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Leipzig Lokales Die vergessene Geschichte des Leipziger Musikviertels
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08:59 18.08.2019
Diese kolorierte historische Ansichtskarte zeigt, dass die Karl-Tauchnitz-Straße (rechts) um 1900 schnurgerade verlief – den heutigen Abzweig zum Westplatz gab es damals noch nicht. Die Straßenbahn fuhr damals noch durch das benachbarte Kolonnadenviertel. Quelle: Repro: Hella Gormsen
Leipzig

Wer heute eine besonders schöne Wohnung sucht – gelegen zwischen der Innenstadt und viel Grün - wird nicht selten im Musikviertel fündig. Doch viele der neuen Bewohner kennen die bewegte Geschichte des Areals nicht: Im Zweiten Weltkrieg wurde das Viertel stark zerstört, der südliche Teil fast komplett. Auch zu DDR-Zeiten, als die stehen gebliebenen Häuser des Viertels im Dornröschenschlaf lagen, waren die Wohnungen dort noch äußerst begehrt. Jetzt hat die Hobby-Historikerin Hella Gormsen ein Stück der interessanten Historie zusammengetragen. In Vorträgen gibt sie einen Überblick.

Ausflugsziel „Buen Retiro“

Die Baugeschichte des Areals beginnt 1870, als Leipzig auf dem Weg zur Großstadt war. Weil es an Wohnhäusern für die rasant wachsende Stadtbevölkerung fehlte, rückte damals die Fläche in den Blick der Stadtväter, die sich heute zwischen Harkort- und Karl-Tauchnitz-Straße erstreckt.

Sie galt damals nicht nur als unbebaubar, weil sich dort zahlreiche Teiche und Flussarme befanden. Die Teiche waren Jahrhunderte zuvor entstanden, als Zisterzienser-Nonnen aus dem Leipziger Georgenkloster dort Lehm gewannen, um daraus in einer eigenen Ziegelei Baustoff für die wachsende Stadt zu produzieren.

Stadtpläne und Ansichten von damals

Als die Ziegelei aufgegeben wurde, liefen die Gruben mit Grundwasser voll und wurden zu Teichen, an denen wohlhabende Bürger Gärten anlegten. Zu einer dieser Anlagen, dem sogenannten Schimmelschen Gut, gehörten drei Teiche, in derem größten sich eine Insel mit dem Namen „Buen Retiro“ (Gute Zuflucht) befand. Eigentümer Johann Friedrich Schimmel hatte darauf ein damals sehr beliebtes Restaurant errichtet, das man über einen Holzsteg oder per Kahn erreichen konnte.

Wie das Viertel zu seinem Namen kam

Mit dieser Idylle war es vorbei, als Platz für neue Wohnhäuser gebraucht wurde. 1870 wurde ein Bebauungsplan für das heutige Musikviertel vorgelegt, den der Stadtrat 1877 bestätigte. Der Plan sah vor, eines der nobelsten Wohngebiete der Stadt zu schaffen – mit einem doppelten Villenring, gefolgt von offener und in Richtung Osten geschlossener Blockrandbebauung.

Im Norden bestimmten öffentliche Repräsentationsbauten das Stadtbild: das Reichsgericht, die Universitätsbibliothek „Bibliotheca Albertina“, das Konzerthaus für das Gewandhausorchester und das Königliche Konservatorium für Musik. Die ersten Gebäude, die fertig wurden, waren das Konzerthaus und das Konservatorium. Deshalb prägte sich im Volksmund schnell der Name „Musikviertel“ ein.

Noch heute erstaunt Experten, wie schnell das neue Viertel entstand. Bis 1905 war das Areal größtenteils bebaut – ohne Kräne und Bagger. 1920 war das Projekt abgeschlossen. Die große Pracht von damals ging 1944 und 1945 bei Luftangriffen zu mehr als 50 Prozent verloren. Was getroffen wurde, aber noch stand, fiel oftmals der kargen Nachkriegszeit zum Opfer.

Nach dem Kriege wurde für andere Bewohner gebaut

In den 1960er-Jahren wurde ein Bebauungsplan für das Musikviertel vorgelegt, von dem noch heute unter anderem die drei Hochhäuser und die Elf-Geschosser Zeugnis ablegen. Bis 1969 entstand in der Schwägrichenstraße ein Gästehaus des Ministerrats der DDR, das insbesondere zu Messzeiten genutzt wurde.

Inzwischen wandelt sich das Viertel bereits ein drittes Mal: Viele Lücken wurden hochwertig bebaut und viele Gebäude stilgerecht restauriert. Auch das Gästehaus des Ministerrates der DDR soll in absehbarer Zeit saniert und erweitert werden (die LVZ berichtete). In das Geviert kehrt so wieder etwas von dem alten Glanz zurück – und viele Zugezogene entdecken die Häuser in der Nachbarschaft jetzt neu.

Teil 1 der Vortragsserie von Hella Gormsen findet am 20. August um 19 Uhr in der Aula der Alten Nikolaischule am Nikolaikirchhof statt. Teil 2 folgt am 24. September um 19 Uhr an gleicher Stelle. Beleuchtet werden die Geschichte des Areals, die Bebauungspläne des 19. Jahrhundert sowie die Bauten mit ihren Bauherren, Architekten und Bewohnern. Weitere Vorträge sollen folgen.

Von Andreas Tappert

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