischen Streikbewegung in den 1980er-Jahren, hieß es. In 700 Städten hatten damals rund eine Million Ostdeutsche die Arbeit niedergelegt; in Leipzig demonstrierten 40 000 Menschen. Von ihnen kamen sieben Demonstranten zu Tode, rund 1000 wurden inhaftiert und etwa hundert in Schauprozessen zu langjährigen Haftstrafen verurteilt, einer zum Tode.

„Es war ein Aufstand gegen ein selbstherrliches Regime“

„Es war ein Aufstand gegen ein selbstherrliches Regime“, erklärte Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) in der Straße des 17. Juni. „Der Arbeiteraufstand fand 1953 ohne Prominente statt“, sagte er. „Es war ein Aufstand der kleinen Leute, in deren Namen damals die Herrschenden ihre Macht ausübten.“ Der Partei der Arbeiterklasse seien die Arbeiter davongelaufen. Aus der Rückschau lasse sich festzustellen: „Auf Dauer lässt sich die Stimme der Mündigkeit nicht ausschalten.“

Der DDR-Bürgerrechtler Rainer Eppelmann sagte am „Panzerspuren“-Denkmal im Salzgäßchen, die Ostdeutschen hätten am 17. Juni 1953 erkannt, dass sie für die Mächtigen keine Bürger auf Augenhöhe waren, sondern nur Untertanen. Beim Mauerbau am 13. August 1961 sei dann die Erkenntnis gefolgt, dass sie „Leibeigene unter Führung“ seien und im Oktober 1989 sei schließlich ein „Fanal des Wutes und der Hoffnung“ gefolgt.

„Zivilcourage musste teuer bezahlt werden“

Eppelmann zitierte den verstorbenen tschechischen Politiker Vaclav Havel. „Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht,“ las er vor, „sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn macht – egal, wie es ausgeht.“ Die Demonstranten von 1953 hätten gehofft, „dass ihr Protest gut ausgeht, aber sie wussten es nicht. Viele haben ihre Zivilcourage teuer bezahlen müssen – aber es war nicht umsonst.“ Es habe sowjetischer Panzer bedurft, um den Aufstand niederzuschlagen. „Wäre die Sowjetarmee in ihren Kasernen geblieben, hätte die SED ihre von Moskau geliehene Macht nicht wiedererlangen können.“

Auch auf dem Südfriedhof wurde an die Vorgänge vor 65 Jahren erinnert. An der Grab- und Gedenkanlage „Opfer der Gewaltherrschaft 1945-1989“ erklärte Tobias Hollitzer vom Bürgerkomitee Leipzig, der Volksaufstand von 1953 gehöre zur langen Vorgeschichte der Friedlichen Revolution von 1989. Hollitzer warnte auch davor, anlässlich des 200. Geburtstags von Karl Marx über „eine Neuaneignung seiner Ideen nachzudenken“. Auch die SED-Diktatur habe sich auf die Lehren von Marx und Engels berufen. „Die Ideen von Karl Marx können nicht betrachtet werden, ohne auch immer ihr Scheitern in Unfreiheit und Gewalt, in dem millionenfachen Leid der Opfer kommunistischer Diktaturen zu bedenken“, sagte er. „Es gibt keine Alternative zur Freiheit in einem demokratischen Rechtsstaat“.

Die CDU-Ortsverbände Nord und Nordost gedachten am Lützschenaer Bismarckturm der Toten. Dort sprach Matthias Rößler, Präsident des Sächsischen Landtages.

Von Andreas Tappert

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