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Lokales Leipziger Fitnessstudios: Wenn der Kunde zum Pflegefall wird
Leipzig Lokales Leipziger Fitnessstudios: Wenn der Kunde zum Pflegefall wird
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12:30 16.08.2019
Training in einem Fitnessstudio: Wer einen Vertrag abschließt, ist daran auch gebunden. Quelle: Britta Pedersen/dpa
Leipzig

Im Alter fit und mobil sein – mit diesem Vorsatz melden sich Gisela Meyrose (70) und ihr Mann Joachim (71) vor drei Jahren in einem Fitnessstudio im Leipziger Norden an. Gemeinsam fahren sie ein bis zwei Mal in der Woche von Miltitz in den Nordwesten, um dort auf dem Ergometer und in Kraftzirkeln zu trainieren. „Das war alles top. Das Programm war ausgefeilt und abgestimmt auf unsere Altersgruppe. Wir haben uns dort wohlgefühlt“, erzählt Gisela Meyrose, „und wir wurden sehr gut betreut.“ Sie und ihr Mann entscheiden sich deswegen nach den ersten beiden Jahren, die 52 Euro im Monat weiter zu investieren und den Vertrag nach einem persönlichen Gespräch mit dem Geschäftsführer um zwei weitere Jahre zu verlängern – im Juni 2018.

Bevor ihr Mann zum Pflegefall wurde, ging Gisela Meyrose regelmäßig mit ihm gemeinsam ins Fitnessstudio. Quelle: André Kempner

Mann stürzt und wird zum Pflegefall

Am 18. Juli stürzt Joachim Rose im Garten und später noch einmal im Krankenhaus. Durch eine Gehirnblutung wird er binnen weniger Wochen zum Pflegefall. An gemeinsame Fahrten zum Training ins Fitnessstudio ist nicht mehr zu denken, Joachim Meyrose wird im Sinne der bisherigen Rechtssprechung wegen dauerhafter Sportunfähigkeit von dem Vertrag entbunden. Nicht so seine Ehefrau und jetzige Pflegerin Gisela.

Finanzielle Not kein Grund für außerordentliche Kündigung

„Zu Pflegenden gibt es meines Wissens bisher keine Rechtssprechung“, sagt dazu Stefanie Siegert von der Verbraucherzentrale Leipzig. Gisela Meyrose aber möchte aus dem Vertrag raus. „Mir ist es unmöglich geworden, das Fitnessstudio weiter zu besuchen“, sagt sie. Durch die Pflege und die psychische Belastung sei sie mehr als ausgelastet. Hinzu käme ihre finanzielle Situation: „Der Platz im Pflegeheim meines Mannes kostet mehr, als die Rente ihm einbringt. Da sind 52 Euro im Monat eine Menge Geld.“ Leider sei das bei der Bitte um eine außerordentliche Kündigung nie ein Argument, erklärt Verbraucherschützerin Stefanie Siegert: „Hier handelt es sich um ein Dauerschuldverhältnis. Geld hat man in diesem Fall zu haben.“ Das gelte bei einem Handyvertrag ebenso wie einem Autokauf – und eben auch beim Vertrag mit einem Fitnessstudio.

Appell an die Kulanz

Der Betreiber sieht das offenbar ebenso, er kam Gisela Meyrose mit einer mehrmonatigen Vertragsruhe entgegen. „Doch die Monate werden an die reguläre Vertragslaufzeit angehängt, und so werde ich noch bis zum Juni 2020 zahlen“, bedauert Meyrose. Sie weiß, dass rechtlich nicht viel auszurichten ist – und appelliert an den Geschäftsführer des Studios, mit dem sie bis zu den Vorfällen vertraut per du war. „Ich bin enttäuscht, dass er nicht einmal mehr persönlich antwortet“, sagt sie. „Und ich bin traurig, dass ich den Sport nicht mehr machen kann. Ich appelliere nun einfach an ein wenig Kulanz.“ Der Geschäftsführer will sich zu dem Fall mit dem Verweis auf datenschutzrechtliche Bedenken gegenüber der LVZ nicht äußern.

Bleibt die Frage, ob Fitnessstudios, die sich auf ältere Menschen einrichten und in ihnen dankbare Zielgruppen finden, künftig eine Lösung für solche Fälle bereithalten. So tragisch der Fall von Gisela Meyrose und ihrem Mann Joachim ist: Wahrscheinlich stehen die beiden mit ihrem Schicksal nicht alleine da.

Von Anna Flora Schade

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