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Lokales Diakonie-Präsident rät zum Zuhören
Leipzig Lokales Diakonie-Präsident rät zum Zuhören
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23:34 16.08.2018
Diakonie-Präsident Ulrich Lilie (rechts) im Gespräch mit Maria Dösinger-von Wolffersdorff sowie Missionsdirektor Christian Kreusel von der Diakonie Leipzig. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Freundlich und bescheiden trat der Chef von einem der größten deutschen Arbeitgeber am 16. August in Leipzig auf. 570 000 Mitarbeiter zählt der Diakonie-Bundesverband, hinzu kommen 700 000 ehrenamtliche Helfer. Der Präsident und evangelische Theologe Ulrich Lilie besuchte im Rahmen einer Sommertour das Pflegeheim Johann Hinrich Wichern an der Seeburgstraße. Er sei zum Zuhören da, betonte der 61-Jährige gleich zur Begrüßung.

Kampagne gegen „Kultur des Aufregens“

Zum Zuhören hat Lilie jüngst sogar ein Buch geschrieben, das im September erscheinen wird. „Für mich ist es der Schlüssel, um den sozialen Zusammenhalt in unserem Land nicht zu verlieren“, sagte er zur Erklärung. „Wir sollten der Kultur des Aufregens und des Redens über andere, die immer stärker um sich greift, eine Kultur des Zuhörens und des miteinander Redens entgegensetzen.“ Dafür werbe die Diakonie zurzeit mit der bundesweiten Kampagne „Unerhört!“

Besuch bei 100-jähriger Bewohnerin

Der Theorie folgten prompt praktische Beispiele. Zuerst besuchte Lilie eine 100-jährige Bewohnerin des city-nahen Pflegeheims. Am Bett von Martina Stephan herrschte bald Heiterkeit, als beide feststellten, dass sie ursprünglich aus Köln und er aus Düsseldorf stammt. Die Seniorin erzählte, wie sie einst ihren Mann kennenlernte und was sie dann nach Leipzig verschlagen hat. „Die Pfleger hier leisten sehr gute Arbeit, aber sie brauchen mehr Zeit für Gespräche“, gab die Rheinländerin dem Rheinländer mit auf den Weg.

Zahl hochbetagter Menschen wächst

Eine Gesprächsrunde folgte in der Caféteria. Bettlägerige Bewohner konnten sie bei Interesse auch über Lautsprecher in ihren Zimmern verfolgen. Er habe den Eindruck, viele Pflegeheime würden immer mehr zum Hospiz, so Moderator Johannes Spenn.

Diakonie-Präsident Ulrich Lilie (Vierter von links) mit Teilnehmern der Podiumsdiskussion. Quelle: Kempner

Bei der Diakonie in Leipzig, die für jedes ihrer sieben Häuser auch über einen Seelsorger verfügt, gebe es alle Pflegegrade, so Maria Dösinger-von Wolffersdorff, die den Fachbereich Altenpflege leitet. Die Zahl hoch betagter Menschen wachse, während die Zahl junger Leute, die Altenpflege lernen wollen, rückläufig sei. „Wir überlegen, was kann noch vorgeschaltet werden. Da geht es auch um Kooperationen mit Privaten, um Tagespflege, betreutes Wohnen. So können Menschen länger zu Hause bleiben.“

Grüne fordern Masterplan zur Pflege

Die Stadträte Naomi Pia-Witte (Freibeuter-Fraktion), Tim Elschner (Grüne), Siegfried Schlegel (Linke) und Karsten Albrecht (CDU) sprachen über den geringen Einfluss einer Kommune auf das Pflege-Thema. Die Zuständigkeit dafür habe der Bund. Elschner verwies auf einen aktuellen Grünen-Antrag, laut dem die Stadt einen Masterplan zur Deckung des Pflegebedarfs – auch in neu geplanten Stadtvierteln – erstellen und damit einen „Systemwechsel“ einleiten soll. Albrecht sah das skeptisch. Er stellte sich hinter den „klugen Verwaltungsstandpunkt dazu, der uns realistisch einen Schritt weiter bringt“. Pia-Witte und Schlegel forderten mehr Taten, damit Rentner oder Kranke nicht durch immer höhere Mieten aus ihren Wohnungen vertrieben werden.

Sommerfest bei Kontaktstube für Wohnungslose

Diakonie-Präsident Lilie hörte heraus, dass die Durchlässigkeit zwischen verschiedenen Angeboten für pflegebedürftige Menschen verbessert werden müsse. Dann lief er zum Sommerfest vor der ökumenischen Kontaktstube für Wohnungslose Oase, wo neue Gespräche begannen.

Von Jens Rometsch

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