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Lokales „Die Jahnallee ist eine Todesstraße“
Leipzig Lokales „Die Jahnallee ist eine Todesstraße“
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07:01 26.02.2019
In der Jahnallee geht es auch kurz nach 12 Uhr eng zu – dabei fährt gerade gar keine Straßenbahn. Noch sind zwei Spuren (rechts und links) für Kurzzeitparker reserviert. Quelle: Fotos: André Kempner
Leipzig

Am Montag kurz nach 12 Uhr in der inneren Jahn­allee: Die sonst üblichen langen Staus gibt es in dieser verkehrsschwachen Zeit nicht, aber trotzdem donnern ununterbrochen Fahrzeuge aller Größen in beide Richtungen durch die enge Straßenschlucht. Regelmäßig röhren auch Straßenbahnen hindurch. Und wagemutige Radfahrer kurven halsbrecherisch zwischen den Autos entlang. Vor den Geschäften sind alle Kurzzeitparkplätze belegt. Auf den schmalen Fußwegen drängen sich nicht nur Passanten, sondern auch Radfahrer, die sich offenbar nicht mehr auf die unfallträchtigen Fahrspuren trauen.

„Das ist eine große Chance für uns“

Vor seinem Café „Dankbar“ steht Gastronom Toni Krätzer. Er kennt das Vorhaben der Stadt, die Kurzzeitparkplätze abzuschaffen und Tempo 30 auszuschildern. „Dieser Straßenabschnitt muss weg von seinem Image als gefährlicher Unfallschwerpunkt“, sagt der 34-Jährige. „Aber das allein wird nicht reichen. Hier müssen alle mehr Rücksicht nehmen. Sonst wird das nichts. Aber die Umgestaltung ist für uns eine große Chance.“ Er selber will diese Chance am Schopfe packen. „Wenn mir ein Lieferant sagt, er kann mich nicht mehr beliefern, dann muss ich halt neue Produkte kreieren“, betont er. „Ich überlege schon lange, mir ein Lastenfahrrad zuzulegen und nicht mehr so viel mit dem Auto zu erledigen. Dann muss es eben damit gehen. Meine Gäste sind toll und die Straße ist spannend. Ich bleibe hier.“

Ein paar Meter weiter steht Frisör Sarzat Hussain mutterseelenallein in seinem Barber-Shop und wartet auf Kundschaft. „Ich brauche unbedingt die Parkplätze vor meinem Geschäft“, betont der 35-Jährige. „Meine Kunden kommen oft mit dem Auto.“ Er selbst parke jeden Tag fünf Kilometer entfernt, um die Straße zu entlasten. „Hier sind überall die Parkplätze knapp.“

„Ich hasse die Jahnallee

Auf dem Gehweg gegenüber steht Anwohnerin Victoria Perl. „Für mich ist die Jahnallee in diesem Abschnitt eine Todesstraße“, sagt die 27-Jährige. „Hier herrschen Hektik, Angst und Stress; es ist laut und unübersichtlich. Ich hasse die Jahnallee und finde es sehr gut, dass endlich etwas geschieht.“ Ihre Bekannte Tanja Schweers sieht das ähnlich. „Hier muss etwas gemacht werden; vor allem der Fahrradstreifen muss möglichst schnell kommen“, fordert die 40-Jährige.

An der Sparkasse schließt gerade Radfahrerin Karin Lang ihr Fahrrad ab. „Mir tun die Autofahrer leid, die hier mal anhalten, um etwas auszuladen“, sagt sie. Tempo 30 sei überflüssig. „Man kann doch hier fast nie schneller als 30 fahren.“ Doch für Radfahrer sei das Fahren auf der Straße schon sehr gefährlich.

„Die Planer machen die Straße kaputt“

Auch Autofahrer wie Ekaterina Lorek sehen die geplanten Änderungen kritisch. „Die Planer machen hier die ganze Straße kaputt“, glaubt sie. Es gebe viele Autofahrer wie sie, die sich mal schnell etwas aus den Geschäften holen. „Die werden dann nicht mehr kommen, weil sie in den Seitenstraßen keine Parkplätze finden“, prophezeit die 39-Jährige.

Auch Stadtpolitiker haben gestern Bedenken angemeldet. „Die Verlagerung der Kurzzeitparkplätze in die Nebenstraßen ist ein Hohn“, verlautbarte CDU-Stadträtin Sabine Heymann. Denn dort sei alles belegt. „Die Anwohner werden ihren Pkw bald noch mehr benötigen, wenn Händler ihre Geschäfte aufgeben müssen und damit weitere Wege zum nächsten Bäcker, Fleischer oder Blumenhändler zurückgelegt werden müssen.“

IHK beklagt Ignoranz der Stadtverwaltung

Die AfD warf der Stadtverwaltung „Planlosigkeit“ vor. Die Verkehrssituation könne zwar nicht bleiben, wie sie ist. „Aber hier wird eine wirklich nachhaltige Lösung gebaucht – unter Einbeziehung der Anwohner und Gewerbetreibenden“, findet Stadtrat Christian Kriegel (AfD). Die Betroffenen dürften nicht „vor vollendete Tatsachen gestellt werden“. Auch IHK-Präsident Kristian Kirpal kritisierte „die Ignoranz gegenüber den Händlern“.

Im Rathaus hieß es am Montag, man könne nicht alle Probleme in der Straße lösen. „Aber wir können die Unfallgefahren für Radfahrer verringern, indem wird dort die Kurzzeitparkplätze eliminieren“, erläuterte Thomas Schulze, Leiter der Straßenverkehrsbehörde. Der Abschnitt werde dadurch nicht wirklich vierspurig, denn sobald dort ein Radfahrer unterwegs sei, müssten Autofahrer auf die Nebenspur ausweichen. Auch der Anlieferverkehr werde auf 9 bis 14 Uhr begrenzt, damit Radfahrer nicht ständig in Richtung Straßenbahngleise gedrängt würden.

Zweiter Schritt noch offen

Ob in einem zweiten Schritt noch ein separater Radfahrsteifen eingerichtet wird, sei noch nicht entschieden. „Unter anderem ist auch noch im Gespräch, die parallele Gustav-Adolf-Straße zu einer Fahrradstraße zu machen.“ Wann dies entschieden wird, stehe noch nicht fest.

Von Andreas Tappert

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