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Lokales Diese Leipziger Diskotheken mussten seit den Neunzigern schließen
Leipzig Lokales Diese Leipziger Diskotheken mussten seit den Neunzigern schließen
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11:28 16.07.2019
Party im Bimbo Town in Leipzig. Der Club musste Anfang 2017 schließen. Quelle: André Kempner
Leipzig

Die Alte Damenhandschuhfabrik in Plagwitz, das 4Rooms in Reudnitz und die Bimbo Town in der Spinnerei – wie viele andere Clubs und Diskotheken haben diese Lokalitäten seit Mitte der 1990er Jahre in Leipzig zugemacht. Der Verein Global Space Odyssey (GSO), der sich am Samstag wie jedes Jahr mit einer Tanz-Demonstration für kulturelle Freiräume einsetzt, hat 25 von ihnen in einer Online-Karte verzeichnet.

„Die Karte ist sicher nicht vollständig und manche Clubs haben auch aus wirtschaftlichen Gründen zugemacht“, sagt GSO-Vorsitzender Frederik Sander. „Aber Fakt ist: Viele Einrichtungen sind wegen Gentrifizierung und fehlender Akzeptanz für Kulturstätten verschwunden.“

Darunter sind das So&So, das Anfang 2019 einer Großbaustelle im Leipziger Norden weichen musste und das E35 in der Wittenberger Straße, das im März 2016 seine Türen geschlossen hat. Das Pferdehaus musste aus dem Westwerk im Sommer 2017 ausziehen, heute befindet sich an derselben Stelle ein Konsum.

Diese Leipziger Clubs gibt es nicht mehr:

Fotoschätze aus dem Archiv der LVZ zeigen Lokalitäten, die in den vergangenen Jahren geschlossen haben.

Auch viele Clubs der Nachwende-Ära haben es nicht bis heute geschafft. Das Tuvalu, das sich in der Elsterstraße befand, gilt vielen noch immer als „legendär“. Die Sperrstunde wurde dort beflissen ignoriert, viele Künstler gaben spontane Einlagen bis spät in die Nacht. Doch Mitte der 1990er Jahre war Schluss für den Club.

Die GSO will verhindern, dass es anderen Einrichtungen in Zukunft genauso geht. „Schließlich kommen viele junge Leute wegen der vielfältigen Kultur hierher“, so Sander. Ähnlich sieht es auch Jürgen Kasek, Sprecher für Clubkultur der Grünen-Fraktion im Leipziger Stadtrat. „Wir müssen die Clubs in die Stadtplanung mit einbeziehen“, fordert er.

Gerade „junge Verrückte“, die bereit waren etwas auf die Beine zu stellen, hätten zu einer Bereicherung der Stadt Leipzig beigetragen. „Die Südvorstadt und ihre lebendige Karl-Liebknecht-Straße wurden dadurch deutlich aufgewertet“, erklärt Kasek.

Stadt will Clubs besser schützen

Die Grüne-Fraktion, die GSO und das IG Livekommbinat, eine Interessengemeinschaft der Leipziger Live-Musik-Spielstätten, versuchen dem Clubsterben entgegen zu wirken. „Im vergangenen Jahr konnten wir erreichen, dass die Sperrstunde in Leipzig offiziell abgeschafft wird“, erzählt Grünen-Stadtrat Kasek.

Anfang Juni habe der Stadtrat zudem beschlossen, ein „Clubkataster“ zu erstellen, in dem alle Feierstätten der Stadt verzeichnet werden sollen. Aus Sicht der Stadt Leipzig sei eine rege Clubkultur wünschenswert und gut für die Attraktivität der Stadt. „Allerdings sind Clubs und Diskotheken wirtschaftliche Unternehmen, für die es in erster Linie gilt, Rahmenbedingungen zu optimieren. Davon ist das künftige Clubkataster ein Baustein“, sagt Matthias Hasberg, Sprecher der Stadt Leipzig. Bei der Umsetzung von Bauprojekten soll auf die Clubs in Zukunft stärker Rücksicht genommen werden.

Für den dienstältesten Technoclub in Leipzig kommen diese Maßnahmen jedoch zu spät. Die Distillery auf der Kurt-Eisner-Straße wird seit 1992 von Steffen Kache betrieben. „Ich habe schon einige Clubs kommen und gehen sehen“, sagt der 45-Jährige. Auch die „Distille“, wie sie von vielen genannt wird, hat in ihren 27 Jahren einige Mal den Standort gewechselt und muss es wohl wieder tun.

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Ab September 2021 wird auf der ehemaligen Bahnanlage, die an den Club angrenzt, gebaut. Spätestens dann muss der Club weg sein. „Wenn alles klappt, werden wir umziehen“, sagt Kache. Am liebsten will der Clubbetreiber dem Leipziger Süden treu bleiben. Auch er ist Mitglied im Leipziger Livekommbinat. „Wir wollen auf Bundesebene erreichen, dass Clubs als kulturelle Einrichtungen anerkannt werden“, so der Clubbetreiber.

Clubs unterliegen auch dem Zeitgeist

Die Lobbyarbeit durch das Livekommbinat und andere Gruppen habe mehr Sensibilität für das Thema geschaffen, meint auch Torsten Reitler, Sprecher der Moritzbastei. Für ihn ist klar, dass junge Leute nicht wegen des Gewandhauses nach Leipzig kämen. Deswegen sei es wichtig, die Subkultur zu erhalten. „Es ist nicht mehr so leicht wie vor 15 Jahren einen Club zu eröffnen, aber es geht immer noch“, glaubt er. Dass manche Clubs aus der Stadt auch wieder verschwänden, sei aber auch dem Zeitgeist und wechselnden Trends geschuldet.

Am Samstag veranstaltet der Leipziger Verein wieder die Global Space Odyssey, eine Tanzdemo für kulturelle Freiräume. Der Umzug startet um 12 Uhr am Connewitzer Kreuz und bewegt sich Richtung Innenstadt. Auf dem Augustusplatz wird es eine Zwischenkundgebung geben. Der Demozug soll gegen 18 Uhr am Richard-Wagner-Hain enden, wo die Teilnehmer sich dann noch bis 22 Uhr stilecht auf zwei Tanzflächen vergnügen können. Verschiedene Aftershow-Partys finden später im Naumanns und im Elipamanoke im Leipziger Westen statt.

Von Pia Siemer

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