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Leipzig Lokales Die heimlichen Schätze der Volkshochschule
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22:02 20.08.2018
Studentin Hanna Warth  erschließt in der Volkshochschule Leipzig historische Lehrmaterialien, die noch auf dem Boden und in diversen Räumen lagern. Quelle: Mathias Orbeck
Leipzig

Vieles musste zunächst entstaubt werden: Etwa Lehrkarten, auf dem das Innenleben einer Ratte gezeigt wird. Jene Bilder, die um 1900/1910 angefertigt worden waren, lagen leicht zerknüllt in der Ecke und sind mittlerweile so brüchig, dass es bereits schwierig ist, sie zu transportieren. Doch Hanna Warth, Sebastian Krötzsch und Thomas Seidel haben diese und andere Aufgaben mit Bravour erledigt.

Die Drei studieren an der Hochschule für Wirtschaft, Technik und Kultur (HTWK) Museologie. In Rahmen eines studentischen Projektes haben sie unter erschwerten Bedingungen der Sommerhitze Schränke und Räume der Volkshochschule Leipzig durchforstet. Dabei ging es um eine Bestandsaufnahme der alten Lehrsammlung, die dort unter teilweise chaotischen Bedingungen lagerte. „Die Bilder müssen wenigstens mit Seidenpapier eingewickelt werden, um sie zu schützen“, schlägt Hanna Warth vor. Später könne entschieden werden, ob sie restauriert werden sollten.

Vom Lehrfilm bis zum Wal-Wirbel

Bei ihrer Arbeit sind die drei Studenten zunächst auf erstaunliche Dinge gestoßen, die wohl irgendwann mal als Lehrmatererial an der Volkshochschule oder der Wirtschaftsoberschule verwendet worden sind. Dazu gehören ein großer Wal-Wirbel ebenso wie Röhren für Röntgenstrahlung, Widerstandsdekaden, Glaskolben, Fliehkraftregler, Lehrfilme über die Atemspende oder Fortpflanzung.

Kleine Kisten mit Mastix, dem Gummiharz der Pistazienbäume, wurden ebenfalls entdeckt, die wohl im Kunstunterricht als Firnis bei Ölgemälden oder als Klebstoff eingesetzt worden waren. Dinge wie eine alte Uhr, die für die Geschichte der Bildungsstätte stehen, wurden ebenfalls aufgestöbert. Oft musste im Internet oder in Büchern recherchiert werden, wofür die Objekte eigentlich verwendet worden sind.

„Alles können wir nicht leisten. Deshalb haben wir Datensätze in einer Excel-Datei angelegt, damit andere dies weiterführen können“, erklärt Krötzsch. So bleibe mindestens „eine Kiste mit Objekten und Einzelteilen“ übrig, die nicht zugeordnet werden könnten. Aufbewahrt wurden viele Lehrmaterialien aus Physik, Chemie, Elektrotechnik, Biologie und viele Medien. „Auf diesen Negativen etwa, die nicht datiert sind, wird die Herstellung von Maggi-Produkten erläutert“, nennt Krötzsch ein Beispiel.

Weitere Studentenprojekte im Visier

Über 460 Objekte sind bereits neu inventarisiert, weitere Bücher und Materialien lagern im Archiv. Ein Teil der Akten könnte bei den Umbauarbeiten an der Bildungsstätte in der Löhrstraße auch im Stadtarchiv gelandet sein.

„Es sind drei Studenten, die sehr effektiv gewirkt haben“, lobt Gisela Weiß, die Professorin. Die Arbeit, vor die die jungen Leute in Dreier- oder Viererteams gestellt werden, sei schon eine Königsdisziplin im Studium.

Das HTWK-Projekt ist zunächst Basis für weitere Forschungen, auch mit Studenten. Denn hinter vielen Objekten stecken auch Geschichten, die es zu ergründen gilt. „Ein Teil der Objekte wollen wir künftig in unserem Haus öffentlich ausstellen. Der Rest wird natürlich gelagert“, kündigt Ilona Hensel, die Marketingfachfrau der VHS an.

Von Mathias Orbeck

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