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Lokales Eine Schau im Wandel: Der Wartburg als Exportschlager
Leipzig Lokales Eine Schau im Wandel: Der Wartburg als Exportschlager
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12:04 23.10.2018
Der Wartburg 311 deluxe spielt in der neuen Dauerausstellung des Zeitgeschichtlichen Forums eine Hauptrolle. Quelle: : André Kempner
Leipzig.

Mehr Geschichte, starke Objekte, eine optimierte Vermittlung – das Zeitgeschichtliche Forum in der Grimmaischen Straße 6 gestaltet seine Dauerschau neu. Die ersten Hingucker haben ihren Platz in der Ausstellung gefunden, die am 5. November eröffnet wird. In der Serie „Forum im Aufbruch“ stellt die LVZ einige vor. Heute: ein Wartburg 311 deluxe.

Autos aus dem Osten wurden ja oft belächelt. Doch in der DDR gab es nicht nur den mausgrauen Trabanten. Mit dem Wartburg 311, der im VEB Automobilwerk Eisenach produziert wurde und in seiner Deluxe-Variante im Zeitgeschichtlichen Forum zu sehen ist, konnten die DDR-Autobauer eine zeitlang international mithalten. Jener Wartburg-Typ wurde 1956 auf der Leipziger Frühjahrsmesse präsentiert und avancierte rasch zum Exportschlager. In der Schau steht er als ein Beispiel für all die Hoffnungen, die es Ende der 1950er- und 1960er-Jahre gab, wirtschaftlich erfolgreich zu sein, sich unabhängig vom Westen zu machen und so richtig mit dem Aufbau des Sozialismus „durchstarten“ zu können. So sollten Devisen erwirtschaftet werden.

Ein Design auf der Höhe der Zeit

„Der Wartburg war damals auch im Design auf der Höhe der Zeit, es gab ihn in verschiedenen Modell-Varianten“, erklärt Daniel Kosthorst, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Forums. Limousine, Cabriolet, Coupé, Sportwagen, Kombi oder Wartburg mit Faltdach und sogar ein Kübelwagen für die Polizei wurden beispielsweise hergestellt. Der Zweitakter erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 115 Kilometer pro Stunde und kostete damals rund 14700 DDR-Mark.

Die Exporterfolge konnten sich sehen lassen. Der Wartburg 311 erhielt viel internationale Anerkennung wie wohl später kein anderes in der DDR produziertes Auto. So hat beispielsweise Finnland in den Jahren 1956 bis 1964 insgesamt 13656 Wartburg 311 geordert, Belgien 5419 sowie Norwegen 4684. Sogar in die USA wurden 1215 Fahrzeuge geliefert. Im sozialistischen Ausland war die Tschechoslowakei Spitzenreiter mit 29795 Exemplaren, gefolgt von Polen (13781) und Ungarn (11232). Die Sowjetunion nahm allerdings nur vier Autos ab. Vom Wartburg 311 wurden insgesamt 247368 Fahrzeuge hergestellt.

Wartburg war schwer zu bekommen

„Er war natürlich schwer zu bekommen“, so Kosthorst. Davon zeugt sogar eine Karikatur aus dem „Eulenspiegel“. Auf 100 Haushalte in der DDR kamen im Jahr 1962 etwa 5,6 Autos. Es gab auch Prognosen, wie viele Kühlschränke, Waschmaschinen oder Fernseher es 1975 pro Haushalt geben sollte – bei Autos hat man dies allerdings nicht mehr gewagt. Werbung lief im Fernsehen bei den „Tausend Tele Tipps“ trotzdem. „Wartburg – der Wagen für Sie“, hieß es dort.

Automobilwerk kam mit Produktion nicht hinterher

Natürlich: Der Zweitakter knatterte und zog eine geruchsintensive Abgasfahne hinter sich her. Hergestellt wurde der Wartburg 311 bis zum Jahr 1965. „Die Hoffnung, dass der Wartburg dauerhaft zum Erfolg für die DDR wird, erfüllte sich allerdings nicht. Denn die Produktion kam nicht hinterher. Irgendwann war das neue Modell auch veraltet“, konstatiert Kosthorst. Und viele DDR-Bürger erinnern sich ohnehin, wie lange sie auf ein Auto warten mussten.

Von Mathias Orbeck

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