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Lokales Erste Funde bei archäologischen Grabungen am Brühl
Leipzig Lokales Erste Funde bei archäologischen Grabungen am Brühl
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20:09 06.11.2019
Unter anderem drei Brunnen wurden schon bei den archäologischen Grabungen am Leipziger Brühl entdeckt. Sie sind aber noch nicht vollständig erkundet. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Mehr als sechs Meter hoch türmen sich jetzt Erdmassen auf einer Baustelle am Leipziger Brühl. Seit 23. September erkundet das Sächsische Landesamt für Archäologie die 3000 Quadratmeter große Fläche zwischen den Brühl-Arkaden und dem Harmelin-Haus an der Nikolaistraße. Ab nächstem Frühjahr soll auf dem früheren Autoparkplatz ein Hotel der Berliner Kette Amano entstehen – samt zweistöckiger Tiefgarage (die LVZ berichtete exklusiv). Bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg stand dort mit Krafts Rauchwarenhof der größte Leipziger Pelzhandelshof.

Tonflaschen waren robust und billig

Bei den Grabungen kamen viele mittelalterliche Keller, drei Brunnen oder Latrinen, ein Ofen sowie etliche Mineralwasserflaschen aus Ton, Krüge und Tassen zum Vorschein. „Das Depot aus Mineralwasserflaschen wurde sicher um 1900 angelegt“, erklärte Thomas Westphalen am Mittwoch bei einer Führung für Journalisten. „Solche Flaschen wurden damals gern genutzt, weil sie stabiler und billiger als Glas waren. Man verschloss sie einfach mit einem Korken.“

Kellerböden aus dem 13. Jahrhundert

Warum Dutzende solcher Flaschen (mit einem Volumen von etwa einem Liter) unter einem Kellerboden versteckt lagen, dazu kann der Abteilungsleiter Archäologische Denkmalpflege im Landesamt derzeit nur Vermutungen anstellen. Die Kellerböden selbst stammten zum Teil aus dem 13. und 14. Jahrhundert. 1420 wurde der Brühl erstmals urkundlich erwähnt.

Große, handverstrichene Ziegel

Jahrhundertelang waren an der bekannten Straße vor allem Gasthöfe zu finden, so der Experte. „Die Gebäude oben drüber änderten sich immer wieder. Aber die Keller blieben gleich oder wurden nur etwas umgebaut.“ Deshalb blieben dort viele handverstrichene Tonziegel erhalten, die um einiges größer sind als die Ziegel der Neuzeit.

Keine Bebauung unter Erdhügel

Spannend bleibe die Frage, ob das sechsköpfige Team um Grabungsleiter Burkart Dähne noch Spuren aus der Zeit der Stadtgründung vor 1000 Jahren entdecken kann. In der Mitte des Areals – wo jetzt der riesige Erdhügel prangt – gibt es keine Keller. „Eventuell finden wir da etwas.“ Sehr wahrscheinlich sei es allerdings nicht, weil zu Zeiten der Ersterwähnung Leipzigs im Jahr 1015 der Großteil der heutigen City noch nicht besiedelt war, so Westphalen weiter. „Da gab es nur die Burg im Bereich des heutigen Matthäikirchhofs und eine größere Vorstadt.“

Harmelin-Enkelin stand am Zaun

Freigelegt sei bisher erst gut ein Drittel des Geländes. Die Grabungen dauern noch bis Ende Februar 2020 – dann will der Berliner Investor S&R möglichst gleich im Anschluss den Hotel-Neubau starten. Für nächsten Monat habe sich ein ganz besonderer Besuch angekündigt. Dann wollen die Archäologen eine Nachfahrin der jüdischen Pelzhändler-Familie Harmelin, welcher das Areal einst gehörte und die auch das benachbarte Harmelinhaus errichten ließ, über die Baustelle führen. Westphalen: „Ihr Großvater musste 1938 nach London emigrieren. Die Enkelin stand eines Tages einfach hier, am Brühl, am Zaun und fragte, ob eine genauere Besichtigung möglich wäre.“

Von Jens Rometsch

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