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Lokales Die Eisheiligen waren in Leipzig – und jetzt?
Leipzig Lokales Die Eisheiligen waren in Leipzig – und jetzt?
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09:25 12.05.2019
Hobbymeteorologe Peter Noack hat Leipzigs Wettergeschichte akribisch studiert. Quelle: Foto: Andreas Döring
Leipzig

Die Eisheiligen kennt eigentlich jeder: Der Legende nach sorgen sie zwischen Anfang und Mitte Mai zu Kälterückfällen, indem sie Luft aus der Arktis nach Deutschland vordringen lassen – und signalisieren damit, wie das Wetter in den folgenden Monaten wird. „In der Regel dauern solche Kälteeinbrüche drei Tage lang, manchmal auch bis zu fünf Tage“, schildert Leipzigs Hobby-Meteorologe Peter Noack dieses häufig in der Realität zu beobachtende Phänomen. „Dann gibt es Nacht- und Bodenfröste. Manchmal sind sie auch mit Schneefall verbunden.“ Aber oft kommen die Eisheiligen auch gar nicht.

Die Eisheiligen machen häufig einen Bogen um Leipzig

Der Volksmund verbindet das Phänomen mit der Wetterentwicklung der anschließenden Monate, einschließlich des nächsten Sommers: Erscheinen die Eisheiligen, dann werde es wahrscheinlicher, dass das Wetter in den nächsten Monaten unbeständig wird, so die Behauptung.

„In Leipzigs Wettergeschichte gibt es große Lücken beim Erscheinen der Eisheiligen“, hat der 82-jährige Noack herausgefunden, der Leipzigs Wetter seit 1954 studiert und die Daten bis 1829/30 zusammengetragen hat. „So gab es eine große Pause von 1866 bis 1901, in der die Eisheiligen nicht aufgetreten sind. 1902 waren sie wieder in Leipzig – allerdings nur einen Tag am 12. Mai mit Bodenfrösten von minus 2,4 Grad Celsius.“

Anschließend schloss sich erneut eine große Pause an, in der die Eisheiligen einen Bogen um Leipzig machten. „Von 1903 bis 1951 gab es im Mai keine Minustemperaturen. Das änderte sich erst am 20. Mai 1952 mit einer Bodentemperatur von minus 3,9 Grad Celsius.“ In den 50er-Jahren gab es dann eine Häufung von Minustemperaturen im Mai. „1953, 1955, 1957, 1961 und 1962 schauten die Eisheiligen in Leipzig vorbei – und brachten Bodenfröste von minus 1,2 bis minus 3,2 Grad Celsius mit. Die Natur hat sich damals wieder ausgeglichen“, so Noack.

Knackige Kälte gab es nur selten

Bis 1977 fielen die Eisenheiligen dann wieder aus – um 1978, 1979, 1980, 1981, 1985 und 1987 wiederzukehren. „Das war eine kalte Phase“, kommentiert Noack die Entwicklung. „1984/85, 1985/86 und 1986/87 gab es in Leipzig drei starke Winter hintereinander, das waren die letzten harten Winter, die in Leipzig auftraten.“ Seitdem gab es in Leipzig meteorologisch gesehen nur „mäßig kalte“, „normale“ und „milde Winter“. Auch der letzte Winter 2018/19 wird meteorologisch als „milder Winter“ eingestuft. „Dieser Winter steht mit seinen Temperaturen an neunter Stelle der ,milden Winter’ seit 1945 – er war also nicht der mildeste, aber einer der mildesten. Wir hatten nur im Januar eine Dauerfrostperiode von fünf Tagen mit einer zeitweiligen Schneedecke bis fünf Zentimeter.“

In Leipzigs Wettergeschichte meldeten sich die Eisheiligen allerdings schon im Jahr 2007 zurück – mit Minustemperaturen von 2,6 Grad Celsius am 2. Mai. Vom 1. bis 6. Mai 2011 gab es an fünf Tagen ebenfalls Bodenfröste. Das nächste Mal kamen die Eisheiligen 2014 mit einem Bodenfrost von minus 0,9 Grad Celsius am 4. Mai. Auch 2017 schauten sie für zwei Tage vorbei – am 9. und 10. Mai mit minus 1,2 und minus 1,4 Grad Celsius.

Minustemperaturen fallen immer geringer aus

Während es 2018 im Mai keine Minustemperaturen gab, wurden sie 2019 wieder gemessen. Am 5. und 6. Mai zeigten die Thermometer in Leipzig minus 1,4 und minus 0,9 Grad Celsius an. „Das erhöht nach den alten Bauernregeln die Wahrscheinlichkeit, dass das Wetter niederschlagsreicher und unbeständiger wird“, so Noack.

Auffällig ist, dass Leipzigs Minustemperaturen im Mai im vergangenen Jahrhundert deutlich tiefer lagen als in diesem Jahrhundert. „1850 fielen die Temperaturen am 12. Mai sogar bis minus 6,6 Grad Celsius in zwei Meter Höhe und am Boden auf minus 8,7 Grad Celsius. Und am 13. Mai 1851 in zwei Meter Höhe auf minus 3,4 und am Boden auf minus 5,6 Grad Celsius“, so der Hobby-Meteorologe. „Am 12. Mai 1871 wurden am Boden minus 7,6 Grad Celsius gemessen, am 15. Mai 1874 waren es minus 7,0 und am 13. Mai 1876 minus 7,2.“

Anschließend häufig unbeständige und kühlere Wetterphasen

In der jüngeren Vergangenheit kann man feststellen, dass es nach einem Eintreffen der Eisheiligen in den darauffolgenden Monaten häufig unbeständige und kühlere Wetterphasen gab. „2007 gab es nach einem trockenen April einen niederschlagsreichen Mai und Juni. Und auch im Gesamtjahr gab es relativ viele Niederschläge – nur der Oktober und der Dezember waren Ausnahmen. Es gab aber drei Monate mit über 100 Millimeter Niederschlag pro Quadratmeter und Monat.“

Auch 2011 habe es nach den Eisheiligen im Sommer nur elf heiße Tage (also Tage mit Temperaturen ab 30 Grad Celsius aufwärts) gegeben – sechs weniger als der Normalwert. Die Zahl der Sommertage, also der Tage mit Temperaturen ab 25 Grad, habe aber im normalen Limit gelegen. Der Jahresniederschlag fiel auch geringer aus als im statistischen Mittel. „Trotzdem gab es in diesem Jahr im Juli starke Niederschläge, auch der August und September waren mit den Niederschlägen überdurchschnittlich – im November fiel dagegen extrem wenig Regen“, so Noack.

„Sommer schwanken immer häufiger um die Normalwerte

2014 gab es mit neun heißen Tagen zwei weniger als in einem durchschnittlich heißen Sommer. Sommertage gab es nur 39 – zehn weniger als der Normalwert. Allerdings fiel relativ wenig Regen.

2017 wurden zehn heiße Tage gemessen – einer weniger als im üblichen Durchschnitt. Es fielen aber etwas mehr Niederschläge als im Schnitt. „Auch nach dem Erscheinen der Eisheiligen schwanken also die Sommer um die Normalwerte“, sagt Noack. „Aber es ist an einigen Tagen eine Neigung zu starken Niederschlägen möglich.“ Extrem heiße Sommer seien aber nach dem Erscheinen von Eisheiligen in Leipzig nicht aufgetreten.

Von Andreas Tappert

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