Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Explodierende Grundstückspreise gefährden Leipziger Wachstum
Leipzig Lokales Explodierende Grundstückspreise gefährden Leipziger Wachstum
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:36 26.05.2018
Preise für bebaubare Flächen in Leipzig Quelle: Patrick Moye
Leipzig

Immer mehr Fachleute sehen die explodierenden Grundstückspreise in Leipzig kritisch. Bei freien Flächen für den Wohnungsbau gab es in den letzten beiden Jahren jeweils eine Verdoppelung in den guten und mittleren Lagen. Stadtweit stieg der Durchschnittspreis von 174 Euro im Jahr 2015 auf 438 Euro in 2017.

Große Sorge im Neuen Rathaus

„Man verdient inzwischen mit Weiterverkaufen mehr als mit Selberbauen“, stellt Stefan Heinig fest, der amtierende Leiter des Stadtplanungsamtes. Im Rathaus gebe es die große Sorge, dass daraus ein Entwicklungshemmnis für das Wachstum der Stadt wird. Schließlich würden demnächst fast 80 neue Schulen gebraucht.

Viel Wohnungsbau im „gehobenen Segment“

Das Problem habe auch viel mit Händlern zu tun, die sich am aktuellen Boom der Stadt eine goldene Nase verdienen wollen, erklärte Heinig beim Immobilienkongress Real Estate Mitteldeutschland. Aktuell würden in Leipzig zwar viele Wohnungen „im gehobenen Segment“ errichtet, die dann zu Kaltmieten von 10 bis 12 Euro angeboten werden. Doch die Zahl der Messestädter, die sich solche Mieten leisten könnten, sei überschaubar. Bei noch höheren Bodenpreisen drohe zwischen Angebot und Nachfrage eine tiefe Kluft zu entstehen.

Achtfache für Flächen in Plagwitz geboten

Das bestätigten mehrere ortsansässige Unternehmen. „Die Glücksritter sind jetzt auch in Leipzig unterwegs. Wir haben schon eine kleine Spekulationsblase beim Grundstücksankauf“, meinte Christoph Gröner, Chef der CG-Gruppe. Für Flächen in Plagwitz (auf dem Rübesam-Areal) sei ihm bereits das Acht- bis Neunfache der Summe angeboten worden, für die sie einst zur CG-Gruppe kamen. „Wir sind jedoch keine Spekulanten, sondern haben der Kommune versprochen zu bauen“, so Gröner. „Das tun wir auch.“

Schmerzgrenze bei 10 Euro Kaltmiete erwartet

In Leipzig würden nun teilweise Preise aufgerufen, die nur mit Kaltmieten von 15 bis 16 Euro refinanzierbar sind, so Steffen Hildebrand. „Solche Höhen sehen wir mit unserer Marktkenntnis nicht. 7,50 bis 8 Euro gehen gut, aber darüber fängt die Luft an, dünner zu werden.“ Sein Unternehmen – Hildebrand & Partner – erwarte, dass die Schmerzgrenze für die Leipziger bei Kaltmieten von etwa 10 Euro liegt. „Selbst die, die mehr bezahlen könnten, wollen das nicht. Die Umzugsbereitschaft hat nachgelassen. Viele, die noch für 5 bis 6 Euro wohnen, bleiben dort drinnen, um nicht 30 Prozent mehr zahlen zu müssen.“

Neue Abteilung im Stadtplanungsamt

Auch Torsten Kracht von Instone Real Estate berichtete, die hiesigen Projektentwickler würden inzwischen fast nur noch Areale nutzen, die sie schon vor 2015 gekauft hatten. Damals etwa begann der Immobilien-Hype – vor allem wegen extrem niedriger Zinsen in der EU. Weil es kaum noch Flächen zu vernünftigen Preisen gebe, hätten Leipziger Firmen zuletzt zunehmend Vorhaben in anderen Städten angepackt: oft in Dresden, Chemnitz oder Halle. Um Kosten für die Firmen zu senken, die wirklich bauen wollen, brauche es auch pragmatische Entscheidungen in der Stadtverwaltung, mahnte Kracht. Er hoffe, dass eine neue Abteilung für „Städtebauliche Projektentwicklung“ bald Früchte trägt, die im vergangenen Monat ihre Arbeit im Neuen Rathaus aufnahm.

Hotel-Bau am Hahnenkamm wäre heute unmöglich

Die Abteilung im Stadtplanungsamt kümmere sich um die großen Bebauungsplan-Gebiete, so Heinig. Durch das Erschließen ehemaliger Brachen solle auch Druck aus dem Grundstücksmarkt genommen werden. „So sollen westlich des Hauptbahnhof-Vorfelds bald 700 Wohnungen, eine Schule und Gewerbe entstehen.“ Wenn Flächen einmal viel zu teuer verkauft wurden, dauere es meist Jahre bis dort etwas passiert. Strabag-Projektleiter Martin Kroll räumte unumwunden ein, dass der sichtlich gut vorankommende Bau des neuen Hotels Holiday Inn Express an der Brandenburger Straße/Hahnenkamm bei den heutigen Grundstückspreisen unmöglich gewesen wäre. „Zum Glück hatten wir diese Fläche schon 2011 gekauft.“

Von Jens Rometsch

Anfang Juni geht es im Leipziger Scheibenholz nicht nur um das schnellste Pferd, sondern auch um gut gekleidete Zuschauer: Der Moderenntag steht vor der Tür.

24.05.2018

BMW will 300 Millionen Euro in sein Leipziger Werk investieren. Damit soll die jährliche Produktionskapazität um 100 000 auf rund 350 000 Fahrzeuge erweitert werden.

24.05.2018

Ist die dem SED-Chef und DDR-Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht zugeschriebene Aussage „Die Kirche muss weg“ authentisch? Wie konnte Leipzigs Unikirche 1968 trotz starker Proteste gesprengt werden? Historikern Katrin Gurt hat mit Studenten dazu geforscht.

23.05.2018