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Lokales Der große Traum vom Abheben
Leipzig Lokales Der große Traum vom Abheben
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08:03 21.10.2018
Der deutsche Astronaut Alexander Gerst in der ISS bei der Arbeit mit der von Tobias Niederwieser entwickelten Technik
Der deutsche Astronaut Alexander Gerst in der ISS bei der Arbeit mit der von Tobias Niederwieser entwickelten Technik Quelle: NASA
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Leipzig

Familiäre Wurzeln in Italien/Südtirol, geboren in Innsbruck/Österreich, Schulzeit in Leipzig/Sachsen, Studium in München und in den USA: Tobias Niederwieser, gerade mal 26 Jahre, ist ein Weltbürger – einer mit Drang ins Weltall.

Ab 1998 und bis zum 18. Lebensjahr hieß Leipzig seine Homebase. Mit der Familie war der sechs Jahre alte Junge hierher gezogen. In Leipzig ging Tobias – jüngster Sohn von Medizin-Professor Dietger Niederwieser – zur Schule, erst in die Adam-Friedrich-Oeser-Grundschule, dann als Gymnasiast in die Thomasschule. Er legte das Abitur mit einer glatten 1 ab. Was er wollte, stand da schon lange fest, forschen, entwickeln, wissenschaftlich arbeiten.

Von „Jugend forscht“ zur ISS

Dass er dafür begabt ist, zeigte allein die preisgekrönte Teilnahme am Bundeswettbewerb „Jugend forscht“. Niederwieser entwickelte mit Unterstützung von BMW einen Schlitten mit Neigeeigenschaften in den Kurven.

Tobias Niederwieser vor dem Logo seines Sponsors, der NASA. Quelle: privat

Doch wie kam es nun zur Begeisterung für die Luft- und Raumfahrt? Tobias erinnert sich: „Ich flog mit meinen Eltern, ich war vielleicht acht Jahre alt, mit dem Flugzeug nach Wien. Neugierig wie ich war, durfte ich ins Cockpit und dann dort sogar die Landung erleben. Von da an war mir klar: Die Fliegerei, das ist es ...“ Tobias studierte Ingenieurwissenschaften an der TU München und nach dem Bachelor anschließend Luft- und Raumfahrttechnik an der Universität von Colorado in Boulder (USA), wo er 2015 den Master erhalten hat. In wenigen Wochen wird er seine Dissertation verteidigen.

Der Student mit Heimat auch in Leipzig hat in den Staaten von sich reden gemacht. So ist er maßgeblich an einem Forschungsprojekt für die ISS-Mission, die aktuell bekanntlich vom deutschen Astronauten Alexander Gerst geleitet wird, beteiligt. Die von Niederwieser entwickelte Technik mit drei Inkubatoren, mit deren Hilfe die Astronauten verschiedene Experimente durchführen, ist an Bord. So soll zum Beispiel herausgefunden werden, wie Knochenzellen in der Schwerelosigkeit wachsen. Das Projekt wird von der NASA gefördert.

Als vor wenigen Tagen der weltgrößte Kongress für Raumfahrt in Bremen stattfand, stellte Niederwieser seine Erkenntnisse vor. Jüngst wurde er in den USA mit dem Orville und Wilbur Wright-Preis ausgezeichnet, benannt nach den US-Flugpionieren und vergeben für herausragende junge Wissenschaftler, die im Bereich der Luft- und Raumfahrt tätig sind.

“Alle Tore stehen mir offen“

Und was bringt die Zukunft? Selbstbewusst sagt Tobias dazu: „Alle Tore stehen mir offen.“ Man könnte auch sagen – sogar das Universum. Seine Ausbildung in Sachsen hat ihm dabei sehr geholfen. Als Astronaut selbst einmal abheben zu können, ist dabei sein großer Traum. Er wird ihn so stringent verfolgen wie schon so manches in seinem Leben. Bei aller Begeisterung weiß Niederwieser aber schon von Risiken bei der Erkundung der Unendlichkeit. Der jüngste Zwischenfall beim Start einer Rakete auf dem Weg zur internationalen Raumstation lässt ihn nicht unbeeindruckt, aber gleichsam feststellen: „Man wird herausfinden, warum es geschehen konnte. Von Rückschlägen hat sich doch der Mensch nie von seinem Forscherdrang abhalten lassen.“

Von Thomas Mayer