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Lokales Jugendliche erhielten Geld fürs Demonstrieren
Leipzig Lokales Jugendliche erhielten Geld fürs Demonstrieren
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06:48 03.12.2019
Gekauft: Das Schweigen im Wald hatte der Nukla-Verein sein Kunstprojekt überschrieben, mit dem er bezahlte Komparsen auf der Fridays-for-Future-Demo gegen die geplanten Abholzungen im Auwald demonstrieren ließ. Quelle: Screenshot/nukla.de
Leipzig

„10 bis 12 Helfer für 29.11. gegen 50 € Aufwandsentschädigung gesucht – ein Angebot für Jobs in Leipzig“ ist am Digitalen Schwarzen (DSB) im Netz unter der Rubrik Jobs in Leipzig zu lesen. Dann folgt, was die Job-Interessenten tun sollen: „Der Verein NuKLA sucht 10-12 Freiwillige, die sich zum Klimastreik von Fridays vor Future am 29.11. ab 13 Uhr vor dem Verwaltungsgericht schwarz gekleidet, mit einem Schild (mit Texten um Schutz des Leipziger Auwaldes) und mit weißer neutraler Maske schweigend aufstellen und ab 15 Uhr an der Demo auf dem inneren Ring mitgehen (Ende ca. 17.30 Uhr am Startpunkt)“. Und noch etwas: „Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, die Schilder und Masken werden zur Verfügung gestellt.“

„Das ist doch ein fairer Preis“

Nukla ist der eingetragene Verein „Naturschutz und Kunst Leipziger Auwald“, der sehr rührig ist. Nukla kennt kein Pardon, wenn es um geplante Abholzungen im Auwald geht, legt sich deshalb mit Förstern und Politikern an. „Der Auwald braucht mehr Bäume, nicht weniger“, sagt Vereinschef Wolfgang Stoiber.

Stoiber steht auch hinter der Anzeige und hat kein Problem damit, dass er Jugendlichen Geld gab, damit sie auf der Fridays-for-Future-Großdemo am vergangenen Freitag vor dem Bundesverwaltungsgericht auftraten. „50 Euro für vier Stunden sind doch ein fairer Preis“, sagt er und das stimmt offenbar. Denn tatsächlich demonstrierten 15 Maskierte in schwarzer Kleidung und schwenkten stumm ein Dutzend Schilder. „Auwald for Future“, stand auf einem. Oder „Naturschutz statt Kettensägen“ und „Wer alte Bäume für Klimaschutz fällen lässt, ist doof oder lügt!“

Mehrere tausend meist junge Menschen haben am Freitag in Leipzig für den Schutz des Klimas demonstriert.

„Diese Leute demonstrieren nicht, sie machen Kunst“

Dass es sich um gekaufte Demonstranten handelt, war nirgendwo kenntlich gemacht und ist für Nukla kein Problem. „Wir haben nicht genug junge Leute im Verein, die so eine Aktion machen können“, sagt Stoiber. „Diese Leute demonstrieren auch nicht, sie machen Kunst. Dementsprechend sind das keine Demonstranten, sondern Statisten. Und die bezahlen wir, wie es beispielsweise auch bei einem Musiker bei einem Engagement üblich wäre.“ Das Geld stamme aus der Vereinskasse. Nukla hat inzwischen auch ein Video von der Aktionins Netz gestellt.

Fridays for Future reagiert skeptisch

Bei den Organisatoren der Großdemo vom Freitag sorgt diese Aktion für Betroffenheit. „Wir wussten von der ganzen Sache nichts“, erklärte Lisa Marleen Allisat von Fridays for Future. Einige hätten zwar die Anzeige im Netz gelesen, doch die genaue Realisierung habe ausschließlich bei Nukla gelegen. „Mir ist es total fremd, Demonstranten zu bezahlen“, so die 17-Jährige. „Wir selbst würden das auf keinen Fall tun. Wir haben auch niemanden bezahlt.“

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