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Lokales Fotoschau in Leipzig zeigt Ostdeutsche zwischen Euphorie und Enttäuschungen
Leipzig Lokales Fotoschau in Leipzig zeigt Ostdeutsche zwischen Euphorie und Enttäuschungen
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17:10 25.09.2019
„Test the West“ heißt eine neue Ausstellung im Zeitgeschichtlichen Forum mit Fotografien von Daniel Biskup. Aufgenommen wurde dieses Bild bei Leipzig im Jahr 1991. Quelle: Daniel Biskup
Leipzig

Es sind Bilder, die viele noch im Kopf haben: Glückliche Pärchen stehen an der geöffneten Grenze. Wie Pilze wachsen Wochenmärkte aus dem Boden, ein erster Sex-Shop öffnet, die Verkäufer preisen am 30. Juni 1990 die ersten Waren in D-Mark aus. Russische Fernseher oder Trabis werden auf der Straße abgestellt. Traurige Gesichter zeugen davon, dass die Betriebe vielen Menschen kündigten. Der in Bonn geborene Fotograf Daniel Biskup hat in den ersten Jahren nach dem Mauerfall Ostdeutschland bereist, Menschen, Städte und Landschaften dokumentiert. „Test the West“ hat das Zeitgeschichtliche Forum seine neue Sonderschau überschrieben, die etwa 30 dieser eindrucksvollen Bilder zeigt. Weitere sind abwechselnd auf einer Leinwand zu sehen.

In den ersten Jahren nach dem Mauerfall bereist der Bonner Fotograf Daniel Biskup Ostdeutschland und dokumentiert Menschen, Städte und Landschaften im Spiegel der tiefgreifenden Veränderungen.

Biskup hat damals in Augsburg Geschichte, Politik und Volkskunde studiert und nebenbei als „Brotjob“ für Zeitungen gearbeitet. „Wenn Geschichte live passiert, hat mich das so elektrisiert, dass ich dahin fahren musste“, sagt er. Als 26-Jähriger reiste er 1988 das erste Mal in die Sowjetunion, um sich ein Bild von Gorbatschows Politik der Glasnost und Perestroika zu machen. Im Sommer 1989 zog es Biskup nach Ungarn, um DDR-Flüchtlinge abzulichten. Und er dokumentierte vor allem den Umbruch in der DDR. Entstanden sind über die Jahre mehr als 15 000 Fotos, die er als sein „persönliches Tagebuch“ bezeichnet.

Menschliche Dimension wird gezeigt

Dabei fängt er den Tatendrang und die Euphorie der Menschen ein, die voller Hoffnungen sind. Aber eben auch die Enttäuschungen jener, die durch den radikalen Wandel ihre Arbeit, ihr bisheriges, vertrautes Leben aufgeben müssen. Ganze Lebensentwürfe wurden nach den Kündigungen entwertet. Das ist auch bei Bildern von Demos vor der Treuhandanstalt zu sehen. „Man sollte sich Zeit nehmen, um den Ausdruck in den Gesichtern der Menschen zu betrachten“, empfiehlt Jürgen Reiche, der Direktor des Forums. Bei „Test The west“ – geht es eigentlich um eine Zigarettenwerbung. Doch der Slogan steht wohl auch für Träume und Illusionen, die viele mit dem Westen verbunden haben und die letztlich nicht immer eingelöst worden sind. „Daniel Biskup zeigt die menschliche Dimension in einer Welt mit Ansprüchen und Umbrüchen, das Scheitern und der Erfolg liegen hier dicht beieinander.“

Buch über die Wendejahre 1990-1995

Er erlebte den Jubel, mit dem Kohl von 140 000 Menschen in Erfurt wie ein Messias empfangen wurde. Und wie die Euphorie ein Jahr später gewichen war. Oft war Biskup auch in Leipzig unterwegs. Er wollte einfach in die Stadt, in der sich während der Friedlichen Revolution soviel entschieden hat. „Ich habe erlebt, wie die Demonstranten und die Stimmung der Montagsdemo sich verändert haben“, erinnert er sich. Bereits eine Woche nach dem Mauerfall seien Sprüche wie „Kommt die DM, bleiben wir. Kommt sie nicht, gehen wir“ aufgetaucht. Und er hat erlebt, wie die Menschen ihre Habseligkeiten auf der Straße entsorgt haben, um Westwaren zu kaufen. „Davon könnte ich einen eigenen Bildband machen.“

Die Ausstellung ist bis 2. Februar 2020 Dienstag bis Freitag 9 bis 18 Uhr sowie am Wochenende 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Biskup hat im Verlag Salz und Silber das umfangreiche Buch „Wendejahre: Ostdeutschland 1990 – 1995“ herausgegeben. Das gibt es für 45 Euro im Museumsshop sowie im Buchhandel.

Von Mathias Orbeck

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