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Lokales Die Ikone der Typographie – ein fast vergessener Leipziger
Leipzig Lokales Die Ikone der Typographie – ein fast vergessener Leipziger
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20:02 01.04.2019
Daniela Lang und Claudia Seeber (von links) schauen sich die Sonderschau um den Jahrhunderttypographen Jan Tschichold in der Deutschen Nationalbibliothek an. Quelle: André Kempner
Leipzig

Er ist gebürtiger Leipziger, in seiner Heimatstadt jedoch ziemlich unbekannt. Dabei hat Jan Tschichold, der am 2. April 1902 als Sohn eines Schildermalers geboren wurde, die Typographie revolutioniert. Das Deutsche Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek am Deutschen Platz widmet dem „Jahrhunderttypographen“, dessen Entwürfe Klassiker des Grafikdesigns sind, nun eine Sonderschau. Das Kulturdezernat der Stadt will an einem der Wohnhäuser, in welchem der vielfach umgezogene Künstler lebte, in der heutigen Schorlemmerstraße in Gohlis eine Erinnerungsplakette anbringen.

Museum erhielt Nachlass von den Erben Tschicholds

Dabei leistet die Schau einen Beitrag zum 100. Geburtstag des Bauhauses: Obwohl selbst nie am Bauhaus tätig, gilt Tschichold, dessen künstlerisches Schaffen durch viele Widersprüche geprägt war, als einer der wichtigsten Vertreter der funktionalen oder „Neuen Typographie“. Damit wird erstmals der Nachlass Tschicholds, der durch eine überaus großzügige Schenkung der Erben 2016 ins Museum kam, gezeigt. Das Museum erhielt eine Sammlung mit 176 großformatigen Kisten. „Das Vertrauen rührt mich, darauf bin ich stolz. Auf dem Markt hätten die Erben damit viel Geld verdienen können“, sagt Stephanie Jacobs, die Museumschefin. Parallel läuft übrigens eine große Ausstellung im Museum of Modern Art in New York. „Tschichold ist ein großer Sohn Leipzigs.“

Bugra machte viel Eindruck auf Zwölfjährigen

Die Schau würdigt zunächst die Leipziger Jahre des Typographen, Plakatdesigners und Buchgestalters, der sich von seiner Heimatstadt inspirieren ließ. „Die Gassen und Straßen der Innenstadt waren Anfang des 20. Jahrhunderts zu Messezeiten geradezu überflutet von Reklameschildern und Werbebannern“, erzählt Jacobs. Die Bugra von 1914 – die Leistungsschau des internationalen Buchgewerbes – hat dabei wohl enormen Eindruck auf den zwölfjährigen Knaben gemacht, wie er Anfang der 1970er-Jahre in einer Autobiografie bekennt.

Er besucht zunächst auf Wunsch der Eltern ein Lehrerseminar in Grimma, lässt sich drei Jahre später an der Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe (ab 1950 Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig) als Schriftzeichner ausbilden. In der Schau sind zwei Skizzenhefte des damals 16-Jährigen zu sehen. Sie beleuchtet alle Schaffensperioden – auch die Sympathie für die neuen, aus Russland kommenden politischen und künstlerischen Strömungen (vor allem Konstruktivismus). Deshalb nannte er sich sogar eine Zeit lang Iwan Tschichold.

Junger Typograph arbeitete für die Messe

Anfang der 1920er-Jahre bekam der junge Typograph erstmals Aufträge von der Messe. Nicht künstlerische und bibliophile Visionen, eher Einfachheit und Klarheit sind sein Credo. „Klare geometrische Formen dominieren die Fläche, eine klare Typographie verzichtet auf alles Beiwerk“, so Jacobs. Seine 1925 veröffentlichte Schrift „Elementare Typographie“ gilt als Schlüsselelement der Neuen Typographie. Bis Anfang der 1930er-Jahre entwarf er, bereits in München lebend, Schriften wie Transito und Saskia.

Emigration in die Schweiz

1933 emigrierte er in die Schweiz, wo er sich der traditionellen Typographie zuwandte. „Auch aus Entsetzen darüber, wie die deutschen Faschisten sich der modernen Schrift- und Plakatgestaltung für ihre Propagandazwecke bedienten.“ Tschichold kehrt in eine Schriftwelt zurück, der er 1924 in Leipzig den Rücken gekehrt hatte. 1974 starb er in der Schweiz.

Zur Ausstellung ist im Wallstein Verlag unter dem Titel „Jan Tschichold – ein Jahrhunderttypograph? Blicke in den Nachlass“ ein von Stephanie Jacobs und Patrick Rössler herausgegebenes bilderreiches Buch erschienen, das es für 24 Euro an der Museumskasse gibt.

Geöffnet ist bis zum 6. September 2019 Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr, Donnerstag 10 bis 20 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Von Mathias Orbeck

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