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Lokales Frauen Union fordert Erneuerung der CDU
Leipzig Lokales Frauen Union fordert Erneuerung der CDU
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09:01 02.01.2019
Luise Frohberg will das konservative Profil der CDU wieder schärfen. Insbesondere in der Kita-Politik spricht sie sich gegen Experimente aus und will Bewährtes beibehalten. Die Mutter von vier Kindern – hier mit Tochter Margret – will auch den einfachen Menschen in der Politik wieder mehr Gehör verschaffen. Es könne nicht länger toleriert werden, dass Politiker nur noch in Wahlkampfzeiten mit normalen Menschen sprechen, sagt sie. Die CDU müsse sich erneuern. Quelle: Foto:
Leipzig

Leipzigs CDU-Frauen wollen in ihrer Partei mehr Macht. Luise Frohberg, Vorsitzende der Leipziger Frauen Union und gleichzeitig Vize-Chefin des CDU-Kreisverbandes, plädiert deshalb für eine Erneuerung und will diese mit einer Qualitätsoffensive erreichen. Davon sollen insbesondere Frauen profitieren, weil die aktuell in den Gremien der Partei deutlich unterrepräsentiert sind (die LVZ berichtete).


Nach dem Bild, das Ihr Parteifreund Volker Schimpff von Leipzigs CDU-Frauen gezeichnet hat
, sind diese selber schuld daran, dass sie nicht stärker in den Führungspositionen ihrer Partei vertreten sind. Sie seien nicht risikobereit genug, in einen Wahlkampf mit ungewissem Ausgang zu gehen, erklärte er in einem Interview in dieser Zeitung. Wie wollen Sie das ändern?

Die Aussage von Volker Schimpff ist in unserer Volkspartei nur eine Meinung von vielen; aber sie hat eine wichtige Diskussion angestoßen. Unsere Millennium-Generation – also die CDU-Mitglieder, die um das Jahr 2000 geboren wurden – sieht das anders als er: Sie will mitgestalten. Auch die jungen Frauen in unserer Partei sind selbstbewusst und akzeptieren nicht, wenn sie von Führungspositionen ferngehalten werden. Sie sagen: Das ist nicht die Welt, in der wir leben; wir lassen es nicht zu, wenn man uns beiseite drängen will.

Was wollen Sie denn in der Leipziger CDU konkret verändern?

Wir brauchen eine Verjüngung in allen Führungspositionen auf Kreis- und Landesebene. Außerdem sollten Partei-Mandate auf maximal drei Legislaturperioden begrenzt werden. Bei der Besetzung von Gremien müssen wir auch darauf achten, dass mindestens 30 Prozent von Ehrenamtlichen besetzt sind. Ein Gremium mit annähernd hundert Prozent Berufspolitikern darf es nicht mehr geben.

Warum?

Weil wir viel dichter an die normalen Bürger und an die normalen Probleme herankommen wollen. Wir können uns nicht länger erlauben, dass Politiker den Kontakt mit den einfachen Menschen verlieren. Mit Menschen, die das ganze Jahr extrem hart arbeiten müssen, um über die Runden zu kommen. Wir müssen wieder zuhören und als Kümmerer wahrgenommen werden. Es geht darum, sich immer wieder klarzumachen, dass Politiker ihren Wählern dienen. Und natürlich müssen wir auch wieder deutlich unser konservatives Profil schärfen.

Was meinen Sie damit?

Ein Beispiel: Wenn wir die dringend notwendige Verbesserung unserer Kita-Betreuung erreichen wollen, kann das nicht bedeuten, die Kitas für alle kostenfrei zu machen. Wer Kita-Gebühren bezahlen kann, muss sie auch zahlen, damit wir mehr Qualität finanzieren können, die über eine allgemeine Verwahrung hinausgeht. Wir sind auch dagegen, mit unseren Kindern zu experimentieren, was sich bei der Betreuung bewährt hat, sollte erhalten bleiben. Ich halte nichts von sogenannten offenen Konzepten, in denen Kita-Kinder ohne Förderung, Ansprechpartner und ohne feste Gruppen sind. So etwas wird es mit uns nicht geben.

Dann brauchen Sie aber viele Power-Frauen in Ihre Stadt- und Landesparlamenten. Wie wollen Sie die finden?

Wir brauchen dafür in der CDU eine Qualitätsoffensive – nicht nur für unsere weiblichen Mandatsträger, sondern auch für die Männer. Dafür muss es feste Kriterien geben, an denen sich alle messen lassen müssen.

Sie fordern keine Frauen-Quote für die CDU?

Wenn es faire Qualitätskriterien gibt, dann nicht. Dazu gehört aber aus meiner Sicht auch, dass Frauen in der CDU bessere Chancen bekommen müssen, Erfahrungswissen zu sammeln. Denn Qualität kann nur dann wachsen, wenn es die Gelegenheit gibt, sie im politischen Alltag zu zeigen und weiter zu entwickeln. Solche Erfahrungen kann man nur on the job erwerben.

Welche Kriterien wollen Sie denn einführen, um die Qualität von Politikern zu messen?

Es muss eine Rolle spielen, wer etwas für die Bürger leistet. Also wer beispielsweise Ideen einbringt, wer sich wo und wie ehrenamtlich engagiert und wer die Fähigkeit entwickelt hat, andere mitzuziehen oder zu begeistern. Wenn das fair ermittelt und bewertet wird, fördert das auch viele engagierte Frauen in der CDU. Da bin ich mir ganz sicher.

Wie wollen Sie diese Erneuerung in der CDU umsetzen?

Zuerst bei uns in der Frauen Union. Damit haben wir auch schon angefangen. Zum Beispiel mit neuen Beteiligungsformen. bei denen alle – ob Parteimitglied oder nicht – ihre Kompetenzen und Qualifikationen einbringen können. Dafür haben wir digitale Kommunikationsplattformen eingerichtet, die alle Interessierten vernetzen. Ziel muss es sein, dass wir alles, was sich bewährt, auch in anderen Ebenen und Gremien der Partei umsetzen.

Woher nehmen Sie Ihre Zuversicht?

Ich finde gut, dass unser Parteivorsitzender Michael Kretschmer sich seit einem Jahr stark für eine Erneuerung der CDU Sachsen einsetzt. Cool ist, dass er direkt auf die Bürger zugeht, zuhört und sich ihren Problemen direkt annimmt. Auch das Erscheinungsbild und die Kommunikation der Partei verändern sich durch ihn positiv. Er hat auch vorgeschlagen, dass bei der Landtagswahl im Jahr 2019 auf jedem zweiten Listenplatz der CDU eine Frau steht. Als Frauen Union finden wir das natürlich gut. Letztendlich entscheidet aber die Landesvertreterversammlung im Januar, wie dieser Vorschlag umgesetzt wird.

Von Andreas Tappert

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