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Lokales Ein ironischer Blick auf Träume und Alpträume der Deutschen
Leipzig Lokales Ein ironischer Blick auf Träume und Alpträume der Deutschen
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11:08 07.06.2019
Die „Gartenzwerge Produktionslinie" von Reinhard Griebel in der Ausstellung „German Dream: Ütopien aus den Reihenhäusern“ im Leipziger Grassi-Museum für Völkerkunde. Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

Sauerkraut, ein Pfandsystem für Plasteflaschen, Nussknacker, Socken und Sandalen – wofür stehen die Deutschen eigentlich? Das Grassi-Museum für Völkerkunde hat in ihren Sammlungsbeständen nach Alltagsgegenständen und einer „Ethnografie der Deutschen“ gesucht und Kunstschaffende eingeladen, ihre Vorstellungen, Wünsche, Rituale und Zukunftsträume zu zeigen. Entstanden ist die Sonderschau „German Dream: Ütopien aus den Reihenhäusern“, die wohl viele etwas hilflos zurücklässt. Sie beginnt in einem Parcours in der Zukunft und endet in der Vergangenheit – in der Höhle. „Uns war vor allem wichtig, einen möglichst ironischen Blick auf die Deutschen zu wagen“, sagt Léontine Meijer-van Mensch, die Direktorin, die aus den Niederlanden stammt. Autoethnographie nennt sie den Versuch, der neue Wege beschreitet. „Ich habe viel gelernt über die Deutschen, aber auch über mich als Holländerin.“ Sie hofft, dass die Besucher nicht eine Antwort auf die Frage, wer die Deutschen sind, haben wollen, sondern sich selbst reflektieren.

Von Utopien und Ütopien

In Amerika, wo der Traum bekanntlich vom Tellerwäscher zum Millionär führt, scheint das einfacher. Dort gibt es die großen Utopien, die die ganze Gesellschaft erfassen. „Die Deutschen müssen sich schon die Frage gefallen Kassen, wo ihre Träume sind.“ Ütopien, das kleine Glück, werden deshalb hinterfragt, und wie die Deutschen teilhaben am Bau der Zukunft. Und warum sie sich immer wieder ins Private zurückziehen.

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Dabei gibt es viel Wandel und Veränderungen. Der Kleingarten wird zum Urban-Gardening-Projekt, ein Gartenzwerg steht in der Glasvitrine und schaut seine Besucher an. Die beliebte Eck-Kneipe verschwindet. Das Museum greift dieses Thema anhand des beliebten Lokals „Weißes Ross“ in der Auguste-Schmidt-Straße auf, das kürzlich wegen Mieterhöhung schließen musste. „Musealisierung der Gegenwart“ nennt es Léontine Meijer-van Mensch begeistert. Philipp Meuser steuert eine Fotodokumentation zur Mitte Deutschlands bei.

Das deutsche Kuriositätenkabinett

Die Höhle, so eine Art Kuriositätenkabinett zwischen Alptraum, Terror und schwarzer Romantik, darf übrigens erst ab 16 Jahren betreten werden. Dort ist auch Rammstein mit dem umstrittenen Musikvideo „Deutschland“ vertreten, das erst ab 16 freigegeben ist. Im dunkelsten Zimmer der Schau hängen Fliegenfänger von der Decke, Geweihe an der Wand, der Struwwelpeter, das Eiserne Kreuz und Kriegsspielzeug fehlen nicht.

Blick in die neue Ausstellung „German Dream: Ütopien aus den Reihenhäusern“ im Grassi-Museum. Im Bild: Kostümfiguren von der „Spergauer Lichtmeß“. Quelle: Dirk Knofe

Was sagt das alles über die Deutschen? „Ob es Antworten gibt, müssen Sie selbst entscheiden“, gibt Kustos Kevin Breß den Besuchern mit auf den Weg. Und der Gartenzwerg schaut immer noch in die Runde. Wie sonst die Sammelobjekte, die die Sammler einst aus fernen Ländern mitbrachten.

Von Mathias Orbeck

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