Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Diebe prellen Abo-Flex-Kunden
Leipzig Lokales Diebe prellen Abo-Flex-Kunden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:01 27.02.2019
Die Abo-Flex-Card der Leipziger Verkehrsbetriebe: Für Gelegenheitsfahrer ein interessantes Produkt – für Diebe aber leider auch. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Die Abo-Flex-Karte der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) ist in die Kritik geraten. Denn das Angebot bietet Dieben offenbar einen relativ großen Spielraum für einen Missbrauch: Wird die Karte gestohlen, können Kriminelle mit ihr im großen Stil LVB-Tickets kaufen, denn es gibt weder eine Pin-Nummer noch andere Sicherungsmechanismen. Die LVB steuern inzwischen gegen.

Geld trotz Widerspruch eingezogen

Zu den ersten Opfern gehörte Lisa Junker. Die junge Frau wollte an einem Morgen mit einer Leipziger Straßenbahn fahren, konnte jedoch in der Eile ihre Abo-Flex-Karte nicht finden; jene Offerte für Gelegenheitsfahrer, bei der es auf bestimmte Fahrkarten für die Zone Leipzig (Zone 110) mindestens 50 Prozent Rabatt gibt und weitere Tickets des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes (MDV) bargeldlos erworben werden können (bei einer Grundgebühr in Höhe von monatlich 6,90 Euro). Nach längerer erfolgloser Suche nach der Arbeit und am Abend ließ sich Lisa Junker am Folgetag im Servicecenter der LVB am Wilhelm-Leuschner-Platz eine neue Karte ausstellen und die alte sperren. Als sie dann – wie bei Abo-Flex üblich – einen Monat später ihre monatliche Rechnung erhielt, gab es eine böse Überraschung: Unbekannte hatten mit der Karte im großen Stil LVB-Tickets gekauft, während Lisa Junker nachweislich ihrer Arbeit nachgegangen war. Insgesamt standen 872,40 Euro zu Buche – und wurden einige Tage später trotzt des Protestes der Geprellten und eines Widerrufes ihres Lastschriftmandates von deren Konto abgebucht. Die Leipzigerin ließ ihr Geld zwar sofort zurückbuchen, doch die LVB zogen die Summe gleich wieder ein. Dieses Spiel wiederholte sich einige Male – am Ende hatte das Verkehrsunternehmen den längeren Atem.

„Risiko wird auf den Verbraucher umgelegt“

Die junge Frau war hochgradig verärgert. „Es kann nicht sein, dass mit meiner Karte – ohne Pin oder sonstige Sicherung – Einkäufe in solch signifikanter Höhe und Häufigkeit getätigt werden können“, klagte sie. Außerdem fühle sie sich durch die von den LVB versprochene „maximale Kostenkontrolle durch monatliche Rechnung“ getäuscht. „Es ist nicht akzeptabel, dass dieses Missbrauchsrisiko, das den durch Authentifizierungsmechanismen nicht geschützten Zahlungsinstrumenten innewohnt, auf den Verbraucher umgelegt wird“, so Lisa Junker.

Das stadteigene Verkehrsunternehmen hat nun reagiert. So wurden „auf Grund einzelner Missbrauchsfälle“ die allgemeinen Geschäftsbedingungen angepasst, um einen möglichen Schaden für die Fahrgäste zu beschränken. Demnach wird das Kundenkonto deaktiviert, wenn Fahrkarten im Wert von 300 Euro im Monat gekauft wurden. „Trotzdem liegt es auch in der Verantwortung des Kunden, sorgsam mit den gekauften Karten umzugehen“, betonte LVB-Unternehmenssprecher Marc Backhaus. „Ähnlich wie bei Mobilfunkverträgen haftet der Kunde laut Bundesgerichtshof für einen eventuellen Schaden bis zur offiziellen Anzeige eines Verlustes.“ Kunden, die ihre Abo-Flex-Card verlieren, sollten deswegen den Verlust schnellstmöglich anzeigen, um einen weiteren Missbrauch durch eine Deaktivierung des Kundenkontos zu vermeiden, so Backhaus.

LVB zeigen sich kulant

Bei den Leipziger Verkehrsbetrieben hieß es außerdem, dass Abo-Flex-Kunden „jederzeit“ die Möglichkeit hätten, sich über ihre eigenen Einkäufe zu informieren. „Nicht nur über die Papier-Fahrkarten selbst, sondern auch über unsere Kundenhotline und die monatliche Abrechnung“, erläutert Backhaus. „Auch hier arbeiten die Verkehrsbetriebe an einer komfortablen Weiterentwicklung, damit Kunden ihre Einkäufe in Zukunft auch online nachvollziehen können.“

Lisa Junker hatte am Ende Glück im Unglück: Als sich die LVZ ihres Falles annahm und bei den Verkehrsbetrieben intervenierte, befassten sich die LVB intern noch einmal mit dem Vorgang. „Im Umgang mit den Hinweisen der Kundin sind aus unserer Sicht einige Dinge nicht gut gelaufen“, bedauerte Sprecher Backhaus jetzt. „Deshalb haben sich die LVB entschlossen, den Fall kulant zu lösen – auch wenn die eigentliche Forderung berechtigt ist.“ Die Verkehrsbetriebe überweisen den eingezogenen Betrag an die Geschädigte zurück und entschuldigen sich für deren Unannehmlichkeiten.

Von Andreas Tappert

Viele Fremdsprachen oder lieber ein Fokus auf Naturwissenschaften? Jedes Gymnasium hat sein eigenes Profil. Die LVZ gibt eine Orientierungshilfe für Unentschlossene - hier gibt es alle Leipziger Gymnasien und ihre Besonderheiten im Überblick.

26.02.2019

Weder Bus noch Bahn in Sicht? Das ist momentan in Leipzig keine Seltenheit. Die Personalsituation bei den Leipziger Verkehrsbetrieben ist angespannt. Aktuell kommt die anhaltende Krankheitswelle erschwerend hinzu.

26.02.2019

„Der zeitloseste Trend ist Qualität“, sagt Sterne-Koch Detlef Schlegel. Er muss es wissen, denn er wurde schon 17 Mal mit einem Michelin-Stern geehrt. Sieben weitere Restaurants in Sachsen wurden ausgezeichnet.

27.02.2019