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Lokales „Er hätte sich gefreut“: Bibliothek Gohlis nach Erich Loest benannt
Leipzig Lokales „Er hätte sich gefreut“: Bibliothek Gohlis nach Erich Loest benannt
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15:44 24.02.2016
Er hätte sich gefreut über die Namensverleihung, glaubt Linde Rotta, die Lebensgefährtin des verstorbenen Schriftstellers Erich Loest.
Er hätte sich gefreut über die Namensverleihung, glaubt Linde Rotta, die Lebensgefährtin des verstorbenen Schriftstellers Erich Loest. Quelle: Wolfgang Zeyen
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Leipzig

An Erich Loests 90. Geburtstag wurde die Stadtteilbibliothek Gohlis in der Georg-Schumann-Straße offiziell nach dem Leipziger Ehrenbürger benannt. Er hätte sich darüber gefreut, glaubt seine Lebensgefährtin Linde Rotta (78). Zu viel der Ehre wäre ihm das sicher nicht gewesen: „Er war bescheiden, aber so bescheiden nun auch wieder nicht.“ Die Bibliothek sei eher sogar „der kleinste gemeinsame Nenner, es hätte auch eine Straße oder ein Platz sein können, das hätte er durchaus verdient in seiner Stadt.“ Erich Loest hatte im September 2013 seinem Leben ein Ende gesetzt.

Der Schriftsteller wohnte gleich nebenan in der Kasseler Straße und war ein erklärter Freund und Unterstützer der Bibliotheken. „Für ihn waren Schrebergärten, Fußball in der 7. Kreisklasse und die Bibliotheken das Sozialdemokratischste überhaupt, weil jeder es sich leisten kann“, erinnert sich Sohn Thomas Loest (65). Ende der 1990er-Jahre, als die Leipziger Bibliotheken finanziell sehr schlecht gestellt waren, hatte Loest die Aktion „Helft den Bibliotheken“ gestartet und zusammen mit befreundeten Schriftstellern und Verlegern Geld gesammelt. „Auch unsere Lützschenaer Bibliothek sollte geschlossen werden. Er hat sich dahinter geklemmt, und so gibt es sie bis heute“, erzählte Wolf-Dietrich Freiherr Speck von Sternburg (81). Michael Faber (54, parteilos), aktuell Leipzigs Kulturbürgermeister und damals Verleger, war ebenfalls in die Aktion einbezogen.

Viele Weggefährten und Freunde Loests erlebten am Mittwoch die Namensverleihung mit: Maler Reinhard Minkewitz (58), die Schriftsteller Helmut Richter (82) und Regine Möbius (72), Brigadegeneral a. D. Harald Fugger (67), Ursula Lehmann-Grube. Oder Eva Leipprand (68) aus Augsburg, Vorsitzende des Verbandes deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller – Loest war ihr Amtsvorgänger in den Jahren von 1994 bis 1997. Sie brachte 90 Bücher mit, eine Sammlung von Verbandsmitgliedern, um sie der Bibliothek zu schenken. Dass auch die Loest-Bestände in der Gohliser Bibliothek im Vorfeld der Umbenennung komplettiert wurden, dafür sorgte die Elke-und-Thomas-Loest-Stiftung. Sie hat alle Lücken gefüllt und zudem Sekundärliteratur über den Schriftsteller spendiert.

„Jetzt fehlt uns sein knurriges Urteil, das wir manchmal als seltsam und hart erlebt haben“, sagte Kulturbürgermeister Michael Faber in seiner kurzen Rede. Am Abend gibt es eine Festveranstaltung anlässlich der Namensverleihung, zu der interessierte Leipziger eingeladen sind. Linde Rotta bedauert, dass der Termin mit ihr nicht abgestimmt worden sei: „Ich bin nicht dabei, denn ich feiere heute Abend mit 36 engen Freunden den Geburtstag von Erich Loest.“ Hätte die Stadt kooperiert, sei eventuell beides möglich gewesen. Dass ausgerechnet ein früherer Stasi-IM zum Moderator der Festveranstaltung bestimmt wurde, hält Linde Rotta nicht für ein Drama: „Erich Loest hätte sich sicher einen anderen ausgesucht, aber die Sache zwischen den beiden war ausgestanden.“ Was auch Sohn Thomas Loest bestätigte.

Das Leuchtschild an der Fassade der Bibliothek hat bereits dazu geführt, dass Ältere sich über den Namen Erich Loest freuen und Jüngere fragen, wer das denn sei. Bislang trugen nur zwei Stadtteilbibliotheken berühmte Namen: Die in Plagwitz ist nach dem Literaten Georg Maurer benannt und die in der Südvorstadt nach dem Bibliothekar Walter Hofmann. Die Leipziger Städtischen Bibliotheken bestehen aus der Stadtbibliothek am Leuschnerplatz, 15 Stadtteilbibliotheken und der Fahrbibliothek.

Von Kerstin Decker