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Lokales Die lange Geschichte eines kurzen Fußweges
Leipzig Lokales Die lange Geschichte eines kurzen Fußweges
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06:00 08.08.2018
Endstation Bauzaun: Der Fußweg von der Straße des 18. Oktober endet vor dem Zugang zum Bayerischen Bahnhof. Die Anwohner ärgern sich über den Umweg. Quelle: Kempner
Leipzig

Es klingt wie im Märchen – unwirklich, unglaublich, traurig. Allerdings handelt es sich nicht um eine Geschichte aus 1001 Nacht – denn diese nehmen in aller Regel ein gutes Ende. Nein, im vorliegenden Fall sind inzwischen sogar mehr als 1300 Tage vergangen. Vor so langer Zeit nahm die Sache ihren Lauf. Gut ausgegangen ist sie für die Bewohner des Viertels „Straße des 18. Oktober“ bis heute nicht. Nach wie vor müssen sie an die reichlich 100 Meter Umweg absolvieren, wollen sie zur Haltestelle des neu gestalteten Bayerischen Bahnhofs gelangen. Denn ein Zaun versperrt den direkten Übergang. Für Ältere, die schlecht zu Fuß oder gar auf einen Rollator angewiesen sind, eine hässlich-beschwerliche Zumutung. Am Ende fehlt es an einem kleinen Stückchen unbefestigten Weges von 1,20 Meter, der aus Sicherheitsgründen nicht freigegeben werden darf.

Erste Gespräche schon 2014

Es war einmal vor langer Zeit, als das Ringen des Bürgervereins Messemagistrale um eine für alle angemessene Lösung ihren Anfang nahm. Dies fiel offenbar auf unfruchtbaren Boden. Immerhin geht das erste Aufbegehren bis ins Jahr 2014 zurück, genauer gesagt auf den 18. November besagten Jahres. An diesem Tag war Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) in der Bürgersprechstunde gebeten worden zu helfen – nämlich den „Zaun zur Zuwegung der Station Bayerischer Bahnhoft zu öffnen, um den Zugang auf kurzem Weg zu erreichen“, so heißt es in einem Antwortschreiben des Stadtoberhaupts an den Verein im Juli 2015. Monate zuvor, am 15. Dezember 2013, hatte Jung bei der Wiedereröffnung des Bayerischen Bahnhofs und der neuen City-Tunnel-Verbindung noch frohlockt: „Es ist geschafft!“, wie auf der Online-Seite der Stadt noch heute zu lesen ist. Und er fügte seinerzeit hinzu: „Vor mehr als hundert Jahren hatten unsere Vorfahren erstmals die kühne Idee, den Hauptbahnhof und den Bayerischen Bahnhof unterirdisch zu verbinden – jetzt ist diese Vision Realität geworden... Unser Marktplatz ist plötzlich das Zentrum eines mitteldeutschen Verkehrsnetzes, das Hunderttausende Menschen erreicht und sie in kürzester Zeit in die Stadt bringen kann“, sagte der Stadtobere damals. Für die Bewohner der Straße des 18. Oktober hat sich die Hoffnung, „in kürzester Zeit“ den Bahnhof zu erreichen, bisher hingegen nicht erfüllt. Aber das ist meistens in Märchen so, dass nicht alles sofort und auf Anhieb gelingt.

Wobei Jung in besagter Sprechstunde im November 2014 versprach: „Der Oberbürgermeister hat die Zusage gegeben, dass das Verkehrs- und Tiefbauamt die unmittelbar am Zaun erforderlichen Wegeanpassungen (Übergang vom Pflaster zum Asphalt) durchführt.“ Das bestätigte die Stadt in einem Schreiben an den Bürgerverein vom 16. Juli 2015. Zugleich wurde vermerkt, dass wegen „der Eigentumsverhältnisse an den betroffenen Flurstücken und des damit im Zusammenhang stehenden Themas Verkehrssicherheitspflicht“ noch „kein sichtbares Ergebnis erzielt werden“ konnte.

Hoffnung nach Bauarbeiten schnell wieder zerstört

Die Zeit ging weiterhin gemächlich ins Land. Dann kam der 6. Dezember vorigen Jahres. Viele Betroffene waren frohen Mutes, denn Bauarbeiter machten sich daran zu schaffen, einen etwa 5,5o Meter langen Teil des verworfenen Fußweges von der Straße des 18. Oktober zum Bayerischen Bahnhof zu erneuern. Die Freude der Bewohner verflog allerdings recht schnell. „Unbehandelt“ blieb ein mit 1,20 Meter vergleichsweise kurzes Reststück zum Absperrzaun. Es wurde weder asphaltiert noch mit Gehwegplatten auf Vordermann gebracht und gereicht daher offiziell nicht den Sicherheitsvorschriften, darf somit nicht zum Passieren freigegeben werden. Und so ist der Bahnhof selbst noch nach Jahr und Tag nur per Umweg erreichbar. Ein trauriges Schicksal: Wären die 120 Zentimeter ohne Zögern am Nikolaustag 2017 mit erneuert worden, hätte die Deutsche Bahn längst ihre Zusage erfüllen können, das entsprechende Zaunsegment zu entfernen und den freien Durchgang zur Bahn-Station zu gewähren. Und so leben die Bewohner noch heute mit dem Umweg-Erschwernis.

Die Stadt auf den vermeintlichen Schildbürgerstreich angesprochen, zeigte sich am 28. Februar dieses Jahres zuversichtlich: „Die (noch) verbliebene Lücke ist witterungsbedingt und soll bei Frostfreiheit durch die LWB noch geschlossen werden.“ Schließlich hatte es zwischen dem Nikolaustag 2017 und Ende Februar dieses Jahres zwischenzeitlich Minusgrade gegeben. Beruhigend fügte die Stadt in dem gleichen Schreiben hinzu: Die Leipziger Wohnungsbaugesellschaft (LWB) habe im Dezember 2017 den bis dahin unbefestigten Bereich vor einem Baum mit Gehwegplatten gepflastert. Zugleich wiederholte die Stadt ihren Optimismus aus der Eingangsbemerkung, „wobei aufgrund der Witterung der Anschluss an den bestehenden Zugangsweg von DB Station & Service nicht gleich mit hergestellt werden konnte. Bei Frostfreiheit soll der Lückenschluss dann hergestellt werden.“ Der Bürgervereinsvorstand zeigte sich verwundert. Weder am 6. noch am 7. Dezember habe Eiseskälte geherrscht. Auch bis Ende Februar seien genügend frostfreie Tage registriert worden. Darauf antworte die Stadt am 16. März lediglich: „Bitte haben Sie Verständnis, dass für eine weitere detaillierte retrospektive Aufklärung einer Maßnahme, die von der LWB durchgeführt wurde, bei uns keine Kapazitäten vorhanden sind.“ Die LWB hatte auf eine entsprechende Anfrage dieser Zeitung vom Februar nicht geantwortet.

Nun ist längst der Sommer da, die unbefestigten 1,20 Meter sind weiterhin unpassierbar, der Zaun muss weiter geschlossen bleiben. Unvorstellbare Verstrickungen prägen das Geschehen, dennoch sind sie wahr. Das Leben schreibt eben mitunter kuriosere Geschichten, als sich das Märchenerzähler je auszudenken vermochten.

Von Ulrich Langer

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