Gastronomie-Rückkehr in Leipzig: Wie es sich anfühlt, wieder bedient zu sein
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Gastronomie-Rückkehr in Leipzig: Wie es sich anfühlt, wieder bedient zu sein

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15:25 14.05.2021
Glücklich über den Neustart: Sarah Müller bewirtet wieder im Glashaus im Clara-Zetkin-Park.
Glücklich über den Neustart: Sarah Müller bewirtet wieder im Glashaus im Clara-Zetkin-Park. Quelle: Andre Kempner
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Leipzig

Um 9.43 Uhr lacht die Sonne zum ersten Mal die Wetter-Prognosen aus. Kurz nur, aber immerhin. Am Eingang vom Glashaus im Clara-Zetkin-Park lächelt Sarah Müller mit. „Ja, wir haben seit 9 Uhr wieder auf“, sagt die Kellnerin. „Herzlich willkommen!“ Mit der Öffnung der Außengastronomie als Folge der sinkenden Corona-Inzidenz kehrt ein sieben Monate stillgelegtes Gefühl zurück, das mit Begegnung und Genuss zu tun hat. Ein paar Hürden gilt es zu nehmen, doch sie sind niedrig.

Die Bedingungen für einen Besuch: Maskenpflicht beim Betreten des Geländes, verifizierter Negativtest oder Impfnachweis – für Personen aus mehr als einem Haushalt – und Registrierung als Gast. Das geht handschriftlich oder per Smartphone. Den bereitgestellten Code erkennen normale Scanner-Apps; Luca- oder die Corona-Warn-App nützen hier dagegen nichts. 28 Tische verteilen sich luftig auf der Fläche, immerhin. Spazierende blicken neugierig, manche erstaunt.

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„Wir sind wahnsinnig glücklich“

Aus dem für Publikum noch gesperrten Gastraum dringt Lachen des Personals. „Wir sind wahnsinnig glücklich, dass es losgeht“, bekennt Müller, die seit gut zwei Jahren hier arbeitet und während des Lockdowns zweimal pro Woche ins To-Go-Geschäft der benachbarten Grillhütte involviert war. Für Mittag gibt’s die ersten Reservierungen, „dann geht es hoffentlich richtig los.“

Drei Minuten später und zum ersten Mal seit Anfang November bringt die junge Frau die erste Bestellung an einen Tisch. Cappuccino mit üppigem Milchschaum, zwei Zuckerröhrchen auf der Untertasse. Teil eines Gesamtkunstwerks, zu dem auch etwas gehört, das man Gastrophonie nennen kann: dieser Sound aus Geschirrklappern, Röcheln der Kaffeemaschine, Stimmengewirr.

Mit normalem Smartphone-Scanner zur Registrierung. Quelle: Andre Kempner

Letzteres schwillt vor der Pinguin Milchbar im Zentrum kurz darauf schon allmählich an. Die ersten Tische sind besetzt, auf anderen stehen Reservierungs-Kärtchen. Immerhin. „Ich find’s wunderbar“, schwärmt Manfred Hübner, während er den langen Löffel im Eisbecher versenkt. „Angst vor Ansteckung hab ich nicht, ist doch alles mit Abstand“, so der 41-Jährige.

Mit 83 Tischen lässt sich hier trotz Indoor-Verbots durchaus ein Geschäft machen. „Wir freuen uns alle sehr“, sagt Kellnerin Sindy Cirule, „mit der Öffnung kommt ein Gefühl von Menschsein zurück.“ Von Corona war Leipzig lange genug bedient, jetzt bekommt man endlich wieder das, was man auch bestellt hat. Auf der anderen Seite des Marktplatzes sind die Außenplätze von Spizz und angrenzenden Locations fast komplett belegt.

Jeder Tisch besetzt: Der Spizz-Freisitz am Freitag-Vormittag. Quelle: Andre Kempner

Der straffe Regen am Mittag dünnt die Besucherzahl aus und erinnert daran, dass es noch ein bisschen dauert bis zu echtem Biergarten-Wetter. Das gilt auch für den Status der Normalität. Doch die ersten Stunden des Gastro-Comebacks, die sind schon etwas mehr als ein „Immerhin“.

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Von Mark Daniel