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Leipzig Lokales Ein Rapper bringt Schülern den Rabbiner Carlebach näher
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18:37 16.06.2019
Marco Helbig hat ein Buch über den Rabbiner Ephraim Carlebach geschrieben und eine Ausstellung im Ariowitsch-Haus gestaltet. Zum Auftakt der Schau rappt der Künstler. Quelle: Christian Modla
Leipzig

Er nähert sich Schülern über Rap und Poesie: Marco Helbig (40) ist kreativ, um ihnen die Vita eines von ihm sehr verehrten Rabbiners nahezubringen. „Ephraim Carlebach – mehr als eine Biographie“ heißt seine Ausstellung, die am Sonntag im Ariowitsch-Haus in der Hinrichsenstraße 14 eröffnet wurde. Dabei rappte Helbig zur Eröffnung, und Landesrabbiner Zsolt Balla griff zum Bass.

Küf Kaufmann spricht zur Ausstellungseröffnung. Quelle: Christian Modla

Seit 20 Jahren Rap-Workshops

„Wenn ich jemandem Geschichte nahebringen will, muss ich das zunächst bei Jugendlichen tun. Deshalb mache ich seit mehr als 20 Jahren Rap-Workshops“, erzählt er. Und so entstand der Gedanke, jungen Leuten Ephraim Carlebach (1879 – 1936) vorzustellen, dessen Leben ihn fasziniert. Er hat das Werk von Leipzigs berühmtestem Rabbiner erforscht, eine Doktorarbeit dazu geschrieben.

Zu diesem Zweck reiste er auch nach Israel, um an der Bar-Ilan Universität in Ramat Gan das Carlebach-Archiv auszuwerten. Dort hat er viele in deutsch geschriebene Briefe des Rabbiners an dessen ältesten Sohn gefunden, der diesem alles erzählte, was ihn so bewegte. Dabei lernte er einen anderen Menschen kennen, als es die Quellenlage in Deutschland vermuten lässt. Zwar gab es einige Arbeiten zu Carlebach als Rabbiner und Direktor der Carlebach-Schulen, zu seinem privaten Umfeld aber kaum etwas.

Der Grenzgänger ist weiterhin aktuell

„Ich möchte den jungen Leuten anhand von Carlebach klar machen, dass es viele Parallelen zu ihrem eigenen Leben gibt.“ Dabei holt er dessen Grenzgänge zwischen orthodoxem Judentum und nichtjüdischer Gesellschaft ins Heute zurück. Carlebachs Vita und Lebensumstände sind nach wie vor aktuell – auch wegen zunehmender antisemitscher Ressentiments. Ursprünglich wollte Rapper Helbig drei Lieder schreiben, inzwischen sind es 25 geworden, die auf den Workshops mit bislang 200 Kindern und Jugendlichen entstanden sind. Diese können Interessierte sich auch im Internet unter www.carlebach.info anhören.

Was macht Carlebach heute so spannend für Jugendliche? „Der Umgang mit seinen Mitmenschen. Er war kein strenger, dogmatischer Lehrer, der mit Druck versuchte, Kindern etwas beizubringen“, erklärt Helbig, der mal Karosserie- und Fahrzeugbauer lernte. Über den zweiten Bildungsweg hat er dann in Ilmenau das Abitur abgelegt und es in kurzer Zeit geschafft, sein Studium der Religionswissenschaften und der Ethnologie erfolgreich zu beenden. „Carlebach war es wichtig, dass Religion etwas Privates bleibt – obwohl er Rabbiner war.“ Er wollte sogar Lehrer aus Palästina holen, was aber an den Lehrproben scheiterte. Nichts einzuwenden hatte er gegen eine Bitte der christlichen Gemeinde, ihre Kinder samstags auf der Carlebach-Schule unterzubringen. Aber der Vorstand des Schulvereins war dagegen, 1936 hat Carlebach dann auch Leipzig verlassen. Helbig ist selbst kein Jude. „Nur im Herzen“, wie er sagt.

Buch über die Lebensgeschichte Carlebachs

Die Lebensgeschichte Carlebachs ist eng mit Leipzig verbunden. Wer mehr wissen will: Marco Helbig hat gerade ein Buch über ihn im Verlag Hentrich&Hentrich (112 Seiten; 14,90 Euro) veröffentlicht.

Die Tafeln der Ausstellung, die vom Ariowitsch-Haus und der Ostdeutschen Sparkassenstiftung gefördert wird, sind im Street-Art-Stil nach dem Carlebach-Rap gestaltet. Die Schau ist bis zum 19. Dezember geöffnet – montags bis donnerstags von 9 bis 17 Uhr sowie sonntags bei Veranstaltungen im Ariowitsch-Haus.

Von Mathias Orbeck

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