Diese Leipziger sollen das 365-Euro-Jahresticket zuerst bekommen
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Diese Leipziger sollen das 365-Euro-Jahresticket zuerst bekommen

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07:01 13.04.2021
Leipzig will den öffentlichen Personennahverkehr für einige Benutzergruppen preiswerter und damit attraktiver machen.
Leipzig will den öffentlichen Personennahverkehr für einige Benutzergruppen preiswerter und damit attraktiver machen. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Für einen Euro am Tag Bus- und Bahnfahren: Noch in diesem Jahr könnte das 365-Euro-Jahresticket für die ersten Fahrgäste der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) Wirklichkeit werden. „„Ich bin guter Dinge, dass wir dafür eine Mehrheit im Stadtrat bekommen“, sagte am Montag der Vorsitzende der SPD-Stadtratsfraktion, Christopher Zenker, gegenüber der LVZ. Am Mittwoch wird der Verwaltungsausschuss über einen gemeinsamen Antrag von SPD und Linke beraten, der erste Schritte zu dem seit langer Zeit diskutierten 365-Euro-Ticket für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) vorsieht. Eine Woche später steht das Vorhaben dann in der Ratsversammlung zur Abstimmung.

Danach soll das Jahresticket stufenweise für ausgewählte Personengruppen eingeführt werden. „Es ist ein guter Einstieg, um zu testen, ob das funktioniert und der Preis ein Anreiz ist“, so Zenker.

„Das ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung“, kommentierte auch die stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion, Franziska Riekewald, den gemeinsamen Vorstoß.

Start im August für Leipziger mit kleinem Einkommen

Nach den Plänen würde zum 1. August dieses Jahres zunächst für Leipziger mit geringem Einkommen der Preis für die Leipzig-Pass-Mobil-Card auf 365 Euro reduziert. Das Sozialticket, das die Kommune kofinanziert, kostet derzeit 393,60 im Jahresabo (monatlich: 32,80 Euro) – bei jährlicher Zahlweise kommt es die Fahrgäste mit 373,92 Euro allerdings noch etwas billiger. Die Preisersparnis für Mobil-Card-Inhaber liegt damit also zwischen 8,92 Euro und 28,60 Euro im Jahr. Vorgesehen ist, dass die Stadt die daraus resultierenden Mindereinnahmen bei den LVB ausgleicht. Bei 8500 bis 9000 potenziellen Kunden schätzt man im Rathaus die Kosten mit 100.000 Euro als vergleichsweise gering ein.

Anders sieht es bei der Zielgruppe der jungen Menschen bis 27 Jahre aus, die ab 1. Januar 2022 als nächste das 365-Euro-Ticket angeboten bekommen sollen. „Vom Azubi- oder Semesterticket zum Normalpreis ist es ein extremer Sprung“, hob Riekewald hervor. Nach Schule, Ausbildung oder Studium zahlen sie aktuell für den preiswertesten Fahrschein („Abo light“) monatlich 53,90 Euro beziehungsweise 646,80 Euro im Jahresabo. Sie könnten demnach 281,80 Euro im Jahr sparen.

Ebenso vorgesehen ist die Einführung eines Partnertickets für 365 Euro für Haushalte, die bereits über zwei ÖPNV-Tickets verfügen.

Linke auch für Einführung auch ohne Bundeshilfen

„Das Ganze steht und fällt allerdings mit dem Bundesverkehrsministerium“, hob SPD-Fraktionschef Zenker hervor. Das Ministerium von Minister Andreas Scheuer (CSU) plant, Mittel für Pilotprojekte zur Stärkung des ÖPNV zur Verfügung zu stellen. „Wir hoffen, dass Scheuer zu seinem Wort steht“, so Zenker. Eine Voraussetzung ist das für die Linksfraktion hingegen nicht. „Das ist eine Größenordnung, die die Stadt durchaus auch ohne Hilfe des Bundes stemmen könnte“, Riekewald. Ziel ihrer Partei sei weiterhin ein 365-Euro-Ticket für alle. Angesichts der gravierenden Pandemiefolgen können die Einführung aber nur schrittweise erfolgen.

Auch die Grünen stehen hinter den Vorschlägen von SPD und Linke. Sie wollen allerdings auch das Jobticket für die Mitarbeiter der Stadtverwaltung (kostet aktuell 393,48 Euro im Jahr) auf 365 Euro verbilligen. Die Freibeuter-Fraktion, deren Mitglieder der FDP und Piratenpartei angehören, haben unterdessen noch vorgeschlagen. das neue Ticket auch Seniorinnen und Senioren anzubieten, die ihren Führerschein abgegeben haben.

Bei den LVB verfolgt man die politische Debatte mit Interesse. Die Verkehrsbetriebe waren aufgerufen, Ideen für Modellprojekte zur Stärkung des ÖPNV beim Bundesverkehrsministerium einzureichen. „Wir warten nun auf Signale aus dem Ministerium, was davon umgesetzt und gefördert werden kann“, sagte LVB-Sprecher Marc Backhaus. Auf dieser Basis und auf der Grundlage des jetzt vorliegenden Beschlussvorschlages im Stadtrat könnte dann ein konkreter Fördermittelantrag im zweiten Quartal beim Ministerium eingereicht werden, über den dann möglicherweise schon im dritten Quartal entschieden wird.

LVB steuern erneut auf zweistelligen Millionenverlust zu

Mehr noch als das Einführung des 365-Euro-Tickets bereiten den Verkehrsbetrieben jedoch die infolge der Corona-Pandemie eingebrochenen Fahrgastzahlen Sorgen. „Wir steuern auf einen ähnlichen Einnahmeverlust wie im vergangenen Jahr zu“, sagte Backhaus. In vergangenen Jahr hatten die Verkehrsbetriebe einen coronabedingten Verlust von 20 Millionen Euro eingefahren, der vollständig von Bund und Land ausgeglichen wurde. In welcher Höhe das Einnahmedefizit in diesem Jahr kompensiert wird, ist noch ungeklärt.

Von Klaus Staeubert