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Lokales Elstermühlgraben: Vorletzter Abschnitt mit Politprominenz eröffnet
Leipzig Lokales Elstermühlgraben: Vorletzter Abschnitt mit Politprominenz eröffnet
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19:57 11.06.2019
Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) versuchte sich vor der neuen Funkenburgbrücke auf einem Stand-up-paddle – anfangs sehr wacklig, doch bald zunehmend geschickt. Quelle: Foto: Christian Modla
Leipzig

Auch wenn die Bauarbeiten statt einem Jahr zweieinhalb Jahre dauerten – am Dienstag wurde die Eröffnung eines weiteren Flussabschnittes vom Elstermühlgraben mit einem Buffet für die Anwohner gefeiert. Auf der neuen Funkenburgbrücke, die ebenfalls zu dem 6,4-Millionen-Euro-Projekt gehörte, fanden sich viele Stadträte und auch Politprominenz ein.

Ministerpräsident auf Stand-up-paddle

So wagte sich Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) auf ein Stand-up-paddle, das der Leipziger Bootsverleiher und Spitzen-Kanute Jan Benzien mitgebracht hatte. Die Fotografen lauerten, ob der 44-jährige Landesvater in Hemd und Jeans in das 1,20 Meter tiefe Gewässer stürzt. Doch Kretschmer wackelte nur anfangs stark, kam am Ende souverän zurück an Land.

„Alle Utopien enden im Tiefbau“

Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) zollte dem sportlichen Einsatz Respekt: „In der Badehose hab’ ich das auch schon mal probiert, aber noch nie in voller Montur.“ Jung dankte mehrfach den Anwohnern zwischen der Thomasius- und Lessingstraße für ihre Geduld und das Aushalten von Lärm und anderen Beeinträchtigungen. „Mein Amtsleiter Tiefbau hat mir mal ins Stammbuch geschrieben: Alle Utopien enden im Tiefbau.“

Fehlerhafte Leitungspläne und Altlasten

Das habe sich leider auch bei dem 85 Meter langen Abschnitt (mit Brücke 110 Meter) bewahrheitet, der nun als vorletzte Strecke eines ehedem 1000 Meter langen Rohrs geöffnet und wieder in einen 7,5 Meter breiten Fluss verwandelt wurde. Ob fehlerhafte Leitungspläne, Altlasten, Kampfmittelfunde oder unvorhergesehene Schwierigkeiten beim Einbringen der zwölf Meter tiefen Bohrpfähle – kaum ein denkbares Problem sei nicht aufgetaucht.

Das ist der Entwurf für den letzten Bauabschnitt des Elstermühlgrabens, der ab Ende 2020 entstehen soll. Nahe der Lessingstraße (unten rechts) ist ein allgemein zugänglicher Wasserplatz geplant, im Hintergrund die künftige Brücke in der Elsterstraße zu sehen. Quelle: Christian Modla

Dennoch freuten sich sicher viele Bürger, dass es nun geschafft ist, dass neben der Brücke ein Erholungsplatz mit Bänken, Bäumen und Papierkorb, neben dem 800 Jahre alten Mühlgraben noch ein Fuß- und Radweg entstand, der teilweise über die Wasserfläche ragt. „Seit 2004 wird der Elstermühlgraben wieder geöffnet.“ 13,7 Millionen Euro an Fördermitteln – vor allem für den Hochwasserschutz – habe der Freistaat dazu beigetragen, lobte der OBM.

Letzter Abschnitt kostet 17 Millionen Euro

Für die nun noch fehlenden, letzten 170 Meter zwischen der Lessing- und Elsterstraße (samt Neubau zweier Brücken) würden die Kosten aber auf noch mal fast 17 Millionen Euro geschätzt. „Auch dabei brauchen wir die Hilfe des Landes.“

Freistaat veranstaltet Klimakonferenz

Im Beisein von Henry Graichen (CDU), Landrat im Leipziger Land und Sprecher der Steuerungsgruppe Neuseenland, versicherte Kretschmer, dass bereits etliche Fachleute an der Finanzierung tüftelten. „Vor 60 Jahren wurde der Fluss verrohrt, weil die Wasserqualität so schlecht war, dass sie eine Gefahr für die Gesundheit der Leipziger darstellte“, holte der Ministerpräsident aus. Heute seien die Flüsse wieder eine sprichwörtliche Erfrischung im Stadtbild, stünden für Natur- und Klimaschutz. Am 22. Juni lade der Freistaat Schülerinnen und Schüler zu einer Klimakonferenz an die Sportfakultät der Leipziger Universität ein. „Wir wollen die Ideen der jungen Leute dazu kennenlernen.“

So sieht der nun fertiggestellte Abschnitt des Elstermühlgrabens zwischen der Lessing- und der Thomasiusstraße (im Zuge der neuen Funkenburgbrücke) von höherer Warte aus. Quelle: Christian Modla

Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal (Linke) betonte, dass trotz aller Probleme „die Baukosten bisher im Rahmen des Planungsbeschlusses liegen“. Noch stünden aber Verhandlungen mit einigen Firmen an. Zudem war der Kostenrahmen schon mal erhöht worden. Beim ersten Spatenstich im November 2016 hieß es noch, der Abschnitt samt Brücke sei für 5,1 Millionen Euro und in nur einem Jahr Bauzeit zu haben.

Bau des Stadthafens erfolgt gleichzeitig

Ab Ende 2020 bis Ende 2023 wolle die Stadt den letzten Flussabschnitt – und zwar gleichzeitig mit dem Bau des Stadthafens – folgen lassen, erläuterte Rosenthal auf Nachfrage. Danach sei der Elstermühlgraben vom Palmengarten bis zum Naturkundemuseum durchgängig für Boote befahrbar, bilde so auch die Basis für den Touristischen Gewässerkurs 3 zum Auensee und weiter in Richtung Halle.

Wichtige Funktion für Hochwasserschutz

Statt heute nur zwei Kubikmeter könne er künftig 15 Kubikmeter Wasser pro Sekunde ableiten – ein wichtiger Schutz für die Leipziger Innenstadt bei Hochwasserlagen. Und vor allem habe der Elstermühlgraben dann ab dem Angerwehr (nahe der Friedrich-Ebert-Straße) einen viel höheren Pegelstand. Bislang ist vor allem in Trockenperioden in den frisch geöffneten Natursteinkanälen mitunter nur ein Rinnsal zu sehen.

Von Jens Rometsch

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