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Lokales Eklat im Paulinerverein: Vorsitzender muss nach nur vier Wochen gehen
Leipzig Lokales Eklat im Paulinerverein: Vorsitzender muss nach nur vier Wochen gehen
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06:45 27.06.2019
Ex-Paulinerchef Detlef Grösel. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Auf den Tag genau einen Monat war Detlef Grösel der Vorsitzende des Paulinervereins. Am heutigen Mittwoch stellte er im Vorstand die Vertrauensfrage – und fiel durch. Die Pauliner müssen sich jetzt einen neuen Vorsitzenden suchen und Detlef Grösel fühlt sich falsch verstanden. „Ich hatte viele Ideen und wollte dem Verein neue Impulse geben“, sagt der gebürtige Leipziger. „Aber leider hatte der Vorstand keine Geduld.“ Der Vorstand spricht davon, dass keine „Grundvoraussetzungen für eine gedeihliche Zusammenarbeit“ gegeben sind. Die LVZ sprach mit Detlef Grösel.

Frage: Sie sind in große Fußstapfen getreten. Vor ihnen war unter anderem Nobelpreisträger Günter Blobel Vorsitzender der Paulinerverein. War die Aufgabe zu groß?

Detlef Grösel: Nein, ich war schon kurz nach der Wende zehn Jahre stellvertretender Vorsitzender des Paulinervereins. Damals mit viel Erfolg.

Frage: Was führte zu Ihrem Rauswurf?

Detlef Grösel: Im Grunde ein Teil meiner Einstandsrede, die der Verein als Grußwort verschicken sollte. Dort habe ich den Neubau am Augustusplatz als Paulinum bezeichnet. Dies sei ein „Tabubruch“, weil die Pauliner die Bezeichnung „Universitätskirche St. Pauli“ wünschen.

Ist das nicht eine Petitesse?

Sicher geht es um mehr. Ich wollte ein gutes Verhältnis zu allen für den Neubau zuständigen Seiten und habe deshalb der Universität symbolisch die Hand entgegengestreckt. Vielleicht war ich damit zu schnell.

Glauben Sie wirklich, dass Sie mit einer ausgestreckten Hand die Universität dazu bewegen können, die aus der alten Paulinerkirche gerettete Kanzel in den Neubau zu bringen?

Ich denke das ist der einzige Weg, dieses Ziel irgendwann zu erreichen. Dafür bedarf es auch Geduld bei den Paulinern.

Gab es positive Signale aus der Universität?

Der Paulinerverein hat mir verboten, mit der Universität Kontakt aufzunehmen.

Das ist doch nicht wahr?

Ich wollte ein guter Mediator sein, um die zerstrittenen Seiten wieder zusammen zu bringen und für beide Seiten ein Optimum zu erreichen. Ich habe den Eindruck, dass die Pauliner davon ausgehen, dass die Ergebnisse der Temperatur- und Luftfeuchtemessungen im Paulinum den Einbau der Kanzel ermöglichen werden.

Ist das so?

Das kann im Moment niemand sagen. Die Messergebnisse werden erst im Herbst vorliegen – und dann wird der Senat der Universität entscheiden, ob er die Kanzel will oder nicht.

Werden Sie diese Entwicklung weiter verfolgen?

Ich bleibe Mitglied im Paulinerverein. Ich befürchte aber, dass es zu meinem Weg keine Alternative geben wird. Gesellschaftliche Probleme kann man nur gemeinsam mit der Universität lösen. Trotzdem wünsche ich mir natürlich, dass die Kanzel so schnell wie möglich in den Neubau zurückkehrt.

Handelt es sich bei dem Neubau nun um ein „Paulinum“ oder um die „Universitätskirche St. Pauli“?

Uni-Rektorin Beate Schücking hat vor einigen Monaten erklärt, man könne den Neubau nennen wie man wolle – „Paulinum“ oder „Universitätskirche St. Pauli zu Leipzig“. Sie hat damit die Hand in Richtung der Pauliner ausgestreckt. Ich wünsche mir, dass sie ergriffen wird und jeder den Neubau am Augustusplatz als das sieht was er sehen will.

Was werden Sie jetzt tun?

Ich lebe mittlerweile in der wunderschönen Oberlausitz. Dort geht es meiner Frau und mir gut. Wir sind häufig in Leipzig und ich werde diese spannende Entwicklung weiter verfolgen.

Von Andreas Tappert

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