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Lokales Für Milliarden-Ding in Leipzig rücken nun die Bagger an
Leipzig Lokales Für Milliarden-Ding in Leipzig rücken nun die Bagger an
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10:44 27.02.2019
Jörg Jacob (links) und sein Bruder Jens Jacob haben noch keinen Ersatzstandort für ihren city-nahen Altmetallhandel gefunden.
Leipzig

Der Club So&So ist zu und verlassen. Vor wenigen Tagen übergaben die Betreiber ihre Schlüssel an den Projektentwickler CG-Gruppe. Dieser will auf dem Eutritzscher Freiladebahnhof einen Stadtteil mit 2100 Wohnungen errichten – samt einem 5,5 Hektar großen Park, drei Hochhäusern, zwei Schulen, zwei Kitas, Sporthalle und „kulturell-sozialen Einrichtungen“.

Metallhandel Jacob kämpft ums Überleben

30 Prozent der Neubauflächen bleiben Gewerbenutzungen vorbehalten. Doch bei den letzten Gewerbetreibenden vor Ort löst das eine Milliarde Euro schwere Vorhaben keine Begeisterung aus. Im Gegenteil: Farben Schultze und der traditionsreiche Altmetallhandel Jacob gehen jetzt juristisch gegen Kündigungen ihrer Pachtverträge durch die CG-Gruppe vor.

Farben Schultze hat 18 Filialen

Für Farben Schultze – ein Fachhändler aus Gerichshain bei Machern – ist die Theresienstraße 2 nur ein Standort von 18 Filialen in Mitteldeutschland. Für die Brüder Jacob und ihre acht Mitarbeiter bei dem benachbarten Metallhandel hängt hingegen die Existenz vom Ausgang dieses Verfahrens ab. „Bei uns geht es ums nackte Überleben“, bestätigt Geschäftsführer Jörg Jacob. Die CG-Gruppe wolle, dass sie ihr etwa 6000 Quadratmeter großes Gelände Ende September 2019 räumen. „Wir sind der Meinung, dass unser Mietvertrag bis ins Jahr 2022 gültig ist.“

Umzug auf Postbahnhof nicht weiter verfolgt

Schon als ihr Vater 1993 das Geschäft auf den Eutritzscher Freiladebahnhof verlegte, habe er versucht, auch das Grundstück zu erwerben. Doch die Bahn lehnte ebenso ab wie der spätere Besitzer VVBI Capital AG. 2017 gab es einen Rechtsstreit mit dem heutigen Eigentümer über die Nutzung einer Zufahrtsstraße. Bei der sicher nicht einfachen Suche nach einem Ersatzstandort habe sich der Metallhandel dann nicht wirklich unterstützt von CG gefühlt. „Zum Beispiel kam auf unseren Vorschlag, auf den Postbahnhof zu wechseln, nie etwas Konkretes zurück.“

Familienbetrieb in dritter Generation bedroht

Schlimm sei nicht nur, dass ein Familienbetrieb in dritter Generation auf dem Spiel stehe. „Wir sind der letzte große Metallhändler in so einer Innenstadtlage. Viele treue Kunden, die zu Hause etwas Schrott haben, müssten in Zukunft weite Wege fahren, um ihn abzugeben. Finanziell würde sich das für die meisten Leipziger dann gar nicht mehr lohnen. Auch der Umwelt entsteht so ein Schaden.“

Historisches Straßenpflaster wird geborgen

Während Jacob weiter hofft, doch noch irgendwie einen Ausweg zu finden, verweist ein Sprecher der CG-Gruppe auf die Terminkette für den neuen Stadtteil. Gerade rückten die ersten Bagger an, um Medien zu trennen und nicht denkmalgeschützte Bauten wie eine Kegelbahn oder das So&So zu entkernen. „Das historische Straßenpflaster wird behutsam geborgen, um es später hier wieder zu verwenden. Für das Areal ist eine Tiefenenttrümmerung nötig. Das bereiten wir jetzt vor.“

Der TV-Club an der Theresienstraße ist Leipzigs ältester Studentenclub, wurde 1970 gegründet. Er zig nach der Wende nach Eutritzsch um, prüft nun zurzeit ein Ausweichobjekt. Quelle: Kempner

Lösungen für die allermeisten Nutzer gefunden

Von den 81 Nutzern, die beim Kauf des 25 Hektar großen Geländes im Jahr 2016 bereits da waren, habe sich bislang nur für drei noch keine Lösung finden lassen, so die CG-Gruppe weiter. Zum Beispiel ziehe die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) an die Zweinaundorfer Straße um, der Kontaktlinsen-Händler Lensspirit (37 Mitarbeiter) wechsele in den Gewerbepark Berliner Brücke. Der TV-Club sei nach wie vor ungekündigt.

TV-Club kann mindestens noch dieses Jahr bleiben

„Wir können in jedem Fall bis zum Jahresende hier bleiben, prüfen ein Ausweichobjekt und arbeiten dabei mit CG zusammen“, teilte Leipzigs ältester Studentenclub dazu auf LVZ-Nachfrage mit.

Von Jens Rometsch

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