Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales „Es gab nie Krieg zwischen EU-Ländern“ – Gregor Gysi wirbt in Leipzig für Europa
Leipzig Lokales „Es gab nie Krieg zwischen EU-Ländern“ – Gregor Gysi wirbt in Leipzig für Europa
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:30 10.04.2019
Prominenter Besuch im Salles de Pologne in der Hainstraße: Gregor Gysi (l.) sprach bei einer Veranstaltung der HDI Global S.E. Industrieversicherung vor rund 150 Kunden des Unternehmens. Heiko Waber (r.), Leiter der HDI-Niederlassungen Leipzig und Berlin, hatte dazu eingeladen.
Prominenter Besuch im Salles de Pologne in der Hainstraße: Gregor Gysi (l.) sprach bei einer Veranstaltung der HDI Global S.E. Industrieversicherung vor rund 150 Kunden des Unternehmens. Heiko Waber (r.), Leiter der HDI-Niederlassungen Leipzig und Berlin, hatte dazu eingeladen. Quelle: André Kempner
Anzeige
Leipzig

150 Unternehmensvertreter aus ganz Ostdeutschland waren am Mittwoch zu Gast in Leipzig – auf Einladung der HDI-Industrieversicherung. Programm-Höhepunkt im Salles de Pologne in der Hainstraße: der Auftritt des Linken-Bundestagsabgeordneten Gregor Gysi.

„Politik und Medien erfüllen ihre zentrale Aufgabe nicht mehr“

Der lieferte wieder bestes Polit-Entertainment und tat das, was aus seiner Sicht viel zu wenig passiert: Er erklärte die Welt – in einem großen Bogen. Die Politikverdrossenheit werde zurzeit gefördert, weil die Menschen überfordert seien. „Die Leute verstehen nicht mehr, was auf der Welt passiert. Politik und Medien erfüllen ihre zentrale Aufgabe nicht mehr: vereinfacht, aber trotzdem wahrheitsgemäß zu erklären und aufzuklären“, sagte Gysi. Und in diese Kerbe schlügen dann die Trumps, Erdogans und Orbans oder rechtspopulistische Parteien wie die AfD mit einfachsten Slogans und Botschaften. Gysi kritisierte auch, dass sich die SPD in eine erneute Große Koalition habe drängen lassen. Eine Minderheitsregierung hätte Gesellschaft und Politik beleben können; die erneute Groko sei zu viel für das Land.

„Wenn Europa scheitert, drohen neue Kriege“

Gysis klarste Botschaft: Wir müssen Europa retten, sonst drohen neue Kriege auf dem Kontinent. „Es gab nie Krieg zwischen Mitgliedsländern der EU“, sagte Gysi. Wenn Europa scheitere, drohten neue Kriege. Bei den Wahlen zum Europa-Parlament müsse man dem sich ausbreitenden Nationalegoismus entgegen treten. „Bitte gehen Sie alle zur Europawahl – nur, wenn Sie die AfD wählen wollen, dann sollten Sie zu Hause bleiben“, sagte Gysi und erntete Applaus. Die Rechtspopulisten wollten das EU-Parlament abschaffen. „Wenn man so sehr gegen die parlamentarische Demokratie ist, dann braucht man auch keinen Posten als Vize-Präsident im Deutschen Bundestag“, so Gysi mit Blick auf die Debatte um einen der Stellvertreter-Posten für die AfD. Es gebe Reformbedarf in den Institutionen, das ändere aber nichts an der Bedeutung Europas. Die Jugend denke heute ganz und gar europäisch.

„Wahlrecht muss sich ändern“

Zur Rettung der Demokratie hat der Linken-Politiker eine Idee: Anstelle von kompletten Listen sollten die Bürger direkt einzelne Kandidaten von den Listen ankreuzen können. Und: Zum Wahltermin solle zugleich über zwei einfache politische Fragen abgestimmt werden, die sich mit Ja oder Nein beantworten lassen. „Wenn wir uns beim Wahlrecht nicht weiterentwickeln, wird die Verdrossenheit zunehmen“, sagte Gysi.

„Digitalisierung mit mehr Chancen als Risiken“

In der Digitalisierung steckten mehr Chancen als Risiken. Die Politik müsse die Vorteile nutzbar machen und Nachteile verhindern, etwa beim Datenschutz. Deutschland müsse entschieden mehr Geld in die Bildung stecken, Kinder länger gemeinsam lernen lassen und ein einheitliches Bildungssystem schaffen.

Industrieversicherer muss Prämien erhöhen

„Die deutsche Versicherungswirtschaft verdient kein Geld mehr“, erklärte Heiko Waber, HDI-Niederlassungsleiter in Leipzig und Berlin, am Rande der Veranstaltung gegenüber der LVZ. Waber betreut mit seinem Team unter anderem Kunden wie VNG, Rotkäppchen oder Kati. Einerseits seien die Versicherungsprämien in den vergangenen Jahren gefallen, zugleich hätten aber die Schäden zugenommen, etwa durch Stürme oder Hochwasser. Deshalb müssten die Prämien nun erhöht werden.

Von Björn Meine