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Lokales Fraunhofer-Institute würdigen Gründungsdirektor Frank Emmrich
Leipzig Lokales Fraunhofer-Institute würdigen Gründungsdirektor Frank Emmrich
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15:21 25.01.2019
Neujahrsempfang der Leipziger Fraunhofer-Institute: Biosaxony-Chef André Hofmann, IZI-Leiterin Ulrike Köhl und IMW-Leiter Thorsten Posselt (von links).
Neujahrsempfang der Leipziger Fraunhofer-Institute: Biosaxony-Chef André Hofmann, IZI-Leiterin Ulrike Köhl und IMW-Leiter Thorsten Posselt (von links). Quelle: André Kempner
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Leipzig

In der Theorie war es der erste Neujahrsempfang der Leipziger Fraunhofer-Institute ohne Frank Emmrich. In der Praxis stand der Gründungsdirektor und langjährige Chef der Forschungseinrichtung für Zelltherapie und Immunologie (IZI) am Donnerstagabend verdientermaßen noch einmal im Mittelpunkt der Feier. „Du hast das IZI in den 13 Jahren seit der Gründung zu dem gemacht, was es heute ist“, bedankte sich Emmrichs Nachfolgerin Ulrike Köhl bei dem 69-Jährigen, der vergangenes Jahr in den Ruhestand gegangen war. „Und noch mehr: Das Jahr der Übergabe war so harmonisch und konstruktiv, wie ich es nicht erwartet hätte“, sagte die 55-jährige Immunonkologin.

Auch Thorsten Posselt, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Internationales Management und Wissensökonomie (IMW), stimmte in den Lobgesang auf Emmrich ein: „Frank Emmrich war schon da, als ich kam“, stellte er fest. Und trotz der sehr unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen „war er für mich wie ein Mentor“. Emmrichs einstige IZI-Kollegen überreichten dem emeritierten Professor sämtliche Veröffentlichungen aus der gemeinsamen Zeit – zu mehreren dicken Wälzern zusammengebunden. Auch eine Fotocollage im Breitwandformat gehörte zum Geschenk. „Da brauche ich aber einen langen Schreibtisch, um das darüber zu hängen“, bemerkte Emmrich trocken mit einem feinen Lächeln. „So kennen wir ihn“, entgegnete die Nachfolgerin und lachte.

IZI: 35 Millionen Ertrag

Den rund 200 Gästen präsentierte Köhl daraufhin die Zahlen des Übergangsjahrs: Mehr als 35 Millionen Euro Ertrag haben die 638 Mitarbeiter an den fünf Standorten in Leipzig, Halle, Rostock, Potsdam und Erfurt 2018 erwirtschaft. Mehr als 50 Graduierungen, 100 Publikationen und 250 Abstracts stehen zu Buche. Schlagzeilen hat im August die Zulassung des Gentherapie-Wirkstoffs „Kymriah“ gemacht. Im Auftrag des Schweizer Pharmakonzerns Novartis hatten die IZI-Wissenschaftler bereits seit 2015 daran geforscht, körpereigene Zellen so umzuprogrammieren, damit sie Leukämie bekämpfen. Perspektivisch wolle sie das Profil des Instituts weiter in Richtung Immunonkologie schärfen, sagte Köhl – freilich ohne dabei die vorhandene Expertise in anderen Forschungsfeldern aufzugeben.

Für ihren IMW-Kollegen Posselt stach 2018 das hauseigene Großprojekt „Data Mining und Wertschöpfung“ heraus. Europäische Union und sächsischen Wissenschaftsministerium fördern das Vorhaben mit 7,5 Millionen Euro, um dem Mittelstand des Freistaats dabei zu helfen, die ohnehin bei der Arbeit anfallenden Daten in Geschäftsmodelle umzumünzen. Als „Juniorpartner“ der beiden Fraunhofer-Einrichtungen führte sich Biosaxony-Geschäftsführer André Hofmann in die Festgesellschaft ein. Im Oktober habe das Wirtschaftsministerium dem 2009 gegründeten Biotechnologie- und Medizintechnik-Verband mit einem Zuwendungsbescheid eine vierjährige Planungssicherheit beschert, resümierte Hofmann das vergangene Jahr. Überdies habe die Europäische Kommission das bisherige Bronze-Label von Biosaxony im Rahmen der „Europäischen Cluster-Exzellenz-Initiative“ kürzlich zum Silber-Status aufgewertet.

Was das alles mit den „geopolitischen Herausforderungen Europas“ zu tun hat, die der prominente Berliner Politikwissenschaftler Herfried Münkler als Gastredner im Anschluss vor allem in einem „Pfahl der Instabilität“ zwischen Kaukasus und Balkan verortete? In erster Linie, dass Frank Emmrich offenbar ein begeisterter Leser von Münklers Büchern ist – der Vortrag war ein weiteres Abschiedsgeschenk seiner IZI-Kollegen für den früheren Chef.

Von Mathias Wöbking

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