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Lokales „Dreiste Abzocke“: Heftige Vorwürfe gegen Leipziger Agentur nach Halloween-Party
Leipzig Lokales „Dreiste Abzocke“: Heftige Vorwürfe gegen Leipziger Agentur nach Halloween-Party
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21:23 07.11.2019
Eine Halloween-Party im Felsenkeller führte nicht nur zu einem Polizeieinsatz, sondern schlägt auch im Internet hohe Wellen. Der Veranstalter steht massiv in der Kritik. Quelle: Einsatzfahrten Leipzig
Leipzig

Stundenlanges Warten am Einlass, Panik im Eingangsbereich, Gedränge im Saal, unfreundliches Personal. Eine Halloween-Party im Felsenkeller führte vergangene Woche nicht nur zu einem Polizeieinsatz, sondern schlägt im Nachgang auch im Internet hohe Wellen. Der Leipziger Party-Veranstalter „Via Events“ steht massiv in der Kritik.

„Wie geldgierig kann man sein?“ – „ein totaler Reinfall“ – „nur dreiste Abzocke“ – „die Dollarzeichen vor den Augen haben anscheinend zu stark geblendet“. In den sozialen Medien reihen sich etliche solcher Beschwerden aneinander. Größtenteils unter Klarnamen schildern Augenzeugen auf Facebook und in Google-Rezensionen ihre Erlebnisse im Leipziger Westen in der Nacht vom 30. auf 31. Oktober.

Die Schlange für Gäste, die sich im Vorverkauf Tickets besorgt hatten, sei länger als an der Abendkasse gewesen, berichten mehrere. Eine Besucherin mit Eintrittskarte, die sich mit zwei Freundinnen „wochenlang drauf“ gefreut habe, schreibt: „Wir warteten also fast zwei Stunden bei null Grad in der Kälte. Das Gedränge nahm logischerweise zu, alle wurden immer angespannter und drängelten, denn für Sicherheit wurde absolut nicht gesorgt.“ Endlich drinnen, „bei gefühlten 40 Grad“, sei die Garderobe bereits geschlossen gewesen. „Wir wurden darauf hingewiesen, doch in Jacken zu feiern.“ Um nicht krank zu werden, verließen die drei jungen Frauen die Party lieber gleich wieder.

„Wir wurden nur angeschrien“

Andere gaben früher auf. „Wir sind nach zwei Stunden (!!!!!!!) Wartezeit in der Vorverkaufsschlange gegangen“, schreibt eine Besucherin bei Google. Ein anderer Gast berichtet: „Nach über einer Stunde haben wir uns entschieden zu gehen. Trotz der Tickets, weil es noch mindestens eine Stunde gedauert hätte. Aber die Leute an der Abendkasse erstmal schön reinlassen und doppelt kassieren!“

Mehrere Kommentatoren schreiben, der Sicherheitsdienst sei der Situation nicht gewachsen gewesen und habe aggressiv reagiert. „Keiner vom Security-Personal konnte uns eine halbwegs brauchbare Antwort in einem normalen Tonfall geben“, ist zu lesen. Und: „Wir wurden nur angeschrien und haben einen kleinen Hieb Treppe abwärts bekommen.“ Eine Besucherin vermutet ein Geschäftsmodell: „Darauf zu hoffen, dass die Leute vorher bezahlen und dann aufgrund unnormaler Wartezeiten und Kälte wieder gehen – einfach nur traurig und dreist!“ Im Internet lassen sich auch über frühere „Via Events“-Partys ähnlich negative Einträge finden. Vor zwei Jahren stand ein Auftritt der Dschungelkönigin Melanie Müller bei einer Feier im Einkaufszentrum „Nova Eventis" wegen des Gedränges kurz vor dem Abbruch.

Ermittlungen wegen Körperverletzung

Ein Szenekenner, der in der Vergangenheit schon mit „Via Eventis“ gearbeitet hat, sagt, dass einige schwarze Schafe der Branche tatsächlich damit kalkulierten, im Vorverkauf und an der Abendkasse mehr Eintritt einzunehmen, als Platz zur Verfügung steht. „Ein Stempel auf die Hand gegen Bargeld – das kann hinterher niemand nachvollziehen“, sagt er. „So wird über die Grenze hinaus verkauft. Auch aus der Erfahrung, dass viele Gäste wieder abhauen, weil es ihnen im Saal zu voll ist.“

Im konkreten Fall stellt Felsenkeller-Geschäftsführer Jörg Folta dagegen fest, dass „der Sicherheitsdienst die Anzahl der Abendkassentickets erfasst und mit der Erreichen der Kapazität die Abendkasse geschlossen“ habe. Die Party sei mit 1700 Gästen ausverkauft gewesen. Die Polizei erhielt gegen 1.15 Uhr Anrufe aus dem Eingangsbereich, der „stark überfüllt“ gewesen sei, wie ein Sprecher bestätigt. „Anscheinend waren zahlreiche Personen zur gleichen Zeit erschienen. Gleichzeitig wollte eine größere Menge das Lokal verlassen.“ Im Inneren schätzten die Beamten die Auslastung jedoch lediglich auf 80 Prozent. Kollegen von der Feuerwehr hätten diese Einschätzung geteilt, so der Sprecher. Mit der Zeit habe sich die Situation am Einlass normalisiert. Allerdings ermittelt die Polizei noch wegen einer Prügelei, die dort zur Anzeige gebracht worden sei.

Agentur ohne Telefonnummer und Klingelschild

Die Agentur „Via Events“ scheint abgetaucht. Statt einem Impressum folgt auf der Internetseite eine Fehlermeldung, sämtliche Links zu den Social-Media-Kanälen sind momentan Sackgassen. Eine E-Mail der LVZ bleibt tagelang unbeantwortet, eine Telefonnummer ist nirgends zu finden. Immerhin taucht auf der Website eine noble Leipziger Adresse als Firmensitz auf: Markt 11-15. Dort sollen auch die assoziierten Firmen „Leipzig Tickets“ und „Party Animalz“ residieren. Doch vor Ort lässt sich keine Anlaufstelle und nicht einmal ein Klingelschild erspähen.

Die Felsenkeller-Betreiber distanzieren sich auf ihrer Facebook-Seite und verweisen auf „Via Events“: „Das war nicht der Felsenkeller!“, heißt es, gleichzeitig aber auch: „Wir verstehen euren Ärger und wollen dieses Event bestmöglich auswerten.“ Auf Anfrage sagt Felsenkeller-Chef Folta, dass er den Abend mittlerweile mit „Via Events“ besprochen „und alle Abläufe auf die nötigen Sicherheitsaspekte abgeklopft“ habe. Folta schließt nicht aus, dass der Felsenkeller weiterhin Partys der Agentur beherbergen wird.

Die nächste „Via Events“-Feier steigt indes diesen Sonnabend anderswo. Im Einkaufszentrum „Pösna Park“ wird unter der Überschrift „Neuseenland feiert!“ unter anderem Oliver Pocher als DJ erwartet.

Von Mathias Wöbking

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