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Lokales Familie Herold rudert in der fünften Generation auf Leipzigs Gewässern
Leipzig Lokales Familie Herold rudert in der fünften Generation auf Leipzigs Gewässern
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12:00 16.07.2018
Blick von der Schleußiger Brücke auf die Bootsbauerei und den Bootsverleih von Julius Hermann Seifert im Jahr 1922.. Quelle: privat
Leipzig

Der Leipziger Julius Hermann Seifert arbeitete als Schiffsführer eines Vermessungsbootes im Dienst von Carl Heine (später auch Karl Heine). In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelten sich dank seiner Pläne die heutigen Stadtteile Lindenau, Plagwitz und Schleußig zu einem der größten Industriestandorte – Flüsse und Kanäle wurden befahrbar gemacht, damit Güter transportiert werden konnten. Es entstanden Badeanstalten, Rudervereine und Bootsausleihstationen an der Weißen Elster und Pleiße. Nach dem Tod des Industriepioniers Heine im Jahr 1888 verlor Seifert seine Arbeit und gründete die erste Leipziger Motorbootstation.

Ihren Ur-Großvater hat Patricia Herold, die seit neun Jahren den Familienbetrieb führt, nicht kennengelernt. Dafür aber Otto-Fritz, den Sohn vom alten Seifert, der sich nach 1926 um den Bootsbau von Paddel- und Ruderbooten sowie von Marinekuttern verdient gemacht hatte. Bei ihrer Einschulung in die 49. Polytechnische Oberschule (heute Schule am Auwald) im Jahr 1974 war der damals 77-Jährige dabei. „Als mein Vater Jürgen Herold die Firma übernahm, schlürfte Opa jeden Mittag über die Schleußiger Brücke und aß mit uns Mittag“, erinnert sich die 50-Jährige, die nach der Schulzeit erst einmal Köchin im Paulaner lernte. Auch Ehemann Bernd (63), studierter Diplom-Ingenieur und später als selbstständiger Klempner und Heizungsbauer tätig, sowie Tochter Elisa (22) und Sohn Maximilian (20) sitzen im Familienboot. Beide Kinder sind auch als Schiffsführer einsetzbar. Max hat seinen Personenbeförderungsschein seit April in der Tasche, wie der Abiturient stolz erzählt. In der laufenden Saison unterstützt er seine Eltern noch tatkräftig, aber ab kommendem Herbst geht der junge Mann zum Studium der Immobilienwirtschaft nach Bernburg.

Die Familie von Patricia Herold feiert in diesem Jahr einen ganz besonderen Geburtstag. Vor 130 Jahren eröffnete ihr Ur-Großvater die erste Motorbootstation in Leipzig-Schleußig.

In der Saison arbeiten alle Herolds täglich von Montag bis Sonntag – im Boot-Shop, in der Wassersportschule und im Bootsverleih in der Antonienstraße sowie bei den geführten, sehr beliebten Motorbootfahrten auf Leipzigs Gewässern. Zudem gibt es einen Shop für Maritimes aller Art am Cospudener See, der besonders bei Touristen beliebt ist. „Manchmal sehen wir uns den ganzen Tag nicht“, plaudert die Chefin in gemütlicher Runde auf der Boots-Terrasse mit Blick zum Wasser. Kapitän Bernd, der nicht nur am Steuer der Motorboote sitzt, arbeitet auch in der Wassersportschule als Ausbilder. Für einen Segelschein wird das theoretische Wissen am Schleußiger Firmensitz gepaukt, für die praktischen Übungen geht es für die Schüler an den Cossi. Geschäftsführerin Patricia wurde übrigens im Jahr 1982 DDR-Meisterin im Kajak. „Mein Vater hat mir ein weißes Boot gebaut, das nur 15 Kilogramm wog“, erinnert sie sich an ihre sportliche Kindheit. In der Sektion Wassersport trainierte damals auch der Athlet Siegbert Horn, der später Weltmeister und Olympiasieger im Kanuslalom wurde und der vor zwei Jahren verstarb.

Derzeit fahren 80 heroldsche Paddel- und Ruderboote sowie Canadier auf Leipzigs Wasserstraßen – plus vier Motorboote. In den Sommermonaten und in den Ferienzeiten sind die Ausleihstationen richtig gut besucht, resümiert die Chefin. Und manchmal schauen auch Prominente vorbei: Komiker Otto Waalkes, die Prinzensänger Tobias Künzel und Sebastian Krumbiegel, Baulöwe Richard Lugner und auch Leipzigs Zoochef Jörg Junhold zieht es ans Wasser. „Leipzig hat einmalig schöne Häfen mit viel Charme. Mein persönlich schönster Ankerplatz befindet sich am Cospudener See“, erklärt sie.

Nur zwischen Oktober und April wird es ein bisschen ruhiger, denn im Winter bleibt nur der Shop für die Wassersportler geöffnet. Die Herold-Boote machen Pause. Das Unternehmen, das sich als regionaler Player versteht, bereitet sich auf die Wassersport-Messe in Leipzig vor und präsentiert sich Anfang des Jahres auf der Beach & Boat auf dem Neuen Messegelände. Erst dann geht es für die vier Leipziger in den wohlverdienten Urlaub. „Am liebsten fliegen wir in den Süden. Die Hauptsache ist aber, dass es am Ort auch Wasser gibt“, verrät Vater Bernd. Die Familie erkundet gerne fremde Länder und neue Wasserstraßen. Am besten mit einem Schiffsführer, der sie chauffiert und ihnen eine entspannte Zeit beschert. Die künftige Handelsfachwirtin Elisa, deren Anker-Ohrringe in der Sonne glänzen, schwärmt noch heute von einer Fahrt mit einem Katamaran – mit Livemusik und einem sensationellen Sonnenuntergang am Horizont.

Von Regina Katzer

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