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Lokales Der falsche Chef? – Leipziger Paulinerverein streitet über neuen Kurs
Leipzig Lokales Der falsche Chef? – Leipziger Paulinerverein streitet über neuen Kurs
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07:01 27.07.2019
Paulinum oder Paulinerkirche? – Auch um die Bezeichnung des neuen Gebäudes auf dem Augustusplatz dreht sich der Streit zwischen Vereinschef Grösel und Vorstandskollegen. Grösel sieht die Namensgebung eher undogmatisch, sprach in seiner Antrittsrede vom „Paulinum“ – bisher ein No-Go im Verein. Quelle: dpa
Leipzig

Dem Leipziger Paulinerverein – der den Nachfolgebau der gesprengten Paulinerkirche am Augustusplatz mit möglich gemacht hat – stehen neue Turbulenzen ins Haus. Nachdem Vereinsvorsitzender Detlef Grösel nach nur vier Wochen im Amt die Vertrauensfrage stellte und verlor, soll jetzt am 7. September auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung seine förmliche Abwahl stattfinden. Anschließend soll ein neuer Vorsitzender gewählt werden und eventuell auch ein weiteres Vorstandsmitglied. Grösel will seinen letzten Auftritt als Vereinsvorsitzender nutzen, um den Mitgliedern seine Sicht der Geschehnisse mitzuteilen.

Detlef Grösel steht noch an der Spitze des Paulinervereins. Ob das so bleibt, ist derzeit offen. Quelle: André Kempner

„Alle sollen wissen, was mir vorgeworfen wird“

„Bislang wissen diese Dinge ja nur die Vorstandsmitglieder“, begründet der Architekt und Stadtplaner, der auf ein umfangreiches Lebenswerk verweisen kann – unter anderem in China, Kasachstan und viele Bauvorhaben in Europa. „Ich will, dass alle Mitglieder wissen, was mir vorgeworfen wird und wie es wirklich war. Dann sollen sie entscheiden, ob ich bleibe oder gehe.“ Bislang hätten ihm ja nur vier Vorstandsmitglieder das Vertrauen entzogen, diese waren am 25. Juni allein bei Grösels Zurückweisung der Vorwürfe anwesend, ein Protokoll darüber gibt es nicht. Das reiche ihm nicht aus.

Seine Gegenspieler im Vorstand des Paulinervereins lassen sich inzwischen von einem Rechtsanwalt beraten und haben Grösel nahegelegt, für die Leitung der außerordentlichen Mitgliederversammlung vom Registergericht einen neutralen Versammlungsleiter bestimmen zu lassen. Außerdem wurde ihm angeboten, im Vorfeld seinen Rücktritt zu erklären, dazu müsse er nicht einmal Gründe nennen, heißt es in einem Scheiben, das der LVZ vorliegt.

„Keine gedeihliche Zusammenarbeit möglich“

Grösel weist diese Vorschläge zurück. „Ich kämpfe dafür, dass ich gerecht behandelt werde,“, sagt er. Er habe nicht gegen die Satzung des Paulinervereins verstoßen. „Noch bin ich Vorsitzender des Vereins und ich bestehe darauf, dass ich meine Sicht der Dinge vortragen kann.“

Der Vereinsvorstand begründet die Einberufung der außerordentlichen Mitgliederversammlung mit fundamentalen Meinungsverschiedenheiten. Man sei „einheitlich der Meinung, dass die Grundvoraussetzungen für eine gedeihliche Zusammenarbeit mit Herrn Grösel nicht gegeben sind“, heißt es in der Einladung an die Mitglieder.

Paulinum oder Paulinerkirche?

Beobachter vermuten, der Streit habe sich an Grösels Plan entzündet, enger mit der Universitätsleitung zusammenzuarbeiten und dafür auch heilige Kühe des Paulinervereins zu opfern. So hatte er in seiner Antrittsrede den Nachfolgebau der 1968 von der DDR gesprengten Leipziger Paulinerkirche „Paulinum“ genannt und damit ein Tabu der Pauliner gebrochen, die den Nachfolgebau am Augustusplatz immer als „Universitätskirche St. Pauli“ oder zumindest als „Neue Paulinerkirche“ bezeichnen.

Gleichzeitig hatte Grösel von „eher guten und konstruktiven als schlechten Gesprächen“ mit der Universitätsleitung gesprochen, mit der sich der Verein seit Jahren heftig über die Innengestaltung der neuen Paulinerkirche streitet. Grösel vertrat dennoch die Ansicht, das Paulinum sei „eine würdige Erinnerungsstätte“ geworden. „Besonderer Dank“ gebühre dafür „der Rektorin und den Rektoren, die dazu beigetragen haben, etwas Besonders entstehen zu lassen“. Gerade dies sehen viele Pauliner ganz anders. Dies negiere ihr Engagement für den Bau, heißt es.

Streit über Mediator-Rolle

Für Verärgerung soll auch gesorgt haben, dass sich Grösel als „Mediator“ zwischen dem Verein und der Universitätsleitung gesehen hat (die LVZ berichtete). Dies zeige, dass er seine Aufgabe „fehlinterpretiert“ hat: Als Vereinsvorsitzender habe er keine Vermittlerrolle, sondern die Interessen der Vereinsmitglieder zu vertreten, heißt es. Dem Architekten wird auch ein „Filmriss“ vorgeworfen: Sein Wissenstand über Leipzig stamme aus dem Jahr 2001, als er zu einem langjährigen China-Aufenthalt aufgebrochen war.

Der heute in der Oberlausitz lebende Grösel habe es versäumt, sich nach seiner Rückkehr über die zwischenzeitlichen Vorgänge in Leipzig kundig zu machen und „einfach losgelegt“. Dem Vorstand sei wegen Grösels umstrittener Äußerungen „Angst und Bange“ geworden, er habe deshalb Grösel gebeten, sich über Äußerungen in der Öffentlichkeit vorab intern abzusprechen. Dies habe der Architekt als „Maulkorb“ fehlinterpretiert und weiter Äußerungen von sich gegeben, die sich nicht der Meinung des Vereins decken.

Vorstand: Wir äußern uns nicht

Grösel berichtet allerdings, er erhalte für seinen neuen Kurs auch Zustimmung aus den Reihen der knapp 200 Mitglieder. „Mir wurde mitgeteilt, der Verein brauche frischen Wind und neue Ideen, um erfolgreich zu sein“, erklärte er. Auf der Mitgliederversammlung am 7. September wird sich zeigen, wie stark diese Fraktion im Verein ist.

Der Vorstand des Paulinervereins hüllt sich über die Vorwürfe in Schweigen und will auch nicht den Namen des Mitgliedes verraten, das sich am 7. September um den Posten des Vereinsvorsitzenden bewerben wird. „Wir haben im Vorstand beschlossen, uns über den Vorgang nicht öffentlich zu äußern“, erklärte Vorstandsmitglied und Schatzmeister Wilfried Richard auf LVZ-Anfrage.

Von Andreas Tappert

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