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Lokales Duftkreisel und Wackelbecher: Designerin mit originellen Ideen
Leipzig Lokales Duftkreisel und Wackelbecher: Designerin mit originellen Ideen
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11:03 06.03.2019
Sie schöpft auch edles Alltagsgeschirr wie diese originelle Kanne: Produktdesignerin Ulrike Sandner experimentiert in ihrer Werkstatt in Leipzig-Lindenau nach Herzenslust.
Sie schöpft auch edles Alltagsgeschirr wie diese originelle Kanne: Produktdesignerin Ulrike Sandner experimentiert in ihrer Werkstatt in Leipzig-Lindenau nach Herzenslust. Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig

Die Neuleipzigerin Ulrike Sandner versteht es, zwei Professionen miteinander zu verbinden. Und sie hat Mut zum Risiko. Denn die ausgebildete Ergotherapeutin gab ihren festen Job auf, um an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein Halle Produktdesign zu studieren. Das Studium mit dem Abschluss Master of Arts konnte sie 2011 erfolgreich beenden. Seit 2013 betreibt sie in Leipzig-Lindenau ihr eigenes Porzellanstudio. „Ein Segen, dass ich das hier gefunden habe.“ Im Atelier mit Gipswerkstatt, Gießwerkstatt und Lager in der Demmeringstraße kann sie nach Herzenslust experimentieren.

Der Betrachter merkt schnell, dass hier jemand am Werk ist, der alles genau durchdacht hat, die Produkte sind einfach und klar strukturiert, alles ist minimalistisch und funktional gehalten. Gäbe es das Bauhaus heute noch, Ulrike Sandner würde dazugehören.

Bei ihr finden sich ausgeklügelte Entwürfe für Alltagsgegenstände, wie sie sonst nirgends zu finden sind, als da wären ein Mörser mit Stößel, der die ganze Fläche schleift, ein multifunktionaler Zitronenstößel oder die Dose „oben wie unten“. Das sind zwei gleiche weiße Dosen, die aufeinandergelegt werden können, nur getrennt durch einen farbigen Ring, „sieht aus wie ein dicker Hamburger“, lacht die Schöpferin. Edles Alltagsgeschirr sind ihre Teekannen, eine namens „Bubble“ sieht wegen der Rundungen aus wie ein geschorener Pudel.

Selbst viel herumgekreiselt

Als Generalthema ihrer künstlerischen Arbeit bezeichnet Ulrike Sandner die beiden Aspekte „mit Sinn“ und „für die Sinne“. Mit Sinn stehe für „gut durchdacht“. Gemeint ist „ein sehr gut entwickeltes Design, das in seiner Funktion, seiner Funktionalität und der Materialauswahl den Anforderungen des Nutzers voll entspricht“.

Der Duftkreisel dagegen spricht die Sinne an. In die Kreisel werden getrocknete Pflanzenteile wie Lavendel oder Rosenblätter gelegt, zusammen mit kleinen unglasierten Porzellankugeln. Die reiben sich beim Kreiseln an den Kräutern und setzen durch die Löcher im Kreisel portioniert die Duftstoffe frei. Mit den kreiselnden Salz- und Pfefferstreuern lässt es sich gar am Frühstückstisch spielen.

Herumgekreiselt ist die Künstlerin, die in Karl-Marx-Stadt geboren wurde, auch selbst viel innerhalb Mitteldeutschlands. Als Selbstständige müsse sie nun zwar auf einiges verzichten und sich einschränken, dafür „bin ich mein eigener Herr, kann arbeiten, wann ich will“. Und sie kann beide Berufe verbinden, hat nun die Möglichkeit, therapeutische Hilfsmittel und Alltagsgegenstände, die sich im Klinikalltag als schlecht durchdacht herausgestellt hatten, so zu verändern, dass die Patienten damit besser zurechtkommen.

Hobby zum Beruf gemacht

So entwarf sie den Ergo Grande Becher und andere Trinkbecher mit großen Griffen, einer Kuller mit Stab etwa. Es gehe ums gute Greifen und Festhalten. Es komme ihr darauf an, dass die Produkte benutzerfreundlich sind und den Alltag erleichtern. „Generationenübergreifendes und ökonomisches Denken spielen für mich eine ebenso große Rolle wie die Freude am Werkstoff Porzellan“, fasst sie ihr Anliegen zusammen.

Nach „sieben superschönen Jahren“ im Vogtland Klinikum Plauen habe sie mit 30 noch mal neu angefangen und ihr einstiges Hobby zum Beruf gemacht, denn schon als Siebenjährige hat sie gern mit Ton gearbeitet. Damals war es die Keramik, nun sei das Porzellan ins Zentrum gerückt. „Das ist was völlig Anderes“, unterstreicht die Designerin. „Porzellan ist etwas Hochwertiges, es ist ein edles, aber zickiges Material. Das nimmt dir viel mehr krumm.“ Aber sie sei motiviert, wie sie sagt, und sie mache das gern. Um ihre Brötchen zu verdienen, ist sie laufend auf Messen und Märkten unterwegs. Dort sind ihre Wackelbecher besonders gefragt, auch die in blau-weiß, die an die Bürgel-Sammlung der Großeltern erinnern.

Auf diesen Märkten ist Ulrike Sandner demnächst vertreten: am 14. April Gohliser Kunstmarkt im Buddehaus, am 25./26. Mai Töpfermarkt Markkleeberg, am 15./16. Juni Keramikmarkt im Grassi Museum, am Stand der Galerie terra rossa.

Von Marianne H.-Stars