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Lokales Gedenken an Völkerschlacht: Liebertwolkwitz und Markkleeberg reisen ins Jahr 1813
Leipzig Lokales Gedenken an Völkerschlacht: Liebertwolkwitz und Markkleeberg reisen ins Jahr 1813
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19:02 15.10.2010
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Sie jährt sich dieser Tage zum 197. Mal. 1813 lieferten sich 500.000 Soldaten eine der bis dahin größten Schlachten der Menschheitsgeschichte. Napoleon verlor gegen alliierte Truppen aus Preußen, Russland, Schweden und Österreich. Es gab 120.000 Tote – Soldaten wie Zivilisten.

„Andere Facette der Völkerschlacht“ in Liebertwolkwitz

Auf dem historischen Marktplatz stellen Einwohner in Liebertwolkwitz Ortshistorie aus der Zeit der Völkerschlacht dar. „Geschichte findet hier fern ab von Büchern statt. Sie wird einfach erlebbar, denn das Alltagsleben, also Freud und Leid der ländlichen Bevölkerung um 1813 sind hier greifbar", sagt der Liebertwolkwitzer Ortsvorsteher Lutz Zerling.

220 Einwohner arbeiten an dem Spektakel mit, 180 davon werfen sich dabei in Kostüme. Sie spielen Szenen, wie die urkundlich verbriefte Schadenserfassung, betreuen Kinder und machen mit ihnen Spiele aus der damaligen Zeit. Ein Pfarrer führt durch den Ort, und wenn es dunkel wird, geht ein Nachtwächter mit Gefolge durch die Straßen. Dazu wird es Konzerte, Theaterstücke und am Samstagabend das Fest „Tanz auf der Tenne" geben.

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„Wir zeigen ein Liebertwolkwitz, wie es 1813 wirklich war - oder jedenfalls wie es tatsächlich hätte gewesen sein können", sagt Zerling. Das heißt für die Mitwirkenden: Wer heute im Stadtteil ein Zimmermann ist, spielt einen Zimmermann aus dem Jahr 1813. Der Ortsvorsteher selbst wohnt auf dem Hof des früheren Pferdners, eines Anspanners oder Pferdebauern. Daher tritt er drei Tage lang als dieser auf.

Die Liebertwolkwitzer wollen eine „andere Facette der Völkerschlacht“ darstellen, so Zerling. Im Zentrum ähnlicher Veranstaltungen stehe sonst immer das Biwak der Soldaten, die an der Schlacht teilnahmen. Das sei aber nicht der Normalfall gewesen. „Die Armeeangehörigen wurden damals auf Höfen einquartiert. Wir werden zeigen, wie sich das dargestellt hat." Durch den Leipziger Stadtteil streifen daher auch sächsische, österreichische und preußische Soldaten in historischen Kostümen.

Um das Bild abzurunden und den erwarteten 3000 Besuchern die Reise ins Jahr 1813 zu ermöglichen, hat die Stadt die Verkehrsschilder abgehängt und die Zufahrt zum Zentrum gesperrt. „Die Absperrung kostet viel Geld. Die Eintrittsgelder werden nur gebraucht, um diese Maßnahme zu bezahlen", sagt der Ortsvorsteher. Warum veranstaltet man solch ein Spektakel, wenn für den Stadtteil nichts übrig bleibt? „Je mehr Besucher kommen, desto größer ist die Chance, dass Liebertwolkwitz auch finanziell profitiert", sagt Zerling. „Aber wir machen es zu allererst, um den Besuchern eine Freude zu machen und die Erinnerung an die Schlacht und unsere Vorfahren lebendig zu halten."

Premiere für Mitmachdorf in Markkleeberg

In Markkleeberg werden an diesem Wochenende mehr als 800 Uniformierte aus ganz Europa zu Biwaks und zur großen Gefechtsdarstellung auf dem Agra-Gelände zwischen Torhaus Dölitz und Markkleeberg-Ost erwartet. Die Ersten haben bereits am Freitagvormittag ihre Zelte aufschlagen und mit ihrer Ausrüstung wieder für neugierige Blicke gesorgt.

In ein Mitmachdorf sind kleine und große Besucher erstmals für Samstag von 10 bis 13 Uhr auf den Biwakplatz am Torhaus Markkleeberg-Ost eingeladen. Dort können Interessierte in historische Kleider schlüpfen, Proviantbeutel bedrucken und Handpuppen ausprobieren. Der Eintritt ist frei, allerdings sollten fünf Euro für die Kostümleihe bereitgehalten werden.

Um 13.30 Uhr geht es dann auf dem Agra-Vorführplatz nahe der Mönchereistraße weiter. Bis zum Beginn der traditionellen Gefechtsdarstellung um 14 Uhr werden zivile Spielszenen gezeigt. Erwachsene zahlen fünf Euro, Kinder ab vier Jahren, Schüler, Studenten, Azubis, Schwerbehinderte und Leipzig-Pass-Inhaber bei Vorlage des Ausweises jeweils drei Euro. Im Preis enthalten ist der Besuch des Zinnfigurenmuseums im Torhaus Dölitz, die Ausstellungen im Schloss und Torhaus Markkleeberg sowie der Zutritt zu den beiden historischen Biwaks. Autofahrer sollten den Parkplatz am Agra-Eingang Bornaische Straße nutzen.

Sonntagmorgen ziehen die Truppen von den Biwaks zum Napoleonstein an der Leipziger Tabaksmühle, wo um 10 Uhr in unmittelbarer Nähe des Völkerschlachtdenkmals die Gedenkfeier des Verbandes Jahrfeier Völkerschlacht stattfindet.

Michael Dick / Ulrike Witt / dpa