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Leipzig Lokales Die Internationale Berufsakademie zieht an den Leipziger Marktplatz
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10:48 16.11.2018
Mit der Gründung der Internationalen Berufsakademie begann Norman Kirsche dort 2006 als Studienberater. Heute ist der 38-Jährige kaufmännischer Leiter der Niederlassungen in Leipzig und Erfurt. Quelle: André Kempner
Leipzig

Der Blick könnte kaum schöner sein. „Ist das nicht wunderbar?“ Norman Kirsche schaut aus dem Fenster eines Seminarraums auf den Weihnachtsbaum des Leipziger Marktplatzes. Der 38-Jährige strahlt. Die Leipziger Niederlassung der Internationalen Berufsakademie (iba), die er leitet, ist gerade von der Nordstraße in die Innenstadt umgezogen. „Wer hätte gedacht, dass wir hier so schnell dieses Wachstum erreichen?“, jubelt er. Vor vier Jahren begannen im ersten Leipziger Jahrgang gerade mal 34 junge Menschen ihr duales Studium. Auf 550 Studierende sind jetzt die beiden neuen Stockwerke ausgelegt. Mit 2000 Quadratmetern hat sich die Fläche im Vergleich zum vorherigen Standort vervierfacht. Pro Semester immatrikuliert die Akademie etwa 130 Bewerber. 2020 soll sie voll ausgelastet sein.

So wie der Weihnachtsbaum auf dem Markt momentan aber erst nach und nach seinen Schmuck erhält, ist auch im Inneren an vielen Ecken noch Baustelle. Im Treppenhaus schleifen Arbeiter die Wände ab, im Innenhof errichten sie eine Terrasse und einen Wintergarten. „Eine Lounge mit Barhockern“ malt Kirsche mit Worten dorthin, wo aktuell Farbeimer, Holzlatten und Klebeband lagern. „Dort stellen wir Fernseher auf“, gestikuliert er. Gut eine halbe Million Euro investiert der Eigentümer der historischen Immobilie „Alte Waage“ mit der Adresse Markt 5/6 in den Umbau. Vormieter war der Webportal-Betreiber Unister bis zur Insolvenz 2016.

In elf Standorte, an denen insgesamt 2800 Menschen studieren, ist die „iba“ bundesweit verzweigt. Die Konzernmutter – die F+U-Unternehmensgruppe aus Heidelberg – gründete vor 13 Jahren in Darmstadt die erste Niederlassung. Mittlerweile handelt es sich um Deutschlands größte private Berufsakademie. In zwei Studiengänge mit der Möglichkeit zum Bachelor-Abschluss gliedert sich das Angebot am Standort Leipzig: Betriebswirtschaftslehre sowie eine Mischung aus Sozialpädagogik und Management. Innerhalb beider Fachrichtungen sind Spezialisierungen möglich.

„Wenn ein Betrieb den Abi-Schnitt eines Kandidaten für zweitrangig hält – warum nicht?“

Anders als bei den staatlichen Berufsakademien wechseln die jungen Leute nicht alle drei Monate zwischen Betrieb und Seminarraum, sondern innerhalb jeder Woche: Drei Tage gehören dem Ausbildungsbetrieb, zwei Tage dem Studium. „So passt es vor allem bei mittelständischen Unternehmen besser in die Arbeitsabläufe“, sagt Kirsche. „Wenn ein Betrieb nur ein oder zwei Studis hat, fällt es schwer, ein Vierteljahr komplett darauf zu verzichten.“

Den Boom seiner Akademie führt Kirsche vor allem auf die demografische Entwicklung zurück. Paradox sei das nicht, auch wenn die Bevölkerung zurückgehe, erklärt er. „Denn die Zahl der Abiturienten steigt, und die meisten von ihnen wollen studieren.“ Das Nachsehen haben Betriebe, die für ihre Ausbildungsplätze kaum noch junge Menschen mit Hochschulreife gewinnen. „Für sie sind wir eine Supermöglichkeit, Abiturienten wieder in die Erstausbildung zu bekommen.“

Die Institution hat daher mit zwei Gruppen zu tun, die Kirsche „Kunden“ nennt: Unternehmen auf der Suche nach Nachwuchs mit Potenzial; und künftige Studierende. „Wir bilden die Schnittstelle“, sagt er. Die „iba“ vermittelt Vorstellungsgespräche, ein Numerus clausus existiert nicht. „Die Entscheidung fällt der Betrieb. Wenn er den Abi-Schnitt eines Kandidaten für zweitrangig hält – warum nicht?“ Konzerne wie VW und Ikea lassen ebenso an der „iba“ ausbilden wie etwa das Taschenkaufhaus, der SC DHfK Leipzig oder die Lebenshilfe.

„So viel kostet ein Azubi im Schnitt auch“

Pro Monat und Student berechnet die Akademie je nach Studiengang zwischen 550 und 580 Euro. In der Regel bezahlen die Unternehmen das Geld. „Zusammen mit einer kleinen Ausbildungsvergütung von 300 oder 400 Euro kommen sie auf 1000 Euro“, rechnet Kirsche vor. „So viel kostet ein Azubi im Schnitt auch.“ Die „iba“ ist Mitglied des Studentenwerks Leipzig. Daher dürfen ihre Studierenden in der Mensa essen, sich für Zimmer in den Studentenwohnheimen bewerben und bekommen das Semesterticket. Etwa 70 Prozent von ihnen beginnen ihre außerschulische Laufbahn hier, die übrigen 30 Prozent haben bereits eine Berufsausbildung hinter sich und satteln auf.

Fünf Professoren sind an der Leipziger Zweigstelle angestellt, 17 weitere feste Mitarbeiter kümmern sich in erster Linie um die Verwaltung. Die Lehre stemmen darüber hinaus rund 60 freiberufliche Dozenten. „Experten aus der Wirtschaft, die das eher nicht wegen des Honorars übernehmen, sondern weil sie dem Nachwuchs etwas mitgeben möchten“, sagt Kirsche.

Zu den Seminarräumen kämpfen sie sich zurzeit zwar durch ein Treppenhaus, dessen Geländer mit Planen bedeckt ist. An herunterhängenden Kabeln vorbei führt der Weg durch den Staub. Doch bis Jahresende soll alles hübsch sein. Gleich am Eingang werden zwei Steinfiguren stehen. Man hat sie vor einigen Jahren vom Dach abmontiert, um sie vor weiterer Verwitterung zu schützen. Dann soll auch der Blick von draußen nach drinnen ein Grund zum Strahlen sein.

Von Mathias Wöbking

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