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Lokales Dolmetscher im Gefängnis: Videochat binnen 120 Sekunden
Leipzig Lokales Dolmetscher im Gefängnis: Videochat binnen 120 Sekunden
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09:11 08.03.2019
Zu jeder Zeit können Beamte der JVA Leipzig von diesem Rechner aus Dolmetscher anwählen. In dem Hefter sind die verfügbaren Sprachen aufgelistet. Quelle: Foto: Dirk Knofe
Leipzig

Ob 15.05 Uhr am Nachmittag oder 3.05 Uhr in der Nacht – der neue Service ist rund um die Uhr verfügbar: Video-Dolmetscher können in der Leipziger Justizvollzugsanstalt (JVA) immer dann zugeschaltet werden, wenn es bei der Verständigung mit Gefangenen zu Sprachproblemen kommt. Ein Klick auf den Computerbildschirm und schon geht es los. Circa 35 Prozent der etwa 400 Insassen allein schon im Hafthaus – hinzu kommen noch Haftklinik und Freigängerhaus – sind Ausländer.

„Das ist eine echte Unterstützung“, sagt JVA-Chef Rolf Jacob. Seit gut zwei Monaten steht die Technik zur Verfügung. Selbst bei Neuzugängen nachts könne sofort eine „vernünftige Kommunikation“ hergestellt werden. Dabei gehe es etwa beim Zugangsgespräch auch um die Klärung eines Suizidrisikos. Zudem müsse man bei gesundheitlichen Beschwerden sehr genau wissen, was den Gefangenen fehlt.

„Kein großer logistischer Aufwand“

Der mit Kamera und Mikrofon ausgerüstete Computerarbeitsplatz wird laut Nicole Borchert, Psychologin und JVA-Sprecherin, „mehrmals täglich“ genutzt. Alle Bediensteten, ausdrücklich auch die Beamten des allgemeinen Vollzugsdienstes, „können ohne großen logistischen Aufwand darauf zugreifen“, sagt sie. Binnen 120 Sekunden stünde tagsüber ein Dolmetscher in 14 sogenannten Ad-hoc-Sprachen bereit – das sind die am häufigsten benötigten wie Arabisch, Farsi, Kurdisch, Russisch, Slowakisch und Tschechisch. Nachts, an Wochenenden und Feiertagen von 0 bis 24 Uhr würde binnen einer maximalen Wartezeit von 15 Minuten ein entsprechender Dolmetscher organisiert. Zudem können Termine für einen Videochat vereinbart werden.

„Dass nunmehr quasi ohne zeitliche Verzögerung eine Kommunikation möglich ist“, helfe viele Probleme schneller zu lösen, weiß Nicole Borchert aus Erfahrung. Wartezeiten, die – je nach Seltenheitswert der Fremdsprache – zuletzt bis zu mehrere Tage in Anspruch genommen hätten, fielen nun weg. Insgesamt sind 55 verschiedene Fremdsprachen verfügbar.

Erfolgreiche Pilotierung in Dresden

Seit Ende 2018 sind alle zehn sächsischen Haftanstalten mit je zwei Video-Konferenzanlagen ausgerüstet. Zuvor erprobte die JVA Dresden das System. Nach der erfolgreichen Pilotierung wurde die Dienstleistung laut sächsischem Justizministerium im Sommer 2018 europaweit ausgeschrieben und der Zuschlag Ende Oktober der Firma „SAVD Videodolmetschen GmbH“ mit Sitz in Wien erteilt. Das Unternehmen kann auf 750 Sprachmittler zurückgreifen. Auch andere JVA in Deutschland – die Internetlösung wird aktuell sukzessive in mehreren Bundesländern eingeführt – greifen auf diese Firma zurück. Während es sich in Leipzig um fest installierte Computerarbeitsplätze handelt, sind andernorts auch transportable Geräte im Einsatz. „Das scheiterte bei uns aber an den technischen Voraussetzungen“, erklärt Jacob.

In Leipzig sind zudem zwei Dolmetscher vor Ort, deren Vertrag bis Ende 2019 verlängert wurde. Yvonne Helal und Hossameldin Moustafa sind laut Nicole Borchert aber regelmäßig an zwei Tagen in der Woche in drei weiteren JVA unterwegs. Auch die Haftklinik wird vorrangig von den beiden Angestellten (Arabisch, Deutsch und Französisch) versorgt, so bei den täglich stattfindenden Visiten. Hier könne der Chat nicht eingesetzt werden, weil es sich um fest installierte Anlagen handele. „Auch bei längerfristigen therapeutischen Behandlungsverläufen ist es wichtig, dass der Sprachmittler als Person anwesend ist, da via Bildschirm eine spürbare Distanz besteht, die für therapeutische Verläufe hinderlich oder sogar kontraindiziert ist“, so die JVA-Sprecherin.

Von Sabine Kreuz

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