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Lokales Flutwelle lädt tonnenweise Treibgut vor Verteilerbauwerk ab
Leipzig Lokales Flutwelle lädt tonnenweise Treibgut vor Verteilerbauwerk ab
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00:34 03.06.2018
„Halber Thüringer Wald“ angeschwemmt: Flussmeister Martin Etzold (l.) und Talsperrenbereichsleiter Axel Bobbe am Verteilerbauwerk in Knauthain. Da waren bereits vier Großcontainer Treibgut entfernt worden. Quelle: Jörg ter Vehn
Leipzig

Berge von Treibgut hat das Hochwasser am Wochenende vor dem Verteilerbauwerk in Knauthain angeschwemmt. Es habe seine erste echte Belastungsprobe bestanden, meint Axel Bobbe, Leiter des Betriebes Elbe/Mulde/Untere Weiße Elster der Landestalsperrenverwaltung.

Das 2015 komplett erneuerte Bauwerk (Kosten: rund zehn Millionen Euro) steuert zentral die Menge Wasser, die über die so genannte Stadtelster mitten durch Schleußig und Plagwitz darf – oder über das Elsterhochflutbett drumherum geleitet wird. „Es ist das erste Querbauwerk an der Weißen Elster nach Gera und Zeitz“, erklärt Bobbe. „Daher ist hier wohl auch der halbe Thüringer Wald angekommen“, sagt er. Das Hochwasser im Raum Gera – die Stadt stand kurz vor der höchsten Alarmstufe vier – sei das erste seit Orkantief Friederike gewesen. Entsprechend groß sei der Berg an Ästen und bis zu manndicken Baumstämmen, die der Fluss aufgenommen und bis nach Leipzig getragen hat..

„Wir haben schon vier Container à 30 Kubikmeter beseitigt“, erklärte am Mittwoch Flussmeister Martin Etzold (34). Für die mitten im Fluss vor den Schützen feststeckenden Massen müsse aber wohl Spezialtechnik angefordert werden. „Das sind bestimmt nochmal mindestens drei Lastwagenladungen Treibgut“, sagt er. „Nach dem Hochwasser geht bei uns die Arbeit erst richtig los.“

Über diese Betonlippe fließt das Hochwasser in das Elsterhochflutbett. Quelle: Jörg ter Vehn

Die Gängigkeit der Wehre hat für Bobbe allerhöchste Priorität. 1954 hatte bekanntlich eine festsitzende Walze am Palmengartenwehr verhindert, dass die heftigen Niederschläge auch abfließen konnten. Das Hochwasser hatte damals große Teile der südlichen Stadt überschwemmt. „2013 hatten wir viel mehr Wasser als 1954 und es ist nichts passiert“, sagt Bobbe, nicht ganz ohne Stolz auf die bewältigte Situation. Wie berichtet, hatten damals Talsperrenmeisterei, Stadt, viele freiwillige Helfer und sogar die Bundeswehr verhindert, dass die Deiche brechen. Der Zwenkauer See wurde zudem über das kurz vorher fertiggestellte Auslassbauwerk in Zitzschen geflutet.

Der See ist seit seiner Planung fester Bestandteil der Hochwasserschutzpläne für Leipzig. Denn die Messestadt hat ein großes Problem: Nur maximal 70 Kubikmeter Wasser pro Sekunde passen durch die so genannte Stadtelster und die dicht bebauten Viertel in Schleußig und Plagwitz. „Wenn da mehr durch muss, käme es sofort zu großen Schäden“, weiß Bobbe. Ein Hochwasser, wie es 2013 statistisch gesehen eigentlich nur alle 150 Jahre vorkommen dürfte, schiebt aber 580 Kubikmeter bis vor die Tore der Stadt.

Noch Luft nach oben: Bis zu der Marke rechts stand die Weiße Elster beim jüngsten Hochwasser 2013. Quelle: Jörg ter Vehn

Am Zwenkauer See können für einen kurzen Zeitraum 130 Kubikmeter pro Sekunde abgeleitet werden. Bleiben 450 übrig. 70 passen sowieso durch, es müssten also 380 den Umweg über das Elsterhochflutbett nehmen können. Eine fast unvollstellbare Menge Wasser: „Da bleiben dann auch nur noch 30 bis 50 Zentimeter bis zur Oberkante der Deiche übrig“, erklärt Bobbe. „Viel zu wenig.“ Standard bei neuen Deichen sei ein Freibord von 70 bis 100 Zentimetern.

Statistisch gesehen gebe es in Leipzig jedes Jahr ein Hochwasser mit etwa 100 Kubikmetern, „zwei bis drei Tage lang“, erzählt Bobbe. Die meisten Leipziger würden seit dem Neubau der Brückenstraße über das Flutbett auch kaum noch mitbekommen, wenn für ein paar Tage im Jahr das Elsterhochflutbett unter Wasser stehe. Am Wochenende waren Badelustige sogar einfach durchgewatet. Bobbe hält das für sehr gefährlich. „Ab etwa 50 Zentimeter Wasserhöhe werden die Fließgeschwindigkeiten sehr stark“, warnt er. Deshalb müssten dann ja auch die Bootsverleihe in Leipzig schließen.

Von Jörg ter Vehn

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